Mit dem Dachzelt nach Schweden

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Warum Schweden?

Die skandinavischen Länder üben auf viele von uns eine besondere Faszination aus. Besonders Schweden weckt in vielen Urlaubern Kindheitserinnerungen an Nils Holgerson oder Pippi Langstrumpf. Aber auch die Natur und die Landschaft sind in Schweden unglaublich schön. Das Land der Schären, Seen und Wälder ist für uns Abenteurer der perfekte Ort, um das Dachzelten in voller Gänze zu genießen.

Wenn du Ruhe und Abgeschiedenheit vom Alltag suchst, dann solltest du Schweden auf jeden Fall auf deine “To-do-List” setzen. Schon im eher dicht besiedelten Süden ist die Bevölkerungsdichte, im Vergleich zu den mitteleuropäischen Ballungsgebieten, sehr gering. Selbst die großen Städte schaffen es, den sonst so abenteuerhungrigen Dachzeltnomaden, auf eine phantastische Weise in ihren Bann zu ziehen. 

Die Schweden nehmen gefühlt das Leben viel lockerer – was sich wahrscheinlich gleich nach deiner Ankunft auch auf dich übertragen wird.

auto mit dachzelt am see in schweden
Einsamkeit pur – Ein Paradies für Dachzeltnomaden | Foto: Tom Siems

Inhaltsverzeichnis

So geht´s auch – Schweden ohne Plan

Ich teile mit dir hier meine Erfahrungen und Erlebnisse, die ich auf unserem Roadtrip durch Schweden im Jahr 2020 gemacht habe. Spontan und ohne Ziel ging es für uns im September los, getreu dem Motto: Schweden ohne Plan.

Ganz ungewohnt für mich, denn ich bin eigentlich immer der großer Planer, der absolut nichts dem Zufall überlässt. Aber so verrückt das Jahr 2020 für uns bis dahin war, so verrückt sollte auch unsere Reise sein.

Natur, Natur und noch mal Natur: Schweden ist ein Paradies für Outdoorbegeisterte | Bild: Jaqueline

Mit diesem Artikel gebe ich dir ein paar Tipps auf den Weg, damit du nicht so planlos bist wie wir. Außerdem soll unserer Route auch eine Art “Roter Faden” für dich sein, an dem du dich ein wenig orientieren kannst.

Und wenn du keine Lust zu lesen hast, kannst du in diesem DZN Live das Land der 1000 Seen gemeinsam mit uns entdecken:

Anreise nach Schweden – so kommst du hin

Viele Wege führen nach Schweden, und so hast du die Qual der Wahl. Oder anders gesagt, kannst du dir das passende Verkehrsmittel aus einer großen Auswahl herauspicken. Im folgenden Abschnitt erkläre ich dir, wie du am besten nach Schweden kommst. Ausgangsland deiner Reise ist in dem Fall immer Deutschland, und die Fährverbindung ist immer eine Direktverbindung, also direkt nach Schweden.

Übers Wasser mit der Fähre

Die Anreise mit der Fähre ist der Klassiker. An der Ostseeküste findest du einige Gelegenheiten, um mit der Fähre nach Schweden übersetzen zu können. Deinen Abfahrtshafen wählst du am besten nach deinem Zielort in Schweden aus. Wenn du hoch in den Norden willst, dann kannst du dir die Kilometer mit deinem Fahrzeug sparen, und möglichst weit hoch mit der Fähre fahren.

Die gängigsten Fährverbindungen im Überblick
Direktverbindungen – Die gängigsten Fährverbindungen im Überblick

Kiel – Göteborg

Zum einen hast du die Möglichkeit, deine Überfahrt in Kiel zu starten. Hier fährt die Stena-Line nach Göteborg. Das bietet sich zum Beispiel an, wenn du Südschweden ein wenig überspringen möchtest. 

Die Fähre fährt einmal am Tag und die Überfahrt dauert 14 Stunden und 30 Minuten. Wenn du jetzt geschockt von der Fahrzeit bist, dann überlege dir mal, wie viele Kilometer du dadurch mit deinem Fahrzeug einsparen kannst. Außerdem bietet eine so lange Überfahrt auch noch einen weiteren Vorteil: Wenn du eine lange Anreise nach Kiel hattest, zum Beispiel aus dem Süden Deutschlands, dann kannst du die Fähre zum entspannen nutzen. So kommst du ganz ausgeruht in Schweden an und kannst deine eigentliche Reise starten.

Bei diesem Anblick ist kein Weg zu weit: Solche Stellplätze findest du in Schweden oft | Bild: Philipp Kleinfeld

Zum Vergleich: Mit dem Auto von Kiel nach Göteborg, benötigts du über sieben Stunden und legst dabei eine Strecke von über 700 Kilometern zurück. Hinzu kommen noch Kosten für Kraftstoff und Maut für die Brücke über den Öresund.

Für die Überfahrten musst du jeweils eine Kabine buchen. Das macht auch Sinn, denn keiner will 14 Stunden lang über ein Schiff wandern – Im Auto darfst du dich während der Überfahrt nicht aufhalten. Das gilt auch für Vierbeiner (Haustiere) – Bitte informiere dich vor Antritt der Reise über die aktuellen Bestimmungen, wenn du mit Tieren unterwegs bist.

Manche Fähren bieten dir auch die Möglichkeit, einen Ruhesessel zu buchen. Der Sessel ist günstiger als eine Kabine.

Dein PKW darf, inkl. Dachlast, nicht höher sein als zwei Meter. Ansonsten fällt dein Fahrzeug unter die Kategorie “Minivan”. Wenn du weit im Voraus buchst, dann kostet dich deine Überfahrt (hin und zurück) mit zwei Personen und PKW alles in allem ca. 400 €. Wenn du spontan reist, mit drei oder mehr Personen unterwegs bist oder dein Fahrzeug etwas größer ist, dann wird’s natürlich teurer. 

an bord einer fähre
Schon die Überfahrt nach Schweden ist entspannend | Bild: Manuela Thom

Rostock – Trelleborg

Für die Eiligen bietet sich eine Überfahrt von Rostock aus an. Auch hier verkehrt die Stena Line in regelmäßigen Abständen zwischen Deutschland und Schweden. Der Vorteil: Die Überfahrt am Tag dauert nur 6,5 Stunden. So geht nicht zu viel Urlaubszeit für die Anreise drauf. Stena Line bietet drei Überfahrten am Tag an, so dass du deine Anreise etwas flexibler gestalten kannst.

Der Zielhafen in Trelleborg liegt ganz im Süden von Schweden. So hast du die Gelegenheit, das Land von ganz unten aus zu erkunden. Natürlich setzt das Ganze voraus, dass du gerne und viel Auto fährst. Die Größe Schwedens kann man nämlich leicht unterschätzen – darauf gehe ich weiter unten nochmals gesondert ein. Zum Vergleich: Von Trelleborg nach Göteborg fährst du mit dem Auto mehr als drei Stunden und legst dabei 309 Kilometer zurück.

Bei Stena-Line gelten für deine Fahrzeugabmessungen die gleichen Voraussetzungen, wie bei der Fähre zwischen Kiel und Göteborg. Wenn du rechtzeitig buchst, dann kostet dich die Überfahrt (hin und zurück) für zwei Personen und PKW ca. 100 €. Wie schon bei der vorherigen Verbindung ist der Preis natürlich abhängig von den eingangs erwähnten Faktoren.

Alternativ zu Stena-Line kannst du von Rostock aus auch mit TT-Line übersetzen. Das ist ein riesiger Vorteil, wenn mal eine Fährverbindung ausgebucht ist. Die Kosten belaufen sich hier, in etwas so wie bei der Stena-Line. Die Fahrzeit bleibt logischerweise auch gleich. Bei der TT-Line kannst du dein Fahrzeug nur als PKW angeben. Zusätzlich können noch Anhänger oder Wohnanhänger dazugebucht werden.

Travemünde – Malmö

Travemünde liegt direkt vor meiner Haustür, was diesen Fährhafen zu meinem persönlichen Favoriten macht. Mit einer Dauer von ca. neun Stunden, bewegt sich diese Fährverbindung im Mittelfeld der Überfahrten.

Auf der Fähre von Travemünde nach Malmö
Auf der Fähre von Travemünde nach Malmö | Bild: Manuela Thom

Hier hast du die Wahl zwischen den Reedereien TT-Line und Finnlines bzw. dem Zielhafen Trelleborg oder Malmö. Finnlines bietet zwei Fährfahrten am Tag an, die dich nach Malmö bringen. Hier kannst du zwischen einer Nacht- und einer Tagfahrt wählen. Bei einer Tagfahrt ist eine Kabine nicht zwingend notwendig, was den Preis für die Überfahrt erheblich verringert. 

Bei Finnlines wird dein Fahrzeug nach Länge und Höhe einkategorisiert. Wenn du unter 2,10m Höhe und 6m Länge bleibst, bekommst du den günstigsten Preis. Die Überfahrten (hin und zurück), so wie in den oberen Beispielen, gibt es hier schon für ca. 90 €. Das ist, wie ich finde, ein super günstiger Preis.

Travemünde – Trelleborg

Mit TT-Line hast du ab Travemünde eine weitere Möglichkeit, um per Fähre mit deinem Fahrzeug nach Schweden zu kommen. Der Zielhafen in Schweden ist hier Trelleborg. Hier bist du ebenfalls in knapp neun Stunden in Schweden – allerdings ganz im Süden. Wenn man die Voraussetzungen der vorherigen Preisbeispiele nimmt, dann kommst du hier auf einen Preis von ca. 120 €. 

Es gibt insgesamt drei bis vier Überfahrten pro Tag (Fahrplanabhängig): Auf der Tagesfahrt brauchst du keine Kabine zu buchen. Wenn du dich für eine Nachtfahrt entscheidest, dann musst du zwischen einer Kabine oder einem Ruhesessel wählen. 

Einmal angekommen warten diese Ausblicke auf dich | Bild: Mike Wachter

Andere Fährverbindungen

Wenn du in der Hauptsaison unterwegs bist, oder maximal flexibel bleiben möchtest, dann kannst du z.B. auch eine Fährverbindung nach Dänemark nehmen und von dort aus deine Reise fortsetzen. Auf diese Weise lernst du ganz nebenbei noch ein zweites skandinavisches Land kennen. Auch für die Rückreise kannst die diese alternative Fährverbindung nehmen.

Dabei lassen sich verschiedene Reisarten perfekt kombinieren. Die Mischung aus Fährfahrten, tollen Landschaften und nicht zuletzt den spektakulären Brücken. So wird schon die Anreise zu einem Abenteuer.

Wenn du gerne mit dem Schiff unterwegs bist, dann hast du folgende Möglichkeiten:

  • Puttgarden – Rödby & Helsingör – Helsingborg
  • Rostock – Gedser & Helsingör – Helsingborg

So bekommst du die volle Portion Fähre mit insgesamt zwei Fährfahrten pro Reisestrecke.

Spartipps Fähre:

Für die Fahrverbindungen nach Schweden gelten die selben Spartipps wie auf den Fähren nach Norwegen:

  • Frühzeitig buchen
  • auf der norwegischen Seite buchen
  • nicht zu Hauptreisezeiten buchen

Mehr Infos dazu findest du auch in dem Artikel zu Dachzelt Reisen nach Norwegen:

Brücken – Über Land mit dem Auto

Wenn du keine Wasserratte bist, und schnell Seekrank wirst, dann kannst du natürlich auch über Land fahren. Dabei führt dich dein Weg über das dänische Festland und die dänischen Inseln Fünen und Seeland, bis du schließlich nach Schweden kommst. 

route nach nach schweden ohne fähre
Kein Bock auf Boot? Ohne Schiff geht´s auch

Ausgehend von Travemünde, bist du insgesamt fünfeinhalb Stunden unterwegs und legst dabei 526 Kilometer zurück. Natürlich solltest du ab und zu mal eine Pause machen – nicht nur wegen den tollen Aussichten, die es unterwegs zu bestaunen gibt.

Die Kosten für die über 500 Kilometer kannst du dir ganz einfach ausrechnen: Zu Treibstoffverbrauch deines Fahrzeugs kommen noch die Mautgebühren für die Brücken.

Die Storebælt Brücke kostet dich für ein PKW bis 6 Meter Länge für die einfache Fahrt 33 €. Diese Brücke verbindet die Insel Fünen mit der Insel Seeland. Für die Überfahrtskosten wirst du mit einer großartigen Aussicht auf die Ostsee entschädigt.

Hier erfährst du die aktuellen Preise für die Brückenmaut in Dänemark

Auf Seeland angekommen, musst du die Insel einmal komplett von West nach Ost queren. Wenn du dich nicht verfährst, kommst du schließlich in Kopenhagen an. Dort wartet die zweite und wohl spektakulärste Brücke auf dich: Die Öresund-Brücke!

Die Fahrt über die Öresundbrücke ist ein tolles Erlebnis | Bild: Michele Mielack

Diese Brücke ist die weltweit größte Schrägseilbrücke für den Kombinierten Straßen- und Schienenverkehr. Die Öresundbrücke verbindet die dänische Hauptstadt Kopenhagen mit der schwedischen Stadt Malmö. 

Für die einfache Überfahrt mit einem PKW werden 49 € (Online-Buchung) fällig. Aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass sich jeder Cent lohnt! Als technikbegeisterter Mensch, hast du vielleicht schon einmal eine Dokumentation über den Bau der Brücke im Fernsehen gesehen. Wenn du dann selber darüber fährst, ist das ein ganz besonderes Gefühl. Jedenfalls ist es mir so ergangen, aber ich bin auch ein wenig verrückt, muss ich zugeben.

Übrigens: Wenn du mit der Fähre von Travemünde nach Malmö fährst, dann fährst du unter der Öresundbrücke hindurch.

blick von der fähre auf die öresundbrücke
Das passt schon: Kurs auf die Öresundbrücke | Bild: Manuela Thom

Hier erfährst du die aktuellen Preise für die Maut auf der Öresund-Brücke

“Hybrid-Trip” – Fähre und Brücke

Eigentlich ist das der stille Klassiker: Die Fähre von Puttgarden nach Rödby und dann weiter über die Öresundbrücke. Hier kannst du deine Anreise zum Kurzurlaub machen und eine Nacht auf der schönen Insel Fehmarn verbringen. Man mag es kaum glauben, aber abseits der Hauptsaison ist das ein wundervoll ruhiges Plätzchen zum entspannen.

Dein Weg führt dich mit Scandlines vom Fährhafen Puttgarden, auf Fehmarn, über den Fehmarnbelt  nach Rödby in Dänemark. Rödby liegt auf der dänischen Insel Lolland, die du von Süd nach Nord queren musst. Eine weiter (mautfreie) Brücke bringt dich dann weiter nach Seeland, wo du dann wieder den Öresund über die gleichnamige Brücke überquerst. 

Was macht diese Reiseroute so beliebt bei deutschen und europäischen Urlaubern? Ganz klare Antwort: Die Schnelligkeit – mit einer Fahrzeit von etwas mehr als vier Stunden, ist diese Verbindung unschlagbar. 

Route mit dem Auto Puttgarden Rödby
Der Klassiker über Puttgarden nach Rödby und weiter über die Öresundbrücke

Wenn du also schnell in Schweden dein Dachzelt aufschlagen möchtest, dann ist das deine Verbindung. Mit einem Kombiticket für Fähre und Brücke kannst du Kosten sparen. Am besten buchst du rechtzeitig vor deinem Reiseantritt online. 

Rechtzeitig gebucht, schlägt so ein Kombiticket (zwei Personen + PKW, hin und zurück) mit ca. 230 € zu buche. Das Kombiticket beinhaltet die Fährüberfahrt von Puttgarden nach Rödby und die Mautgebühr für die Öresundbrücke.

Brücke oder Fähre – Was ist besser?

Jeder Mensch ist anders und reist anders, deswegen kann ich nicht pauschal sagen, was besser oder schlechter ist. Stattdessen habe ich dir mal ein paar Vorteile der verschiedenen Reisearten aufgelistet. So kannst du selber entscheiden.

Die Fahrt über Land und Brücken ist besser für dich wenn…

  • Du mit vielen Personen reist. Auf Brücken wird nämlich pro Fahrzeug bezahlt.
  • Du einen großen PKW hast, der auf der Fähre zu teuer ist.
  • Du mit Haustieren verreist und die Fähre nicht in Frage kommt.
  • Du schnell seekrank wirst.

Die Fahrt mit einer Fähre ist besser für dich wenn…

  • Du eine lange Anreise hast. Dann kannst du dich auf der Fähre erholen (lange Überfahrt).
  • Du schnell sein willst, aber Fahrstrecke mit dem PKW einsparen willst (kurze Überfahrt).
  • Du alleine oder zu zweit unterwegs bist. Fähren bezahlt man pro Person + Fahrzeug.

Egal ob mit Fähre oder über Brücken (oder beides): Deine Tickets solltest du immer rechtzeitig buchen. Entweder online oder auch telefonisch, falls du Rückfragen hast. Am Wochenende sind die Tickets immer teurer. Wenn du also sparen möchtest, dann reise in der Woche oder pick dir einfach den günstigsten Tag raus.

Schweden aus dem Dachzelt

Bis jetzt hast du ja nur erfahren, wie du und dein Dachzelt am besten nach Schweden kommen. Bei all dem, was du wahrscheinlich schon auf der Anreise erlebt hast, könnte man meinen, dass der Weg das Ziel ist. 

Das sagt Dachzeltnomade Mich Ai über Schweden

Am meisten gefällt mir die Ruhe…. Da kann man sich stundenlang an den See/Meer setzen ohne das man gestört wird….

Stimmt, aber in Schweden selbst gibt es natürlich auch so einige Orte und Landstriche, die du auf deiner Reise gesehen haben solltest. Dabei gibt es nicht nur Natur zu bestaunen: Auch Kulturfreunde kommen in Schweden voll auf ihre Kosten. In Sachen Design, Popmusik und Film gibt so einige typische Markenzeichen.

Da ich hier aber keinen Stadtführer schreibe, soll es nur um das Eine gehen: Die Natur und deren Idylle. Die Natur ist Schwedens Sehenswürdigkeit Nummer eins. Ein ständiger Begleiter dabei ist Wasser. Eine geradezu endlose Zahl an kleinen und großen Seen, schroffe Felsküsten bis hin zu feinsandigen Stränden, die zum Baden einladen. 

Knapp 10 Prozent der Fläche von Schweden machen Gewässer aus. Das ist gewaltig viel und nicht nur als Wasserratte kommst du hier auf deine Kosten. Alleine der Anblick von morgendlichen Nebelschwaden über den See, direkt bei deinem Stellplatz, ist unbezahlbar schön.

das foto zeigt die aussicht aus dem Dachzelt auf einen see
Beste Aussichten – ein See im Vorgarten | Bild: Manuela Thom

Was ist Schweden für dich?

Schließe deine Augen und “male” dir dein Bild von Schweden. Es ist eigentlich ganz einfach – meins sieht so aus: Rote und gelbe Holzhäuser inmitten dichter Nadelwälder. Unzählige Seen mit tollem Panoramablick. Kleine Straße, die dich zu tollen Stellplätzen führen. Ruhe, Abgeschiedenheit und Natur pur.

Das sagt Dachzeltnomade Christian Lorenz über Schweden

Die Gegend um Åre ist für mich mit die schönste Ecke Schwedens. An jeder Ecke ein gigantischer Wasserfall und super zum Wandern.

Schweden ist längst nicht so teuer wie immer kolportiert. In großen Supermärkten kosten die meisten Lebensmittel nicht mehr als in einem Nicht-Discounter in D. Zigaretten sind sogar günstiger als in Deutschland. 

Wen sein Roadtrip in den Norden führt, der sollte unbedingt den Vildmarksvägen fahren, für mich die beste Scenic Route in Schweden. Dort kann man auch an Myriaden von wunderschöne Orten frei stehen.

Klingt nach Klischee? Ja, aber ich kann dir verraten: Es ist alles wahr! Vor meinem ersten Trip hatte ich sehr große Erwartungen, die alle übertroffen wurden. Eine Mitschuld daran, ist die Größe Schwedens. Vom Norden bis in den Süden sind es stolze 1.574 Kilometer – Luftlinie wohlgemerkt.

In zwei oder drei Wochen kannst du also, allein schon wegen der Entfernung, unmöglich alles sehen. Mein Tipp: Suche dir vorab ein paar “Ecken” heraus, die du bereisen möchtest. Alles was du nicht schaffst, schaust du dir beim nächsten Mal an. Denn eines ist sicher: Hat dich Schweden einmal in seinen Bann gezogen, dann kommst du immer wieder.

Um deine Reise etwas planbarer und übersichtlicher zu gestalten, habe ich Schweden mal in drei wesentliche Teile aufgeteilt. Gerade als Dachzeltneuling kannst du dich, falls du dich nicht völlig in die “Wildnis” begeben möchtest, vom Süden aus hocharbeiten. 

Überall Seen, Wälder und Wildnis pur – das ist Schweden | Foto: Tom Siems

Je weiter nördlicher du auf deiner Reise kommst, umso wilder wird es. Die Städte bzw. Orte werden kleiner und seltener, die Bevölkerungsdichte nimmt ab, das Klima wird rauer und das Wetter mitunter launischer als ganz im Süden.

Fahr im Kreis – Die Reiseplanung

Über Schweden ans Nordkap? Klar geht das auch! Aber willst du dir das als Neuling antun? Ohnehin wären zwei Wochen für eine Reise dorthin, meiner Meinung nach, viel zu kurz. Außerdem würdest du viel zu viel verpassen, denn Schweden würde im Prinzip nur an deinem Fenster vorbeisausen – Viel zu schade!

ein vw bus mit dachzelt an einem see
Genieße die Ruhe und lass dich nicht von den Kilometern hetzen | Bild: Manuela Thom

Was kannst du also tun, wenn dein Kontingent an Urlaubstagen nur begrenzt ist? Ganz einfach: Du fährst im Kreis. Den Durchmesser von deinem Kreis, und wo du beginnst ihn zu ziehen, passt du einfach an die Anzahl deiner Urlaubstage an.

Ein Beispiel für dich – Unsere Reiseroute

Unsere Reiseplanung für unseren Roadtrip nach Schweden hätte nicht chaotischer sein können. Wie ich schon eingangs erwähnt habe, hat eine Planung eigentlich gar nicht stattgefunden. 

Etwa zwei Wochen vor Antritt der Reise haben wir uns für Schweden entschieden und unsere Fährüberfahrten gebucht. Mit Glück, und dank der unsicheren Reisesituation, konnten wir ein echtes Schnäppchen machen.

Das sagt Dachzeltnomade Oliver Swit über Schweden

Unbedingt sehenswert finde ich Ales Stenar. Quasi das Schwedische Stonehenge. Ist an der südlichen Ostseeküste oben auf einer Klippe zum Meer. Hammer Optik dort. Und unten ein super niedlicher Fischerhafen.

Vänern & Vätern See nicht vergessen. RIESIG! Und am Vätern die kleinen Hobbithaus-Siedlungen an der Ostseite. Von dort hat man auch einen phänomenalen Blick über den See.

Kvilleken, die tausendjährige Eiche… Und natürlich alles andere dort. Die vielen Seen und Wälder.

Je mehr man Richtung Norden fährt, desto einfacher ist es mit Wildcampingplätzen. Dort kann man eigentlich an fast jeden See fahren. Naja und ansonsten selbe regeln wie hier.

Ein Ziel hatten wir nicht, oder nur grob: Es sollte Richtung Norden gehen. Wir wollten Ruhe und Abgeschiedenheit. Für unseren Fluchtplan hatten wir zwei Wochen zur Verfügung, was übrigens auch ein absolutes Minimum ist. Hier gilt: Länger ist besser!

Ein paar Tage vor Reiseantritt habe ich mir dann doch mal Schweden bei Google Maps etwas genauer angesehen. So groß hatte ich das Land gar nicht in Erinnerung! Das kommt davon, wenn man sich bisher immer nur im Süden Schwedens aufgehalten hat.

Aus meiner Google Maps Erfahrung heraus kommt hier Tipp Nummer 1 für dich: Plane mehr als genug Zeit ein! 

Den ersten Schock überwunden, machte ich mich dann daran, eine grobe Route auszuarbeiten. Hier erhältst du einen exklusiven Blick in mein komplexes Roadbook:

  • Start Malmö
  • über die E6 Richtung Göteborg (Strecke machen)
  • Bei Göteborg runter von der E6 – ab hier nur noch Landstraße
  • Links vorbei an diesem großen See (Vänern) Richtung Norden
  • Soweit wie es geht nach oben, dann umdrehen
  • Rechts vorbei an diesem großen See – Richtung Süden
  • Ziel Malmö
routenaufzeichung schweden reise
Auf einen Blick: Unser 14 tägiger Road Trip durch Schweden

Da meine Routenführung unter Umständen etwas einsilbig und undurchschaubar auf dich wirkt, beschreibe ich dir (und mir) die Route mal etwas genauer in ein paar Sätzen.

Angekommen sind wir mittags mit der Fähre in Malmö. Da wir nicht vorhatten, die Metropolregion um Malmö und Co. zu erkunden, bestand der erste Tag nur aus einer knapp 500 km langen Autofahrt. Übrigens kein Problem, wenn man ausgeschlafen von der Fähre rollt.

Mein Tipp: Gönn´ dir was, und buche bei langen Fahrten eine Kabine dazu.

Wir haben unsere eigentliche Rundfahrt oberhalb von Göteborg begonnen. Konkret heißt das: Runter von der Autobahn und ab jetzt nur noch über die Landstraße. So lernst du das Land am besten kennen und bist nicht so gehetzt. 

Auf unserer Route verbrachten wir viel Zeit am Westufer des Vänern (Schwedens größter See). Die gigantischen Ausmaße des Sees lassen ihn schon fast wie ein Meer wirken.

Natürlich kann ich hier nicht alle Stationen aufzählen, das würde viel zu viel werden. Die meisten coolen Ort findest du eigentlich spontan – sozusagen direkt am Wegesrand.

Wir sind in 14 Tagen rund 1.500km durch Schweden gefahren. Das ist nicht viel, liegt aber daran, dass wir zwischen unseren Stopps immer nur sehr wenig Fahrstrecke hatten. 

Zu den besonderen Orten auf unserer Route gehört auf jeden Fall der Autofriedhof in Båstnäs an der Grenze zu Norwegen. Wenn du dort in der Nähe bist, dann solltest du unbedingt dort mal vorbeischauen.

Diese Schweden-Tipps hat Dachzeltnomade Mario Franke für dich:

Unbedingt sehenswert: Elche , Schloss Kalmar, Campingplatz in Kristianopel “umzäumt von der Stadtmauer”, Schloss Borgholm, Byrums Raukar und der Zauberwald Trollskogen auf der Insel Öland, die höchste Passstraße “Flatruet”, die Wasserfälle Ristafallet und Tennforsen und die bunten Fischerhäuser in Smögen. Ja das finden wir schön .

Tierischer Besuch | Foto: Mario Franke

Eine tolle Wanderung kannst du in Brattfallet machen. Hier kannst du zwischen verschieden Wanderrouten wählen. Die Längste ist knapp 8 Kilometer (orange Kennzeichnung) lang und gibt dir einen spannenden Einblick in die Entstehung einer Flusslandschaft aus der Eiszeit.

An den einzelnen Stationen auf dem Weg gibt es viele Infotafeln. Diese sind sogar auf deutsch beschriftet, was die Wanderung auch für Kinder sehr interessant macht.

Hier soll es übrigens auch Wölfe geben – leider haben wir keine gesehen. Für uns war das der nördlichste Punkt der Reise. Das Wetter wurde zunehmend schlechter und auch die Temperaturen wurden einstellig.

Kein Grund für schlechte Laune: Wenn man sein “Hotelzimmer” auf dem Dach spazieren fährt, kann man ganz einfach dem schlechten Wetter entkommen.

Alter Schwede – Typische Anfängerfehler

Klar haben wir sie auch gemacht: Die typischen Anfängerfehler. Kleiner Tipp: Schweden ist kein Dritte-Welt-Land! Du bekommst dort alles, was du zu Hause auch kaufen kannst. Sogar Klopapier soll dort in Krisenzeiten keine Mangelware gewesen sein, habe ich gehört.

Hier mal eine kleine und ehrliche Liste von unseren Anfängerfehlern:

Entfernung unterschätzen

Schweden ist groß, sehr groß! Das bedeutet, dass du dich beim Blick auf die Landkarte immer an deren Maßstab orientieren solltest. Gerade beim Zoomen bei Google Maps verlierst du schnell das Gefühl für die Entfernung. 

übersichtskarte Schweden
Schweden geteilt durch drei: Süd-, Mittel und Nordschweden

Mein Tipp: Setze dir ein Tageslimit an Kilometern. Danach schaust du auf der Karte, wie weit du mit deinem Limit kommst. Achte auch auch auf die Fahrzeit. Auf Schotterpisten bist du nicht sehr schnell unterwegs. Für deine Planung teilst du dir Schweden in drei Teile ein: Süd, Mitte und Nord.

Wetter unterschätzen

Das Wetter in Schweden kann, vor allem an der Küste, schnell umschlagen. Gerade noch im schönsten Sonnenschein, findest du dich kurz darauf in einem Graupelschauer wieder. Das wird dich nicht umbringen, ist aber lästig. Natürlich ist das abhängig von der Jahreszeit. Im Sommer wird dir das nicht so schnell passieren.

Wenn du wandern möchtest, kannst du dich in Schweden nach Herzenslust austoben | Bild: Mike Wachter

Mein Tipp: Bei Wanderungen immer eine Regenjacke einpacken. Viel wichtiger ist, dass du dein Dachzelt schließen oder abbauen solltest, bevor du deinen Stellplatz verlässt.

Viel zu viel Ausrüstung mitschleppen

Wenn du zu viel an Bord hast, dann läufst du Gefahr im Chaos zu enden. Wie oben schon erwähnt, ist deine Versorgung in Schweden nicht in Gefahr. Lebensmittel kannst du bei Bedarf auch vor Ort kaufen. Es reicht also völlig aus, eine Grundration mitzunehmen. Übrigens besteht Schweden quasi aus Holz, was für dich heißt, dass du kein Feuerholz mitnehmen musst…. 

Mein Tipp: Wenn du nicht unbedingt im Hochsommer reist, dann pack lieber mehr warme Kleidung ein als Nahrung. Die Nächte werden schnell kalt.

Hier findest du eine praktische Dachzelt Packliste, die dich auch sicher durch Schweden bringen wird:

Regeln & Gesetze beim Dachzelten in Schweden

Die Schweden sind tolerant, total entspannt und offenherzig. Damit das auch so bleibt, gibt es ein paar Regeln, an die sich jeder halten sollte.

Jedermannsrecht

Das Thema Jedermannsrecht ist in aller Munde. Ich habe bisher kein Land besucht, bei dem dieses Recht so “gelebt” wird wie in Schweden. Hier gibt es ein paar wenige Regeln:

  • In Nationalparks ist das Übernachten im Allgemeinen verboten! Meist gibt es aber Ausweichflächen auf denen du 24h oder sogar 48h campen darfst. Achte besonders auf die großen Tafeln, die an Wanderparkplätzen stehen. Hier erhältst du alle nötigen Informationen – Entweder mehrsprachig oder mit Piktogrammen. 
  • Privatwege (Privat väg, enskilt väg) – Klingt logisch: Hier ist die Einfahrt verboten.
  • Das Übernachten in der Nähe eines Hauses oder einer Siedlung ist verboten.
  • Das Übernachten auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist ebenfalls nicht erlaubt. 
Der Kern des Jedermannsrechts: Rücksicht und Wertschätzung der Natur gegenüber | Bild: Lars Engel

Das schwedische Jedermannsrecht (Allemansrätt) gibt dir die Erlaubnis zum Wildcampen, verpflichtet dich aber zugleich zur Rücksichtnahme auf die Natur. Bleib auf den Wegen, auch mit deinem Fahrzeug. Du wirst als Neuling begeistert sein, was in Schweden alles als Straße durch geht. Du kannst also ganz legal ein bisschen Offroad-Feeling mit deinem Kombi erleben.

ein VW bus auf einer Schotterstraße
Es muss nicht immer Allradantrieb sein – gute Reifen sind aber zu empfehlen. | Bild: Manuela Thom

In den beliebten Touristenorten gibt es leider schon sehr viele Verbotsschilder. An sehr vielen Stellen ist das Campen verboten. An diese Verbote solltest du dich unbedingt halten. 

Mein Tipp: Wenn du unsicher bist, ob nicht doch ein Übernachtungsverbot an dem Ort besteht, an dem du dein Lager aufschlagen willst, frag die Einheimischen. Nur Mut, die Schweden beißen nicht!

Aber keine Sorge: Je weiter du dich von den Touristenmagneten entfernst, umso leichter wird die Stellplatzsuche. Es gibt unendlich viel Platz und die coolsten Orte entdeckst du völlig alleine oder mit ein bisschen Hilfe von Google Maps.

Das sagt Dachzeltnomadin Laura Lehne über Schweden

Wir waren 2 Monate dort unterwegs. […] man muss auf jeden Fall für einen Loppi einmal anhalten. Das sind kleine Hausflohmärkte, auf denen man alles mögliche findet! Und egal, wo wir nach einem Standort mit Park4Night gesucht haben, wir waren nie alleine. Die Straßen sind eher in Finnland schlecht, im Süden ohne Probleme mit jedem Auto zu befahren. Tankstellen gibt es überall und man kann mit Karte am Automaten bezahlen. Zur Not nehmen sie auch Euro, falls mal alles ausfällt. Der Autofriedhof an der norwegischen Grenze ist unbedingt zu empfehlen!

Angeln

Das Angeln ist eine Art Volkssport in Schweden. Beim Einkaufen wirst du mit Angeboten von Angelequipment fast erschlagen. Irgendwie angelt jeder Schwede – sogar ich habe mein Glück versucht. Leider war ich nicht erfolgreich.

Angeln am see in schweden
Probier’s mal aus: Angeln in Schweden | Bild: Manuela Thom

Aber das Geniale ist: Auch du darfst in Schweden angeln. Du brauchst dafür keine behördliche Prüfung, also einen Angelschein, wie man ihn aus Deutschland kennt. Alles was du brauchst ist eine Angelkarte für das jeweilige Gewässer. Diese sogenannte Fiksekort erlaubt dir dann das Angeln für eine gewisse Zeitspanne. 

Deine Fiskekort kannst du an Tankstellen oder in Supermärkten kaufen. Der moderne Dachzeltnomade kann auch die App “iFikse” nutzen. Mit dieser App kannst du deine Angelkarte bequem online kaufen und unter anderem mit Paypal bezahlen. Fangen musst du die Fische aber immer noch selber, dabei hilft dir keine App. Wenn du es richtig wissen willst, dann kauf dir deine Fiskekort “in Echt” und frag gleich mal ein Paar schwedische Angelprofis nach den ultimativen Angelstellen.

Mein Tipp: Wenn du ein Sparfuchs bist, dann kannst du auch ganz easy kostenlos angeln. Das Fischen im Meer und in den fünf großen Seen Vänern, Vättern, Mälaren, Hjälmaren und Storsjön ist kostenlos.

Feuer

Nach dem Angeln scheint auch das Feuermachen in Schweden sehr beliebt zu sein. Jeden Abend am Lagerfeuer sitzen und schön durchgewärmt (und nach Rauch müffelnd) ins Dachzelt klettern. Schweden ist ein Paradies für alle, die ein bisschen “back to the roots” wollen. 

lagerfeuer mit dutch oven
Ein Lagerfeuer gehört in Schweden einfach dazu | Bild: Manuela Thom

Bevor du ein Feuer machst, informiere dich, ob es auch erlaubt ist. Im Hochsommer ist, wegen der hohen Waldbrandgefahr, oftmals wochenlang das Feuermachen verboten. Auch in Nationalparks gelten besondere Regeln. Hier kannst du dich wieder auf den großen Informationstafeln an den Wanderparkplätzen informieren.

Wie immer gilt: Übertreib es nicht, und halte dein Feuer immer unter Kontrolle. 

Mein Tipp: Am besten nutzt du bereits ausgewiesene Feuerstellen oder benutzt die Feuerstelle von deinem Vorgänger. Ansonsten besteht dein toller Stellplatz im nächsten Jahr nur noch aus ganz vielen Aschekratern und Steinkreisen.

Feuerholz sammeln

Wenn du Treibstoff für dein Feuer suchst, dann wirst du in Schwedens Wildnis nicht lange suchen müssen. Holz findest du überall verstreut in Wäldern und am Wegrand. Bitte verwende ausschließlich Totholz. Du darfst auf keinen Fall “lebendes” Holz verwenden indem du Bäume fällst, oder Äste abbrichst. Du kannst also die Kettensäge zu Hause lassen.

Praktisch: Feuerholz fix und fertig! | Foto: Manuela Thom

Mein Tipp: Häufig findest du auf Wanderparkplätzen nicht nur feste Feuerstellen, sondern auch richtiges Brennholz, das bereits abgelagert und portioniert ist. Halte Ausschau nach übergroßen Kisten und Unterständen – meist wirst du hier fündig.

Autofahren in Schweden

Die gute Nachricht vorab ist, dass die Schweden auf der “richtigen” Seite fahren. Es herrscht also Rechtsverkehr. Das war übrigens nicht immer so: Erst seit dem 3. September 1967 fahren die Schweden auf der rechten Seite. Ein weiterer Funfact: Die Lenkräder der Fahrzeuge in Schweden waren aber schon immer links montiert. Außer die vom Postboten!

Es gibt keine besonderen Unterschiede zu den allgemein gültigen Verkehrsregeln in Deutschland. Das Autofahren sollte dich also vor keine großen Probleme stellen.

Die Straßenverhältnisse

Das schwedische Straßennetz ist bis Lappland hervorragend ausgebaut. Die Verkehrsdichte ist erheblich geringer als in Mitteleuropa. Man unterscheidet zwischen 

  • Autobahnen bzw. Europastraßen (grüne Schilder, mit E gekennzeichnet)
  • Reichsstraßen (blaue Schilder, mit RV gekennzeichnet)

Außerdem gibt es (viele) Straßen ohne Nummernkennzeichnung. Hier kann der Asphalt plötzlich aufhören, und die Straße in eine Schotterpiste übergehen. Zwar ist die Beschaffenheit dieser Pisten durchweg sehr gut, es sind aber Schlaglöcher vorhanden. Vorsicht ist auf den Schotterpisten vor allem bei Regen geboten, dann wird es nämlich sehr rutschig. 

Schotterpiste in Schweden
Bei Regen wird´s rutschig – unbedingt die Geschwindigkeit anpassen. | Bild: Manuela Thom

In Schweden gibt es auch sehr viele einspurige, bzw. schmale Straßen. Hier hat man am Rand in unregelmäßigen Abständen kleine Haltebuchten (mit M gekennzeichnet). In diesen Haltebuchten kannst du anhalten, um den Gegenverkehr passieren zu lassen. Biite dort nur halten, nicht parken – Kein Stellplatz!

Das sagt Dachzeltnomade Marie Doblier über Schweden

Ich bin beruflich öfter mal im nördlichen Teil Schwedens unterwegs und liebe das Land. Bargeld ist absolut überbewertet, Kartenzahlung funktioniert überall, die Wechselgebühr spart man sich lieber und kauft davon kanelbullar beim Bäcker um die Ecke.

Generell sprechen die Schweden sehr gut Englisch, ein paar Brocken Schwedisch öffnen aber Türen.

Natur pur gibt es dort fast überall, da es das Jedermansrecht gibt, man darf sich nur nicht von “Strassen ohne Namen” in Navis abschrecken lassen.

Wenn man im Winter im nördlichen Schweden unterwegs sein will, sind Spikes ein absolutes Muss! In ganz Schweden darf man ab 1.10. mit Spikes fahren! Ohne die, geht sonst leider nicht viel! 

Maut

Aktuell werden nur für das Passieren von zwei Brücken im Land Mautgebühren fällig. Für die Brücke Motala über den Motalaviken sowie beim Überfahren der Sundvall über den Sundsvallsfjärden werden Gebühren fällig.

Kleine Fähren sind in das Straßennetz eingebunden und kostelos nutzbar | Bild: Mike Wachter

Die meisten kleinen Fähren sind kostenlos, wenn sie ins öffentliche Straßennetz eingebunden sind. Die Autofähren nach Gotland, Ven oder Visingö sind allerdings nicht kostenlos.

Um Maut oder Fähren auf deiner Route zu umgehen, musst du bei Google Maps die Routenoptionen ändern.

Routenoptionen bei google maps
Spart Geld – Vermeiden von Fähren, Mautstraßen und Co.

Wildunfälle

Im Land der Elche musst du dir die Straße nicht nur mit anderen Fahrern teilen, sondern auch mit dem landestypischen Wildtieren. Vielbefahrene Straßen sind auf weite Strecken mit einem Wildzaun umzäunt. Doch auch hier gilt es vorsichtig zu sein.

ein elch warn schild
Achte auf Warnschilder! | Bild: Stephan Kaufmann

Auf allen anderen Straßen musst du im Prinzip immer damit rechnen, auf Elch und Co. zu stoßen. Besonders in der Dämmerung solltest du auf dunkle Schatten am Straßenrand achten. Kollisionen mit Elchen enden oft nicht nur für die Tiere tödlich.

Ganz im Norden gesellen sich noch Rentiere dazu, die mit Vorliebe im Straßengraben grasen, oder seelenruhig über die Fahrbahn schleichen.

Mein Tipp: Viel hilft viel, also fahre nachts immer mit Fernlicht, wenn es möglich ist. Wenn du vor deinem Urlaub Lust auf basteln hast, dann bau dir ein paar Zusatzscheinwerfer ans Auto. In Schweden machen diese Dinger wirklich Sinn.

Wichtige Verkehrsregeln auf einen Blick

  • Auf E-Straßen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h (wenn nicht anders angegeben)
  • Auf RV-Straßen 90 km/h (wenn nicht anders angegeben)
  • Innerhalb von Ortschaften 40 km/h oder 30 km/h – Achte unbedingt auf die Schilder!
  • Es herrscht Anschnallpflicht
  • Auch tagsüber musst du immer mit Abblendlicht fahren
  • Die Promillegrenze liegt bei 0,2 Promille

Money, Money, Money – Kosten und Bezahlen in Schweden

Ohne Moos, nix los – das gilt auch in Schweden. Die Lebenshaltungskosten in Schweden sind etwas höher als bei uns in Deutschland. Mache Dinge sind eben ein kleines bisschen teurer. Das bedeutet aber nicht, dass du dein ganzes Erspartes aufbrauchen musst.

Dachzeltnomadin Melanie auf Öland mit ihrer Familie | Bild: Melanie Draber

Was du in Schweden über das Thema Kosten wissen solltest, erkläre ich dir jetzt: 

Währung

Da Schweden bei der Währungsreform nicht mitgemacht hat, bezahlt man dort auch weiterhin mit der Krone. Als Abkürzung steht das Kürzel SEK. Oft wirst du in Schweden kein Bargeld zu Gesicht bekommen, denn hier wird fast alles mit der EC- oder Kreditkarte bezahlt.

Als Faustformel kannst du zur Umrechnung den SEK-Betrag durch zehn teilen.

Der bargeldlose Zahlungsverkehr ist mega praktisch, denn so musst du vorab kein Geld wechseln. Wenn du unbedingt Bargeld, also Kronen, brauchst, kannst du auch in Schweden mit deiner EC-Karte ganz bequem an den Bankautomaten gehen.

Dachzeltnomadin Julia Berger meint zum Thema Bezahlen

Bargeld ist überbewertet!  Man kann alles mit Karte zahlen. Mehr noch, in einem winzigen Laden irgendwo im Nirgendwo habe ich gefragt ob ich mit Karte zahlen kann. Daraufhin grinste der Betreiber nur und fragte „Are you from Germany?“ 

Mein Tipp: Bargeld brauchst du nur selten und wenn, dann auch nur Kleingeld. Das bekommst du ganz easy vom Flaschenpfand. Dein abendliches Bierchen bekommt so eine ganz andere Bedeutung.

Lebensmittel

Du wirst in Schweden nicht verhungern. hier gibt es alles an Lebensmitteln, was du auch von zu Hause kennst. Sogar noch viel mehr, also trau dich ruhig, mal Neues auszuprobieren.

Warum nicht mal etwas Neues probieren: Wenns süß wird haben die Schweden einiges zu bieten | Bild: Mike Wachter

Viele Supermärkte haben auch am Sonntag auf, oder sehr lange Öffnungszeiten. In kleinen Läden auf dem Land kann das Sortiment schon mal etwas “übersichtlicher” ausfallen. Aber selbst frische Lebensmittel bekommst du im kleinsten Laden.

Lebensmittel sind in Schweden etwas teurer, aber nicht überteuert. Bei einem großen Angebot hast du oft die Wahl zwischen teuren und günstigen Marken – Vergleich macht hier nicht reich, kann sich aber lohnen.

Mein Tipp: Probier mal die Lördagsgodis – “Samstagssüßigkeiten”. Ein Traum für Naschkatzen – ein meterlanges, mehrstöckiges Regal mit unzähligen Boxen und Kisten, die gefüllt mit Naschkram sind. Hier ist Selbstbedienung, gezahlt wird nach Gewicht (von der Tüte) – Greif zu!

Benzin & Diesel und Co.

Ohne Mampf kein Kampf, das gilt auch für dein Fahrzeug. Benzin und Diesel sind in Schweden teurer als in Deutschland. Für einen Liter Diesel kann der Preis schon mal jenseits der 1,40 € liegen. In Sachen Kraftstoff solltest du also die meisten Kosten einplanen. 

Das Tankstellennetz ist bis hoch in der Norden hervorragend. Die meisten Tankstellen sind 24h geöffnet und verfügen über Tankautomaten. Bezahlt wird hier mit Karte – “kort”.

Unbezahlbar: Ausblicke diese | Bild: Mo Oortin

Einige Tankstellen bieten das Bezahlen an der Kasse an – “kassa” – hier kannst du mit Karte, oder mit Kronen zahlen.

LPG findest du an den wenigsten Tankstellen. Gerade in abgelegenen Gebieten wirst du mit einem gasbetriebenen Auto lange nach Kraftstoff suchen müssen. Hier empfehle ich dir, dich vorab etwas in das Tankstellennetz deiner Route einzulesen.

Mein Tipp: Fahr deinen Tank nie zu leer! Tanke rechtzeitig, denn wenn du dich verfährst, können die Wege schon mal etwas länger werden.

Sprache

In Schweden spricht man Schwedisch. Klar, das kommt jetzt nicht überraschend. Überraschender ist aber, dass man das geschriebene Schwedisch eigentlich ganz gut herleiten kann. Es wirkt teilweise wie eine Mischung aus deutsch und englisch. Zumindest was Hinweisschilder angeht, kannst du dir so gut helfen.

Das gilt aber nicht für das Gesprochene. Als Nicht-Schwede versteht man davon ungefähr so viel, wie ich vom Backen: NIX! Nur gut, dass die meisten Schweden sehr gutes Englisch sprechen. Mit deinem Schulenglisch wirst du also gut zurecht kommen.

schön heißt skön auf Schwedisch | Bild: Denis Oswald

Kleiner Schwedisch Kurs gefällig?

  • Das ø ist ein norwegisch/dänischer Buchstabe und wird als Ö gesprochen
  • æ ist auch norwegisch/dänisch ist ein Ä gesprochen
  • å ist ein schwedischer Buchstabe und wird als O gesprochen
  • V wird immer als W ausgesprochen
  • Bei den Seen lässt du “See” weg, und machst ein N hinten dran: Vänern, Vättern usw. , das gilt auch für Flüsse
  • Köttbullar -> schöttbüllar
  • Kyrka -> schirka
  • Tack så mycket -> Tak so mücke

Mein Tipp: Zur Not hilft dir Google und die eingebaute Übersetzungsfunktion. Die kann sogar ganze Sätze übersetzen und spricht dann Schwedisch mit dir. Fast wie ein kleiner Babel Fish 😉

Land & Leute in Schweden

Freundlich, offen und Hilfsbereit, so haben wir die Schweden kennengelernt. Sie sind mit Recht stolz auf ihre Heimat und die großartige Natur, die sie umgibt. 

Im Alltag steht der Schwede nicht so auf Smalltalk. Aber in der Freizeit – also beim Angeln oder Feuermachen – hält er gerne mal einen “Schnack”. 

Mein Tipp: Wenn du keine Ahnung vom Angeln hast, versuchs mal mit dem Thema Dachzelt. Gefühlt jeder Schwede hat eine Dachbox auf seinem Auto. Ein Dachzelt kann da also ein toller Gesprächseinstieg sein.

Was ist an Schweden nicht so geil?

Zugegeben, ich musste echt lange überlegen, um ein paar Dinge zu finden, die ich an Schweden nicht so tolle finde. Es gibt nicht viel zu meckern! 

Viel Wasser heißt auch viele Mücken, aber dagegen kann man sich wappnen | Bild: Denis Oswald

Mücken

Im Sommer sind Mücken echte Plagegeister. Besonders an Gewässern tummeln sich die Biester mit Vorliebe und warten dort auf ihre Menschenopfer. Wenn du besonders empfindlich auf Mückenstiche reagierst, ist der Sommer unter Umständen nicht die richtige Reisezeit für dich.

Gängige Mückenmittel, z.B. Nobite können sehr gut helfen.

Mein Tipp: Nimm Fenistil mit! Mücken stechen dich  überall. Wenn du dich ständig juckst, dann schauen dich manche Leute komisch an. 

Zecken

Mit diesen Viechern ist nicht zu Spaßen. Ihr Biss kann nicht nur eine Borreliose auslösen, sondern in Schweden auch FMSE übertragen. Eine Impfung gegen das FMSE-Virus kann hier helfen. Ein gutes Zeckenspray ist aber ein Muss und gehört unbedingt in dein Reisegepäck!

Während Mücken vornehmlich im Sommer ein Problem sind, sind Zecken auch im Herbst noch anzutreffen. 

Brot

Sorry liebe Schweden, aber Brot backen könnt ihr nicht! Das schwedische Brot ist weich, wabbelig und schmeckt irgendwie immer süß. Absolut nicht mein Fall. 

Mal im Erst: Sicherlich ist das Geschmackssache. Den ein oder anderen wird das schwedische Brot vom Hocker hauen. Ich hab´s immer in die Pfanne “gehauen”, so wird es wenigstens knusprig.

Mein Tipp: Nimm lieber Kuchen und Gebäck – Ein Träumchen!

Oder du machst es dir einfach selbst, so wie mit Olivers Kartoffelbrötchen. Wäre das nicht was zum Frühstück?

Die ultimativen Schweden-Geheimtipps

Ich könnte dir natürlich jetzt was vom Pferd erzählen und hier den Experten raushängen lassen. In Wahrheit bin ich ja auch kein Schwedenprofi. Ein paar Dinge habe ich jedoch schnell herausgefunden.

Dachzelt rauf und einfach die Seele baumeln lassen | Bild: Manuela Thom

Respektiere Mensch und Natur

Was so viel heißt wie: Sei freundlich und grüße alle mit einem netten “Hej!” Hinterlasse keine Spuren und beseitige ggf. auch die Spuren, die von deinem “Vorgänger” auf dem Stellplatz hinterlassen wurden. Dazu gehören zum Beispiel Müll, Feuerreste, Steine usw.

Körperpflege beim Wildcampen

Dein Körper braucht Wasser – nicht nur von innen. Also wenn die Leute im Supermarkt einen Bogen um dich machen, dann denk mal über ein Bad oder eine Dusche nach. 

Duschen kannst du in Schwimmhallen oder für ein paar Kronen auf dem Campingplatz. Wenn du zu den ganz mutigen gehörst, dann ist ein See die perfekte Badewanne.

Oder du probierst eine der 36 Möglichkeiten aus, wie du dich sonst noch unterwegs frisch machen kannst.

Was im Sommer eine erfrischende Angelegenheit ist, kann ab September schon zur Mutprobe werden. Das Wasser ist verdammt kalt! Wenn du lieber mit warmen Wasser duschen möchtest, dann koche ca. 1,5 Liter auf deinem Kocher auf und mische es je nach Vorliebe mit kaltem Seewasser. Zum vermischen und duschen kannst du einen Duschsack verwenden.

Da die meisten Stellplätze am A… der Welt liegen wirst du alleine sein – und kannst der Natur auch deinen A… zeigen. Guckt ja keiner zu und es ist ein herrliches Gefühl so in der Natur zu duschen.

Geniale Erfindung: Die Dachzeltleiterdusche
Geniale Erfindung: Die Dachzeltleiterdusche | Bild: Manuela Thom

Ganz wichtig ist, dass du nur Seife verwendest, die biologisch zu 100% abbaubar ist. Im Zweifel kannst du auch ohne Seife Duschen, das funktioniert genauso gut. Auch wenn du Bio-Seife benutzt, solltest du mindestens 100 Meter Abstand zu offenen Gewässern haben.

Mein Tipp: Deine Dachzeltleiter kannst du perfekt als Duschhalter verwenden. So ist das duschen fast wie zu Hause – nur draußen.

Dies bild zeigt einen Duschdsack an einer leiter befestigt
Praktisch: Die Leiter vom Dachzelt ist nicht nur zum Klettern gut! | Bild: Manuela Thom

Wäsche waschen auf der Reise

Gerade bei wechselhaftem Wetter, wächst dein Wäscheberg schnell in die Höhe. Bevor dir unterwegs deine frischen Klamotten ausgehen, kannst du mal auf dem nächsten Campingplatz nachfragen. Meistens kann du hier für eine kleine Gebühr deine Wäsche waschen.

Ansonsten findest du auch in jeder größeren Stadt Waschsalons. Einfach bei Google Maps “Waschsalon” eingeben und dir werden alle Möglichkeiten in der Umgebung angezeigt.

Dachzeltnomadin Kiki Sunshine meint zu Thema Wäsche waschen

Wäsche waschen ist auch kein Problem, die meisten Campingplätze haben Waschmaschinen, ansonsten kann man sich in den Gemeinde Häusern eintragen und für einen kleinen Obolus Wäsche waschen und trocknen.

Der Stellplatz-Tipp

Von den unbefestigten Straßen gehen oft kleine Wege ab, wenn diese nicht durch ein Schild oder eine Schranke versperrt sind, kannst du auch reinfahren. Wenn du dir unsicher bist, ob der Weg befahrbar ist, solltest du aussteigen und ein paar Meter in der Weg hineingehen. Ist der Weg befahrbar? Gibt es eine Wendemöglichkeit? Kommst du auch wieder raus, wenn es über Nacht plötzlich wie aus Kübeln regnet?

schotterpiste in schweden
Manchmal wird´s schmutzig auf Schwedens Straßen | Bild: Manuela Thom

Ein weiteres nützliches Tool zur Stellplatzsuche ist Google Maps, bzw. die Satellitenansicht. Einfach perfekt um einen Weg etwas bequemer auszukundschaften. Eine Drohne kann auch hilfreich sein, und macht nebenbei vielleicht auch noch ein paar coole Luftaufnahmen.

Die Stellplatz App “Park4Night” geht auch, ist aber mittlerweile so bekannt, dass du nicht alleine stehen wirst. Wenn es mal schnell gehen muss, ist die App sicherlich eine tolle Möglichkeit. Auf den zwei Plätzen, die wir über Park4Night gefunden haben, waren wir mit mindestens zwei anderen Campern.

Alternativ kannst du auch noch bei der Dachzeltnomaden Stellplatzkarte schauen, ob du einen hübschen Übernachtungsplatz findest (oder einen hinzufügen kannst)

Der Sommer kann schnell zum Winter werden!

Je weiter du in den Norden fährst, umso schneller sinken in der Nacht die Temperaturen. Nachtfrost ist keine Seltenheit, auch wenn es tagsüber noch recht angenehm war. Teilweise kannst du im September schon den ersten Schnee bewundern. Dafür musst du noch nicht einmal weit in den Norden fahren.

Mein Tipp: Pack dir eine Extra-Decke ins Zelt, wenn du Bedenken hast. Auch Winter- oder Ganzjahresreifen können in der Übergangszeit nicht schaden. Außerdem kann eine Wärmflasche im Gepäck nicht schaden!

Strom

Kommt auch in Schweden aus der Steckdose. Hier passen auch deine Stecker von Zu Hause. Für die Übernachtung auf Campingplätzen solltest du ein CEE-Adapter dabei haben. 

Wasser auffüllen

Du kannst an fast jeder Tankstelle kostenlos deine Kanister mit Wasser füllen. Wir sind mit 20 Litern für zwei Personen ca. 2-3 Tage ausgekommen. Da das Tankstellennetz sehr dicht ist, brauchst du dir keinen Stress deswegen zu machen. Du wirst nicht auf dem Trockenen sitzen.

Manchmal gibt es auch Quellen aus denen du dein Wasser zapfen kannst. Und ja, auch aus den Seen und Bächen kann man das Wasser trinken. Wenn du dir unsicher bist oder einen empfindlichen Magen hat, kannst du es abkochen oder einen Trinkwassserfilter nutzen.

Mein Tipp: Fülle nach dem Tanken auch deinen Wassertank mit Wasser auf.

Müll entsorgen und sammeln

Ganz klar ist, dass du deinen Müll wieder vom Stellplatz mitnimmst. Bei der Gelegenheit kannst du auch gleich mal schauen, ob du deinen Stellplatz etwas säubern kannst. So hinterlässt du den Platz sauberer, als du ihn vorgefunden hast – sowas ist gerne gesehen und fühlt sich jedes Mal gut an.

Entsorgen kannst du deinen Müll ganz praktisch an Müllsammelstationen oder am  Supermarkt. Da die Schweden den Müll trennen, solltest du das auch tun. Papier und Glascontainer stehen in fast jedem Ort.

Öffentliche Toiletten 

Alles was du oben in dich reinfüllst, muss auch irgendwann wieder raus. In Schweden brauchst du dir keine Sorgen darüber zu machen, dass du in der Wildnis keine Toilette findest.

Eine öffentliche Toilette auf einem Wanderparkplatz
Fast schon ein königlicher Thron – Eine öffentliche Toilette auf einem Wanderparkplatz | Foto: Manuela Thom

Auf fast allen Wanderparkplätzen findest du Toiletten. Aber ich will dich warnen: Es sind Komposttoiletten. Dementsprechend duftet es nicht immer nach Rosen oder anderen lieblichen Düften. Meistens sind die Toiletten aber ganz okay und ein toller Service.

Wenn doch mal keine Toilette in der Nähe ist, hilft für das große Geschäft nur der Klappspaten. Loch schaufeln, rein mit dem “Brownie” und wieder zuschaufeln. Dein Klopapier nimmst du wieder mit, und entsorgst es im nächsten Mülleimer. Dafür eignen sich Hundekotbeutel Hervorragend .

Handynetz

Das Handynetz ist kein Vergleich zu dem, was wir in Deutschland kennen. Du hast praktisch überall Handynetz. Nicht nur das, sondern in den allermeisten Fällen sogar 4G. Egal ob mitten im Wald, oder abgelegenes Hinterland: Google Maps, Netflix, Youtube und Co, funktionieren tadellos.

Selbst in der letzten Ecke hast du in Schweden noch guten Netzempfang | Bild: Mike Wachter

Wenn es mal wieder regnet, kannst du dich in dein Zelt verkrümeln und deine Lieblingsserie streamen. Mitten im Nirgendwo – es ist der Wahnsinn!

Nicht nur zum streamen, sondern auch für die Navigation ist eine gute Verbindung wichtig. Google Maps funktioniert am besten mit schnellem 4G Internet, wenn du die Satellitenkarte nutzt.

Im EU-Ausland kannst du dein Handy bedenkenlos verwenden. Du surfst und telefonierst hier zu den gleichen Konditionen wie im Inland. Darauf weist dich auch in den meisten Fällen eine SMS hin. Wenn du dir nicht sicher bist, kannst du dich vor Reiseantritt bei deinem Mobilfunkanbieter informieren.

Mein Tipp: Wenn du mit der Fähre anreist, solltest du während der Überfahrt unbedingt den Flugmodus deines Mobiltelefons aktivieren oder es abschalten. Die Verbindungskosten können sonst extrem hoch werden, denn auf See gelten die EU-Roaming Regeln nicht!

Die beste Reisezeit 

Schweden kannst du eigentlich ganzjährig bereisen. Jede Jahreszeit hat ihre Vorzüge – und auch ihre Nachteile.

In der Hochsaison können die Gebiete um die großen Seen sowie die Umgebung an den Küsten stark überlaufen sein. Das betrifft dann auch die Campingplätze. Einsamkeit wirst du hier nur schwer finden.

Dachzeltnomadin Sabrina Biermann hat noch ein paar Tipps für dich:

Die Schweden selber machen in der Regel von Juli bis Mitte August Urlaub, in der Zeit sind Schulferien und auch viele Betriebsferien, weshalb gerade beliebte Ausflugsziele ziemlich voll sein können. Dafür muss man bei vielen Attraktionen ab Mitte/Ende August erstmal schauen, ob die überhaupt noch geöffnet haben, damit man nicht vor verschlossenen Türen steht.

Die meisten Schweden können super Englisch, bezahlen alles mit Karte, auch die Kaugummis an der Tankstelle und für ein deutsches Bier bekommt man überall Hilfe. Landschaftlich hat Schweden einfach alles zu bieten von Wald über Küste, den Fjäll (die Berge), so viele Seen und unendlich viel Natur, aber auch Kultur.

DEN Ort zu empfehlen ist echt schwer, denn jeder hat andere Vorstellungen von Sehenswürdigkeiten. Manchmal macht es Sinn auch mal abseits der hoch frequentierten Hotspots zu gucken. Selbst wenn man schon ein paar Mal in Schweden war, entdeckt man doch immer noch wieder einen neuen, zauberhaften Ort.

Wenn du es gerne ruhig magst, dann empfehle ich dir das Frühjahr, oder die Zeit ab September. Dann sind die Temperaturen angenehm und auch die Hotspots sind nicht mehr so überlaufen. Bedenken solltest du aber, dass die Nächte langsam einstellig werden, was die Temperatur betrifft. Das trifft auch auf das Frühjahr zu.

Als Schweden-Anfänger solltest du am besten nicht im Winter reisen. Auch wenn nur im Norden polares Klima herrscht, könnte die Umstellung zu heftig sein. Wenn du im Winter nach Schweden reist, solltest du zumindest Erfahrung im Wintercamping haben.

Alles über Winter-Camping im Dachzelt erfährst du übrigens hier:

Fazit

Schweden kann man nicht mit ein paar Worten beschreiben. Du musst es selbst erleben und vor allem erfahren. Dieses Land lässt sich nicht mit einem Urlaub “abhaken” – Wenn dich Schweden einmal in seinen Bann gezogen hat, wirst du zum Wiederholungstäter.

Traumhafte Sonnenuntergänge an jeder Stelle. Das ist Schweden | Foto: Nicole Borgmann

Lange Zeit war Kanada mein Traumland – ich bin nie dort gewesen, war mir aber sicher, dass nichts vergleichbares gibt. Jetzt wurde ich eines Besseren belehrt: Schweden ist jetzt mein “kleines Kanada”. Und das Beste ist, es liegt viel näher und ich kann mit dem Auto rüberfahren.

Also, worauf wartest du noch? Denk nicht lange nach und auf nach Kanada….ähm ich meine natürlich Schweden.

PS: Wir haben keine Elche gesehen. Aber es ist möglich.

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About Stephan Kaufmann

Stephan Kaufmann ist im Oktober 1981 in Eschweiler im Rheinland geboren und wohnt seit 2009 im hohen Norden – in der Lübecker Bucht. Als staatlich geprüfter Techniker für Elektrotechnik tüftelt er gerne an verschiedenen Projekten herum. Seinen Ausgleich findet er im Leistungssport und in der Fotografie. Er ist sehr naturverbunden und fühlt sich sowohl im Flachland als auch in den Bergen sehr wohl. Im Februar 2018 verbrachte er bei minus 2 Grad seine erste Nacht im Dachzelt und ist seitdem mit dem Virus infiziert. Als Dachzeltnomade bereist er mit seiner Familie und seinem VW Bus ganz Deutschland. Das Abenteuer und die Freiheit stehen für ihn immer im Vordergrund - Pauschalreisen kennt er nicht!
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Eine Antwort auf „Mit dem Dachzelt nach Schweden“

  1. Hallo, Stephan!
    Habe deinen Schwedenbericht gelesen und finde ihn sehr gut und informativ. Lässt sich gut für eine Tour verwenden, toll recherchiert.
    Letzten Sonntag, DZ live, wollte ich dir zum Schluss noch eine Bemerkung schreiben…. da war schon abgeschaltet.
    War deine Bemerkung, dass du noch nicht in Canada warst. War in den 90er Jahren öfters in Canada (überwiegend Yukon). Habe mich dann doch (wieder) für Schweden entschieden, da die Umstände für Canada, z. B. Flug, Fahrzeug mieten, große Kosten und Aufwand bedeuten. Im Grunde genommen sind sich die beiden Länder sehr ähnlich. Fährst du allerdings in Schweden mal für 30, 40, oder mehr Km durch unberührte Landschaft, so kannst du in Canada gerne noch eine Null an die Kilometer hängen. 300, 400 Km nur Berge, Seen und Wälder können einen erschlagen.
    Fazit: Schweden (und Norwegen) ist ähnlich, man kann nur im Bedarfsfall schneller zuhause sein.
    Wünsche dir noch eine angenehme Zeit….
    Reinhard

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