Kofferraumausbau mit zweiter Batterie + Ladeelektronik + Stauraum

Das Eckige muss ins Runde…

Die Idee

Nachdem mich auch das Dachzelt-Virus gepackt hatte, musste meine „Alte Lady“, ein Toyota Avensis 25, im Kofferraum ein bisschen campingtauglich gemacht werden. In meinem Kopf entstand der Gedanke, eine Kofferraumbox mit einigen Extras zu bauen.

Einmal infiziert, gibt es keine Heilung: Das Dachzelt-Virus!

Die Anforderungen an die Box

Die Box sollte:

  • trotz der serienmäßigen Kofferraumabtrennung und Abdeckung eingebaut werden können
  • den Wagen nicht zum Zweisitzer machen, sondern die Rücksitze belassen, damit die volle Alltagstauglichkeit erhalten bleibt
  • die zweite Batterie und die Ladeelektronik für Batterie/Solar enthalten
  • möglichst variabel und leicht ein- und ausbaubar sein
  • drei bzw. vier 600-x-300-x-300-Euroboxen (Stapelboxen) aufnehmen können
  • möglichst günstig sein, da die Elektronik ist schon teuer genug ist.

Wo kommt die Box hinein?

Mein Fahrzeug ist ein Toyota Avensis D-CAT 2.2 T25 Kombi Bj. 2006. Der Kofferraum des Avensis ist kein Raumwunder, und durch viele Rundungen ist es nicht so einfach, den Laderaum möglichst effektiv auszunutzen.

Das Trägerfahrzeug – ein Toyota Avensis T25 D-CAT 2.2 – Bj. 2006

Meine Erfahrungen, die ich beim Bau der Box gesammelt habe, lassen sich natürlich auch auf Kofferräume anderer Autohersteller übertragen. Die Elektronik kann auch ohne Probleme in ein anderes Fahrzeug oder eine andere Box versetzt werden.

Die Umsetzung

Zunächst machte ich mich bei Google, YouTube und natürlich in der Dachzeltnomaden-Gruppe auf Facebook etwas schlau. So entstand der Grundriss in meiner Vorstellung, und es war schnell klar, dass diese Kiste nicht an einem Nachmittag zusammengeschustert sein würde.

Keine Lust zum Lesen?

Diesen Beitrag gibt es auch als Video. Für ein besseres Verständnis empfehle ich dir aber dringend, den Beitag einmal zu lesen. Das Video ist eher als erster Überblick gedacht.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=GxVJO68CbxI

Was kann der ganze Technikkram?

Zunächst habe ich mich mit der Auswahl der Elektronik-Komponenten befasst. Die Elektronik ist das Herzstück des ganzen Vorhabens und muss möglichst platzsparend und dennoch gut erreichbar platziert werden.

Die zweite Batterie, die mit der Elektronik in der Box verbaut ist, soll es ermöglichen, ein bis zwei Nächte autark campen zu können. In diesem Zeitraum beziehe ich dann meinen gesamten Energiebedarf aus der zweiten Batterie. Um diese jedoch immer schön vollgeladen zu haben, wollte ich möglichst flexibel sein. Der von mir verwendete Laderegler lädt die Batterie wie folgt auf:

  1. Laden der zweiten Batterie über eine konventionelle Lichtmaschine (konstante Ladespannung): Der Regler lädt die zweite Batterie mit bis zu 20 A über die Starterbatterie, wenn eine konventionelle Lichtmaschine läuft. Diese Funktion wird abgeschaltet, wenn der Motor nicht läuft, um das Entladen der Starterbatterie zu verhindern. Alternativ: Laden der zweiten Batterie über einen sog. Smart-Generator (mit variabler Ladespannung): Der Regler kann eine zweite Batterie mit bis zu 20 A über die Starterbatterie laden, wenn ein Smart-Generator läuft. Diese Funktion wird aus dem gleichen Grund bei ausgeschaltetem Motor deaktiviert. Smart-Generatoren sind meist in neueren Wagen verbaut, die auch über eine Start-Stopp-Funktion verfügen. In meinem Wagen benötige ich diese Funktion nicht.

  2. Laden der zweiten Batterie über ein Solarmodul: Der Regler kann die zweite Batterie mit bis zu 20 A über ein Solarmodul laden und mit Erhaltungsladung versorgen. Dabei wird das MPPT-Verfahren verwendet (Maximum Power Point Tracker), um die Leistung des Solarmoduls zu maximieren.

  3. Zusätzlich habe ich noch ein externes Ladegerät, um die zweite Batterie mit Netzspannung zu laden. Dies ist meist auf Campingplätzen der Fall.

Außerdem findet eine Temperaturkompensation der Ladespannung statt. Die Ladespannung wird optimiert, indem diese bei Temperaturen unter 25° C erhöht bzw. bei Temperaturen über 25° C absenkt wird.

Richtig cool ist die Funktion der Erhaltungsladung für die Starterbatterie über das Solarmodul. Der Regler lädt die Starterbatterie in Intervallen von 3 Sekunden, wenn die zweite Batterie vollständig geladen ist.

Auch sehr wichtig: Es gibt ein optimiertes Ladeverfahren für AGM-Batterien. Diese Batterien benötigen eine höhere Ladespannung als andere Arten von Blei-Säure-Batterien.

Die Konstruktion und das Material

Leider ist der Kofferraum des Avensis, wie auch der anderer neuerer Wagen, sehr rund. Das hat zur Folge, dass du nicht einfach mit Zollstock und Maßband ausgerüstet zur Tat schreiten kannst.

Tipp: Wenn du deinen Kofferraum ausbauen willst, ist es sehr hilfreich, alle Teile der Box mit Hilfe von Papp-Schablonen herzustellen. So kannst du selbst eine eckige Box in einen runden VW Käfer einbauen!

Als Material habe ich 15-mm-OSB-Platten verwendet. Die Rahmenkonstruktion besteht aus Kanthölzern. Das Ganze wird mit unzähligen Schrauben und kleinen 90°-Winkeln zusammengehalten. Über meine Verarbeitungsqualität kann man sicher streiten, aber die Box erfüllt ihren Zweck.

Das Ergebnis meiner überschläglich berechneten Statik: Die Box ist sehr stabil, und kann auch mit schweren Gegenständen wie einem Kasten Bier beladen werden.

In unzähligen einzelnen Schritten und Anläufen entstand schließlich die finale Box: Sie passte endlich ins Auto, und ich konnte den Kofferraum schließen.

Sicherlich hätten auch dünnere und somit leichtere Kanthölzer bzw. OSB-Platten ausgereicht. Du kannst also für deine Box alles eine Nummer kleiner verwenden.

Die Elektroinstallation – Von Batterie zu Batterie

Das Kabel von der Batterie zum Kofferraum habe ich auf der Beifahrerseite verlegt. Hier gibt es eine relativ gute Stelle, um in den Motorraum zu kommen. Diese befindet sich hinter dem Handschuhfach. Den Rest des Kabels habe ich unter den Einstiegsleisten in den Kofferraum geführt.

Die Masse holst du dir am besten direkt vor Ort im Kofferraum, da gibt’s genug Stellen. Am besten öffnest du dazu deine Boden- oder Wandverkleidung im Kofferraum. Dort findest du oft Schrauben, unter die du deinen Ringkabelschuh schrauben kannst. Bitte benutze hierzu keine Schrauben von tragenden Teilen (z. B. Gurtbefestigung). Die Schrauben müssen direkt ins Metall (Karosserie) geschraubt sein.

Wichtig:
Im Auto solltest du alle Kabelverbindungen mit Quetschverbindern herstellen. Auf keinen Fall solltest du löten! Durch das Löten entsteht eine feste Verbindung, die durch Bewegungen oder Vibrationen (am Übergang zur flexiblen Stelle) brechen kann. Für die Verbinder benötigst du eine passende Quetschzange.

Den Anschluss an die Elektronik habe ich mit MC4 Steckern umgesetzt, wie man sie auch von Solar-Modulen kennt. Wichtig ist, dass die Stecker auch für den Kabelquerschnitt geeignet sind.

Hier siehst du das Anschluss-Schema des Ladereglers. Weiter unten gehe ich darauf im Verdrahtungsplan noch genauer ein. Am Regler haben wir einen Plus-Pol zum Anschluss des Solar-Panels, einen Plus-Pol zum Anschluss der Kfz-Batterie, einen Plus-Pol zum Anschluss der Service-Batterie sowie einen gemeinsamen Masseanschluss. Der Querschnitt der hier verwendeten Leitungen ist 10 mm².

Anschluss-Schema des Ladereglers (Quelle: CTEK)

Tipp: Pass beim Verlegen unbedingt auf, dass das Kabel nicht über scharfe oder scheuernde Stellen geführt wird! An besonders kniffligen Stellen kannst du das Kabel mit Schrumpfschlauch oder einer Schicht Isolierband verstärken. Du solltest auch Abstand zu Chinch-Leitungen von Hifi und Co. halten – sonst können Störgeräusche entstehen.

Es gibt immer einen Weg: Am besten ist es, wenn du eine vorhandene Kabeldurchführung nutzt. Diese Durchführungen sind meistens aus Gummi und können am Rand leicht durchstoßen werden. Ich habe eine M5-Gewindestange als Einzugsshilfe genutzt.

M5-Gewindestange als Einzugshilfe für das Batteriekabel

Bitte pass an den verlegten Kabeln und Sensoren auf. Bei neueren Wagen ist abseits des Sichtfeldes so einiges los. (Stichwort: Kabelsalat)

Kabelquerschnitte und Sicherungen

Der Querschnitt der Kabel hängt in erster Linie von diesen Faktoren ab:

Die Länge (m) – Last-Strom (A) – Spannung (V)

Die anderen Faktoren (Umgebungstemperatur, etc.) lasse ich außen vor, diese sind zunächst zu vernachlässigen.

Der Hersteller der von mir verwendeten Komponenten empfiehlt bei einer Länge von 5 m von Lichtmaschine bis zum Laderegler einen Querschnitt von 6 mm² – in meinem Auto liegen nur 10 mm² dicke Kabel. Das passt also! Im Motorraum sollte die Zuleitung möglichst nahe an der KFZ-Batterie abgesichert werden. Hier kannst du eine sogenannte AGU-Sicherung verwenden. Vielleicht kennst du die noch aus der Zeit, als du dir eine Endstufe ins Auto gebastelt hast – 30 A sollten hier ausreichen.

Empfehlung Kabelquerschnitte und Sicherungen – CTEK D250SA

Die Verbindungsleitung vom Laderegler  zur Service-Batterie sollte nicht länger als 2 m sein und mit 10 mm² verdrahtet werden. Als Sicherung wird 30 A empfohlen.

Die Zahlen können natürlich von Hersteller zu Hersteller variieren. Hier findest du eine (sehr genaue) Beschreibung zu Kabelquerschnitten

Das Herzstück – Die Elektronik

Die Elektronik und die zweite Batterie sind direkt hinter den Rücksitzen verbaut. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Wenn mal eine Sicherung fliegt, komme ich ohne Probleme heran. Ich muss dazu einfach nur die Rückenlehne umklappen – die gesamte Beladung kann in der Box bleiben.

Der Verdrahtungsplan

Auf dem Verdrahtungsplan kannst du erkennen, wie alle Komponenten miteinander verbunden sind. Neben der Kfz-Batterie und dem Solar-Panel, gibt es zwei wesentliche Komponenten, die sich in den Rechtecken befinden. Im Folgenden gehe ich genauer auf diese Komponenten ein. Anschließend beschreibe ich dir die „Rote Kiste“ ganz genau.

1. Der Batterie-Koffer

Darin befindet sich die zweite Batterie (Service-Batterie). Es gibt einen Hauptschalter, der beim Ausbau des Koffers unbedingt ausgeschaltet werden muss, da im Koffer keine Sicherung mehr vorhanden ist!

Außerdem ist an der Außenseite die Ladebuchse für das externe Ladegerät verbaut. Die Kunststoff-Durchführung ist für die Temperatursensoren von Laderegler und externem Ladegerät.

Ein Highlight ist der eingebaute Bluetooth Sender. Dieses kleine unscheinbare Gerät übermittelt den Ladezustand der Batterie an mein Smartphone. Es wird sogar eine Ladekurve dargestellt, die sich auch vergrößern oder verkleinern lässt. Da das Gerät nur die Spannung misst, ist der dargestellte Ladezustand nicht sehr genau. Es ist aber ein Richtwert, der dir zeigt, wie es um deine Batterie bestellt ist. Ein must-have ist das Teil auf keinen Fall. Eine 5-€-Batterie-Anzeige hätte auch gereicht – aber es sieht cool aus 😉

2. Das Elektronik-Board

Testlauf der Elektronik

Auf dem Board befinden sich:

  • CTEK Laderegler D250SA
  • Spannungswandler auf 230V
  • Alle Sicherungen für die Abgänge zur Steckdosen Box – „Rote Kiste
  • Die 30-A-Hauptsicherung der zweiten Batterie
  • Klemmleisten für die externen Leitungen
  • Anschluss für Stecksystem der Steckdosen-Box
  • Alles gut versteckt in Kabelkanälen

Vom Stecksystem des Elektronik-Boards geht’s dann über eine Mehraderleitung zur Steckdosen-Box. Das Ganze ist steckbar, damit es auch leicht aus- und eingebaut werden kann. Als Steckverbindung habe ich einen Stecker der Firma Harting benutzt. Diese sind aus der Industrie bekannt und können auch von anderen Herstellern für einen günstigeren Preis bezogen werden. Google kann dir da weiterhelfen. Ganz nach dem Motto „Recycling lebt vom Mitmachen“ habe ich einen gebrauchten Stecker aus dem Elektroschrott verwendet.

Der „Harting-Stecker“ – Die Verbindung zur Elektronik

Die Abgänge zur Steckdosen-Box sind wie folgt abgesichert:

Die von mir verwendete Mehraderleitung ist eine 12-x-1,5-mm²-Leitung. Um den Querschnitt zu erhöhen, habe ich je zwei Leitungen parallel verwendet – So habe ich im Prinzip eine 6-x-3 mm²-Leitung.

ACHTUNG: Der Hauptschalter am Batterie-Koffer muss vor dem Ausbau unbedingt ausgeschaltet werden!

Tipp: Wenn du den Transportkoffer mit der Batterie ausgebaut und eingelagert hast, schließe den Schalter mit einem Kabelbinder ab. Wenn du ganz sicher sein willst, dann kannst du zusätzlich die offenen Kabelenden mit einer Klemme versehen.

Die Steckdosen-Box – Die „Rote Kiste“

Während der Fahrt steht die „Rote Kiste“ sicher verstaut in der Kofferraum-Box. Im Camping -Betrieb kann sie dann bei Bedarf auch entnommen werden. Außen an der Kiste habe ich die Möglichkeit, 12 V aus der klassischen KFZ-Steckdose zu bekommen und ich kann USB-Geräte wie z. B. das Handy zum Laden anschließen.

Zusätzlich habe ich noch Laborbuchsen eingebaut, um auch mal schnell etwas Gebasteltes anzuschließen. Dank des eingebauten Spannungswandlers können sogar 230-V-Geräte an einer Schuko Steckdose betrieben werden (max. 300 W). Alle Abgänge kann ich an der Box separat ein- und ausschalten. An der Rückseite befindet sich eine Erdungsschraube. Diese wird benötigt, weil kein Schutzleiter (PE) vorhanden ist. Die Schraube ist mit dem Schutzleiterkontakt der 230-V-Steckdosen verbunden. An ihr wird das Erdungskabel angeschraubt, dessen anderes Ende dann an einen geeigneten Erdungspunkt angeschlossen wird.

Im Inneren der Box gibt es außerdem noch zusätzlich Stauraum für diverse Kabel und die LED-Lampen. Die von mir eingebauten Schalter sind im eingeschalteten Zustand blau beleuchtet. Sie stammen ebenfalls aus dem Elektroschrott. Ich kann damit jede Steckmöglichkeit einzeln schalten.  Du kannst bei den Schaltern deiner Shopping-Lust freien Lauf lassen. Amazon bietet sehr viele verschiedene Modelle an. Amazon bietet sehr viele verschiedene Modelle an. Dieser Schalter zum Beispiel eignet sich hervorragend. Achte jedoch auf den Schaltstrom und kaufe nicht zu billig ein. Wer will schon im Urlaub basteln, wenn mal etwas kaputt geht?

Kleine Mathematikstunde: Welche Kapazität braucht deine Batterie?

Das hängt natürlich davon ab, was du mit der Batterie betreiben möchtest, und wie lange das Ganze autark funktionieren soll. In meinem Fall sind 75 Ah ausreichend, um mich einen Tag autark zu versorgen.
Dabei hängen die Verbraucher natürlich nicht 24 h am Netz!

Berechnung Energiebedarf

Zunächst brauchst du die Leistungsaufnahme deiner Geräte. Diese findest du meistens auf den Typenschildern oder im Handbuch. Dann solltest du dir überlegen, wie lange du die Geräte am Tag eingeschaltet haben möchtest. Anschließend geht es ans Ausrechnen:

Formel: Energiebedarf (Wh) = Leistung (W) x Einschalt-Zeit (t)

Bei mir sieht das so aus:

Beleuchtung: 10 W x 3 h = 30 Wh

Kühlbox:* 40 W x 8 h = 320 Wh

Ladegeräte: 20 W x 2 h = 40 Wh

Summe: 390 Wh

390 Wh Energiebedarf am Tag + 10 % Toleranz (Verlust/Puffer/Reserve) entsprechen

429 Wh Gesamt-Energiebedarf pro Tag

*Tipp: Wenn du viel kühlen musst, und Strom sparen willst, dann kaufst du dir am besten eine Kompressor-Kühlbox. Die ist westlich effizienter als die Stromfresser mit Peltier-Elementen! So einen Stromfresser habe ich, weshalb ich das Ding immer im Schatten stehen lasse und sie nicht durchgehend nutze.

Berechnung der Batteriekapazität

Formel: Batteriekapazität (Ah) = Energiebedarf (Wh) / Batteriespannung (V)

429 Wh / 12 V = ca. 36 Ah

Da du Blei-Säure-Batterien nur zur Hälfte entladen solltest, ist die Differenz zu den 75 Ah als Reserve anzusehen.

Tipp: Als Faustregel immer mehr Kapazität als Bedarf einplanen, aber dabei das Gewicht, die Maße und den Anschaffungspreis nicht aus den Augen verlieren. Meine 75-Ah-AGM-Batterie wiegt stolze 30 kg!

Berechnung des Solarpanels

Die Leistung von Solarpanels wird meistens in Wp (Watt Peak) angegeben. Wp definiert die maximal erreichbare Leistungsausbeute bei durchschnittlich 4 h voller Sonneneinstrahlung pro Tag. Für ein 100-Wp-Panel bedeutet das:

100 Wp x 4 h = 400 Wh/Tag

Mein 100-Wp-Solarpanel liefert also unter optimalen Bedingungen 400 Wh pro Tag. Das entspricht ca.

400 Wh / 12 V = 33 Ah
Formel: (Leistung in Ah = Leistung in Wh / Batteriespannung in V)

Es spielt keine Rolle, ob dein Energiebedarf durch die Solarzelle zu 100 % gedeckt wird. In erster Linie soll sich ja deine Entladezeit verlängern, und so auch die Zeit, in der du dich autark mit Spannung versorgen kannst. Bei Bedarf kann ein weiteres Panel angeschlossen werden, oder ein leistungsfähigeres Panel verwendet werden. Das kostet aber Geld, Platz und Gewicht.

Meine Berechnung zeigt, dass ich theoretisch mehr Energie erzeuge, als ich abnehme! ABER: Es ist eine theoretische Berechnung, die optimale Bedingungen voraussetzt! Ich würde das Ergebnis als Orientierungshilfe zur Auswahl des Panels ansehen.

Es funktionierte bei mir einwandfrei für zwei Tage, bis dann das Panel ein Opfer der Schwerkraft wurde: Beim Versuch, das Panel optimal zu positionieren, ist es leider zur allgemeinen Erheiterung mit mir zusammen von der Leiter gefallen. Deswegen gibt es keine Fotos des Panels.

Tipp: Den höchsten Wirkungsgrad erreichst du nicht am höchsten Punkt des Autos, sondern mit monokristallinen Solarmodulen, die auch aus Sicherheitsgründen einfacher zu handhaben sind. Die perfekte und vor allem sichere Montage des Solar-Panels wird dann mein nächstes Projekt.

Stauraum – geordnetes Chaos im Kofferraum

Direkt hinter dem ganzen Technikkram sind die Euroboxen mit den Maßen 300 x 400 x 320 mm.

Tipp: Am besten ermittelst du deine Box-Maße und die maximale Anzahl auf der Papp-Schablone für den Boden. Achte auch unbedingt auf die Höhe, und kalkuliere nicht zu knapp.

Auf der linken Seite stehen die Boxen quer hintereinander. Auf der rechten Seite können die Boxen mittels einer ausziehbaren Platte herausgezogen werden. Dieser Auszug mit den Teleskopschienen hält locker eine voll beladene Box sowie den Kocher und die Steckdosen-Box aus. Er lässt sich ca. 700 mm herausziehen, und ermöglicht so die freie Entnahme der hinteren Box.

Vorsicht: Viele Kofferräume sind innen breiter als die Beladeöffnung. Dadurch kann es passieren, dass der Auszug beim Herausziehen anstößt. Hier musst du unbedingt genau Maß nehmen oder immer wieder ändern, bis es passt.

Die Kochstelle – Gaskocher in der Box

Den Kocher habe ich in einen sogenannten Systainer eingebaut, die ich noch  hatte, und der zufällig die gleichen Maße wie meine „Rote Box“ hatte. Die Systainer sind bekannt als Werkzeugboxen aus dem Handwerk. Sie sind leicht und sehr stabil, aber leider auch sehr teuer.

Der billigste Kocher von Amazon passt genau in die Box rein und verdoppelt so spontan seinen Wert. Allerdings taugt das mitgelieferte Gas überhaupt nichts. Beim ersten Einsatz des Kochers bei 2° C Außentemperatur kam lediglich eine kümmerliche Flamme aus dem Brenner. Wahrscheinlich hätte ich mein Wasser mit einem Feuerzeug schneller zum Kochen gebracht.

Tipp: Kauf dir ruhigen Gewissens den billigen Kocher, aber dazu das teure Gas. Die Billig-Kartuschen aus Fernost enthalten meist nur Butan-Gas. Das verweigert bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schnell seinen Dienst. Das teure Gas (z.B. Campingaz) enthält zusätzlich einen Anteil von Iso-Butan, welches zuverlässiger ist. Diese Kartuschen gibt’s bei Decathlon für 2,50 € Stück, leider nur im Laden (Stand Apr. 2018).

Die hintere Klappe der Box dient als Tisch. Die komische Form ist dem runden Kofferraum zuzuschreiben. Hier habe ich keinen Millimeter verschenkt, wozu ich lange sägen und feilen musste.

Der Esstisch – wenn es mal schnell gehen muss

Die Klappe muss zum Entladen der Boxen nicht geöffnet werden, da sich der Deckel der Box ebenfalls öffnen lässt.

Anfangs bestand der Deckel nur aus einem Stück. Das war nicht sehr gut durchdacht, denn er ließ sich kaum öffnen. Erst der Einbau eines zweiten Scharnierbandes schaffte Abhilfe. Wo das zweite Scharnier sitzt, ist wiederum abhängig von der Höhe und der Wölbung des Kofferraumes.

Tipp: Für den Deckel und die hintere Klappe empfiehlt sich auf jeden Fall wieder der Einsatz der Papp-Schablone!

Der klappbare Deckel

Allgemeine Tipps

  • Immer wieder messen. Vergewissere dich, so oft es geht, dass du noch auf dem richtigen Kurs bist. Schnell ist ein Schnitt zu viel gemacht und das Material nicht mehr zu gebrauchen.
  • Mach die Spaltmaße nicht zu klein! Lass genug Spielraum für die Stapelboxen. Diese können nämlich sonst verkanten.
  • Achtung bei den Scharnieren: Um bei der praktischen Umsetzung der Theorie Fehler zu vermeiden, kannst du an Musterstücken üben.

Grundsätzlich gilt: Vorsicht beim Arbeiten an und mit der Elektronik! Wenn du unsicher bist, lass dir vom Fachmann helfen. Auch dazu ist die Dachzeltnomaden Facebook-Gruppe da. Ein Kabelbrand kann ein großes Problem werden. Leider weiß ich, wovon ich spreche, denn mein alter Passat ist genau deshalb einmal im Stau auf der Autobahn in Rauch aufgegangen.

Beim Verdrahten immer den Pluspol der Batterie (KFZ und AGM) trennen. Niemals unter Spannung arbeiten!

Auch wichtig: Ab sofort gehört ein Starterkabel zur Standardbeladung deines Wagens!

Für alle Fälle habe ich auch noch etwas Werkzeug dabei. Auf jeden Fall gehört in Deine Werkzeugtasche:

  • diverse Schraubendreher
  • ein kleiner Knarrenkasten
  • Sicherungen
  • Verdrahtungsmaterial
  • Panzertape
  • Hammer

Unbedingt beachten solltest du: Um trotz des vollen Kofferraums an deinen Verbandskasten heranzukommen, legst du ihn am besten in der Fahrerraum zu den Warnwesten. Bedenke auch, dass sich der Reservereifen, falls noch vorhanden, meist im Kofferraum befindet. Pannenspray kannst du natürlich auch in den Fahrerraum legen.

Achte bitte auch auf dein zulässiges Gesamtgewicht. Das klingt komisch, aber in der Summe kommt schon einiges an Gewicht zusammen. Das meiste davon liegt auf der Hinterachse, was man auch bei mir deutlich sieht und spürt.

Die Kosten

Die Materialkosten für die Box habe ich bewusst sehr niedrig gehalten. Ich habe ca. 60 € ausgegeben. Zum einen, weil es sich um einen Prototypen handelt, und zum anderen, weil ich nicht weiß, wie lange ich den Wagen noch fahren werde.

Die Elektronik-Komponenten kann ich überall einbauen und auch bei einem Fahrzeugwechsel weiterverwenden. Hier habe ich ca. 750 € ausgegeben. Das hört sich viel an, aber ich habe mich bewusst für hochwertige Komponenten entschieden, da die Technik im Idealfall nicht versagen und lange halten sollte.

Wenn du Google fragst und etwas stöberst, dann wirst du auch günstige Preise finden. Als kleiner Hinweis: Amazon ist nicht immer die günstigste Lösung! In der Stückliste am Ende habe ich dir die wesentlichen Komponenten der Elektronik aufgelistet.

Nachbauen erwünscht!

Natürlich wirst du dir die Box nicht 1 : 1 nachbauen wollen. Wenn es dir nur um eine Batterie-Box geht, dann kannst du alles auch in eine etwas größere Stapel-Box einbauen. Das hängt natürlich auch vom Platzangebot in deinem Auto ab.   Die Ein-Box-Lösung war bei mir aus Platzgründen leider nicht umsetzbar.

Was würde ich bei der zweiten Box anders machen

Gewicht reduzieren
Weniger Material hätte auch gereicht. Das Leergewicht der Box beträgt 45 kg ohne Batterie, und man sieht es dem Wagen an, dass er sehr beladen ist.

Material
Da es sich um einen Prototypen handelt, habe ich lediglich OSB-Platten verwendet. Bei der nächsten Box werde ich definitiv mehr Geld ins Holz investieren.

Klappbarer Deckel
Der ist nice-to-have, muss aber nicht unbedingt sein, denn es liegt sowieso immer etwas darauf.

Teleskopschienen auf beiden Seiten
Die sind auf der rechten Seite schon ziemlich geil, müssen also auch links rein.

Alles in einer Kiste
Den gesamten Elektronikkram hätte ich gerne in einer einzigen Kiste. Das wird aber leider aus Platzgründen erst bei meinem nächsten Wagen umsetzbar sein. Auf die „Rote Kiste“ als Steckdosen-Box würde ich allerdings nicht mehr verzichten wollen, die ist nämlich wirklich praktisch.

Stückliste

Ich habe folgende Komponenten verwendet:

Ich habe hier nicht das Rad neu erfunden, sondern nur aus verschiedenen Komponenten und Informationen meine Lösung zusammengebaut. Für Schäden, die beim Nachbau/Einbau entstehen, übernehme ich keine Haftung.

Quellenangaben:

 

About Stephan Kaufmann

Stephan Kaufmann ist im Oktober 1981 in Eschweiler im Rheinland geboren und wohnt seit fast 10 Jahren im hohen Norden – in der Lübecker Bucht. Als staatlich geprüfter Techniker für Elektrotechnik tüftelt er gerne an verschiedenen Projekten herum. Seinen Ausgleich findet er im Leistungssport und in der Fotografie. Er ist sehr naturverbunden und fühlt sich sowohl im Flachland als auch im Bergland sehr wohl. Als frisch gebackener Dachzeltnomade bereist er mit seiner Familie und seinem Toyota ganz Deutschland. Das Abenteuer und die Freiheit stehen für ihn immer im Vordergrund - Pauschalreisen kennt er nicht!

9 Antworten auf „Kofferraumausbau mit zweiter Batterie + Ladeelektronik + Stauraum“

  1. Hallo Stephan,

    toller Artikel mit sehr sehr vielen nützlichen Infos und einer anschaulichen „Bastelanleitung“. Ich habe mir vor einiger Zeit eine vom Prinzip her ähnliche Anlage in meinen Bus eingebaut.

    Du setzt demnach auch das CTEK D250SA nicht nur als reinen Laderegler/-booster ein sondern auch in der Funktion als elektronisch geregeltes Trennrelais zwischen Startbatterie und Versorgungsbatterie, damit die Versorgungsbatterie mitgeladen wird, sobald der Motor läuft und nach dem Abstellen des Motors, beide Batterien wieder voneinander getrennt werden. In älteren Fahrzeugen (so wie im beschriebenen Fall), in denen die LiMa eine konstante Ladespannung von ~13.8V liefert, so lange der Motor läuft, funktioniert diese Lösung ganz hervorragend. Bei neueren EURO 6 Fahrzeugen (Stichwort BMT, Rekuperation etc.) wird die Ladespannung der LiMa allerdings „intelligent“ über die Bordnetzsteuerung geregelt, was zur Folge hat, dass nur selten eine Ladespannung von 13.8V anliegt, das „Relais“ durchschaltet und die Versorgungsbatterie mitgeladen wird. (Hier entstehen übrigens die witzigsten Phänomene: LiMa bringt bis zu 14.2V beim Bremsen/ Rekuperation und geht danach wieder in die Ruhephase mit ~12.2V etc.) Wenn man hier nicht ab und an die Versorgungsbatterie extern über Landstrom nachlädt, wird diese sich dauerhaft komplett entladen (sofern man nicht einen entsprechenden Tiefentladeschutz installiert hat). Das Thema Euro 6 vs. Batterieladung wird übrigens im Netz heiß diskutiert …. So habe ich für meinen Umbau auch noch keine passende Lösung gefunden, allenfalls den Workaround ständig mit Beleuchtung zu fahren, denn dann liefert die LiMa konstant Ladespannung. Einige Ladebooster (wie bspw. Votronic Triple) bieten zumindest noch einen D+ Signaleingang, der das Trennrelais regeln soll. Das klassische D+ Steuersignal der LiMa gibt es zwar in neueren Fahrzeugen auch nicht mehr aber man kann es zumindest mit dem Zündungsplus (Klemme 15) simulieren. Damit nimmt man zwar keinen Einfluss auf die Ladespannung der LiMa aber das Relais schaltet zumindest durch während die Zündung eingeschaltet ist und die Zusatzbatterie wird zumindest ein bisschen mitgeladen. Früher war halt alles besser … zumindest in dem Punkt. Vielleicht hast Du ja noch eine Idee zu diesem Thema?

    VG
    Jan

    1. Hi Jan,

      ich setze den D250SA auch als elektronisches Trennrelais ein.
      Da ich keinen Smart Generator in meinem Fahrzeug verbaut habe, habe ich mich auch nicht tiefergehender damit beschäftigt.
      Ich habe aber den Regler gewählt, weil er zumindest an den Zündungs-Pluspol angeschlossen werden kann.
      Sollte ich das Fahrzeug wechseln, dann eh zu einem Fahrzeug der „älteren Generation“ (so ist jedenfalls im Moment der Plan)
      Sollte es doch etwas neuer werden, dann mus ich mich mit dem Thema etwas genauer beschäftigen.
      Zur Zeit habe ich keine „zündende“ Idee zu dem Thema Samrt Generator.

      Viele Grüße vom Dach

      Stephan

  2. Ein Blei Batterie mit ein konstanter Spannung von 14 V vollstandig laden dauert 72 stunden. Bei 14,4 V 24 stunden. Ein smart generator registriert mit ein Shunt das entladen der Bordbatterie und versucht diese 80% zu laden; Das systeem soll Spielraum haben um bei verzögern zu laden und soll ohne Verzögerung der Batterie gebauchen. Wenn man die HHaccu zuschaltet wirdt diese Strom nicht gemessen und wird wahrscheinlich leergezogen. Es ist schlauer bei laufenden Motor der Wandler an der Bordplus zu hangen und gleichzeitich der acculader zusschalten. Damit der Batterie ofters vollstandig geladen und wird nicht sulfatiert

    1. Hi Peter,

      Danke für deine Ergänzungen.
      Mein Laderegler (D250SA – CTEK) hat die Möglichkeit, dass man ihn an den Zündungsplus-Pol anschließen kann. Das soll (laut CTEK) auch ermöglichen über den Smart Generator zu laden.
      Wie das in der Praxis aussieht, kanonisch nicht sagen…. ich habe eine ganz normale Lichtmaschine in meinem Auto.

      Viele Grüße vom Dach

      Stephan

      1. Einen Cyrix Batteriekoppler schließt man einfach an zwischen Pluspol der Haushaltbatterie und Pluspol der Fahrzeugbatterie. Dunnen Kabel nach Masse, fertig! (Ohne den Verlust von Trenndioden).

        Haushaltbatterie wird mitgeladen vom Fahrzeuggenerator; Autobatterie wird mitgeladen von PV-Anlage oder externem Lader.

        Habe schon mehrere autarke Wohnmobile ausgebaut. Nie mehr ohne Cyrix!

        1. Hallo Ernst,

          danke für deine Ergänzung zum Beitrag.

          Ich habe mich gerade mal über die Cyrix Batteriekoppler belesen. das ist eine tolle und günstige Alternative – vor allem zum herkömmlichen Trennrelais. Bei meinem Aufbau habe ich ein wenig mehr Wert auf „Komfort“ gelegt. Das Laden über Solar und die Möglichkeit die Ladeelektronik in einem neuen KfZ (EUR 6) einzusetzen war mir dabei sehr wichtig.

          Viele Grüße vom Dach

          Stephan

      2. Ich hab mich die Gebrauchsanleitung dieser CTEK nog mal angesehen und es handelt sich um ein DC-DC Wandler Batterielader der sich der beste Eingang wahlt. Das is ein tolles Gerät. Weil es ein sehr gut ausgelegtes Batterielader ist wird es die Batterie auf ein batterieschönender Weise so schnell wie möglich geladen. Also unabhängig vom Bordspannung wird der Batterie geladen es soll nur genugend Vermogen da sein. Das kan man zweifellos in EURO 6 verwenden. Und weil verbraucher nicht direct am HH Batterie angeslossen werden, werd der Batterieladevorgang nicht von Verbraucher gestört

        1. Bei Euro 6 kan das Gerät nicht mehr vom Bordspannung her ausfinden ob Vermogen zu verfugung steht und soll man die zundspannung – oder noch besser dar Motor lauft signal anbieten.
          Vezeihung fur das Holland-Deutsch.

  3. Wenn man kein Solaranlage aber schon ein 230V Batterielader und ein 12V – 230V Wandler könte man gleiche Functionalität mit zwei vom Zundspannung gesteuerte Wechselrelais erreichen. Ohne Zundspannung sind die Verbracher mit dem Haushaltsbatterie (auch der 12v -230 Wandler) verbunden über ein 100A 12 v Wechselrelais und ist der Batterielader mit der Aussenwelt über ein 230 isoliertes Wechselrelais. Mit Zundspannung werden Verbraucher mit dem Bordnetz gekuppelt und der Batterielader am 12-230V Wandler.
    Warum:1 Es ladet schneller und batterieschonender als beim durchverbinden vom HH Batterie mit dem Bordnetz. 2 Die HH batterie wird vollständig geladen statt 90%. ( die lezten 10% dauern bei 14,4V 14 Stunden ) und so lange fahrt man nicht. Dies functioniert auch mit EURO 6.

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