Dachzelt Reisen

Mit Dachzelt und BMW in die Türkei

Wer war schon einmal mit Dachzelt in der Türkei? Das können wohl die wenigsten Dachzeltnomaden von sich behaupten. Kaum jemand hat bisher etwas von einer Dachzelt Reise in die Türkei berichtet…

Doch das schreckt Lisa nicht ab – denn Lisa alias “Caravanci” hat in der Türkei quasi ihr zweites Zuhause. Nach mehreren Aufenthalten mit Alkoven und Kastenwagen, wagte sich Lisa 2020 auch einmal mit Dachzelt in die ferne Türkei! Wie ihr das gefallen hat, was die Türken zum Thema Dachzelt sagen und was da so zu beachten ist, erfahrt ihr hier in diesem Beitrag.

Mehr Infos zu Lisa findet ihr hier auf ihrem Blog: caravanci.com.

Lisa bietet geführte Reisen für Frauen mit Wohnmobil an und hat sogar einen eigenen Reiseführer über die Türkei mit Wohnmobil veröffentlicht. Einige Tipps passen sicher auch auf Dachzeltnomaden-Reisen ganz prima.

Hier findest du alle Infos zum Reiseführer von Lisa und hier kannst du ihn bestellen:

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Die erste längere Reise mit Dachzelt

Es ist meine fünfte Reise mit einem Reisemobil in die Türkei, aber die erste – ever – mit Dachzelt. Nach einigen Testläufen mit dem Expeditions-Kombi meines Bruders mit James Baroud Dachzelt hatte ich mir ein Eigenes gekauft. Der Einsatzzweck war ursprünglich anders gedacht, aber 2020 war Umplanen angesagt. Obwohl ich noch meinen Kastenwagen besaß, gleichzeitig aber schon meinen Sprinter ausbaute, gab es vor allem einen Grund für die Fahrt mit dem Dachzeltauto in die Türkei: 

Die Herausforderung „Wie minimalistisch kann man leben?“, inspiriert von Menschen wie Thilo oder Rebecca, aber auch der Gedanke daran, wie sehr ich den Luxus im Van wieder zu schätzen wissen werde, wenn ich einige Monate lang so reduziert gelebt hatte.

Dass das Gefühl, erhöht zu schlafen seit meinem Alkovenmobil einfach nur eines der schönsten überhaupt ist, muss ich wohl niemandem erklären, der selbst schonmal im oder auf dem Autodach übernachtet hat – dieses erhöhte Schlafen feierte ich ab sofort jeden Tag!

Reisevorbereitungen – vom normalen Alltagsfahrzeug zum temporären Dachzeltmobil mit Stauraum

Mein alter BMW freute sich bestimmt genauso sehr wie ich, mal wieder richtig Langstrecke fahren und Neues entdecken zu können. Ich liebe es, mit meinem Alltagsfahrzeug aus Vor-Vanlife-Zeiten unterwegs zu sein und finde es immer zu schade, dass nicht ER mein Reisemobil sein kann. Das sollte sich für die kommenden Wochen ändern. 

Einen Tag vor Abfahrt an die 2900 Kilometer entfernte Ägäische Küste war die Scheibenfolierung fertig, denn mir war kurzfristig eingefallen, dass jeder sehen soll, dass mein Fahrzeug vollbepackt ist bis unters Dach. So konnte ich meinen „Weißen“, wie er liebevoll unkreativ heißt, endlich beladen. Die Sitzfläche der Rücksitzbank sowie der Beifahrersitz blieben aus Platzgründen Zuhause. So hatte neben der riesigen mobilen Solarzelle mit 100 Watt sogar noch mein SUP locker Platz – und natürlich meine Kitesurfausrüstung. Letztere konnte ich vor Ort am Surfclub in ein Schließfach packen, sodass ich auf dem Platz hinter mir auch mal eine Freundin oder einen Freund mitnehmen konnte.   

Ob ich mit dem Setup und meinem „Ordnungssystem“ zurecht kommen würde, hatte ich vorher nie ausprobiert, war während meiner Reise jedoch ganz zufrieden damit. Sicher ist es komfortabler, Schwerlastauszüge etc. einzubauen, aber wenn man sein Fahrzeug danach wieder rückbauen möchte, war das für diese drei Monate keine Option.

Dachzelte in der Türkei

Wenn ein Dachzelt eins ist, dann: Kommunikativ! Zugegeben, aus Mangel an Vergleichserfahrungen kann ich nicht beurteilen, ob es nur am Dachzelt und/ oder auch an meinem schönen Fahrzeug lag: Ein 5er BMW E34 aus 1995. 

Gerne erzähle ich euch eine kleine Geschichte aus dem Alltag mit Dachzelt in der Türkei:

Ich fahre mit meinem Dachzeltauto zu meinem Lieblingsstellplatz. Diesmal ist nur noch der Platz ganz vorne frei, auf dem ich noch nie stand. Alle weiteren Plätze sind mit türkischen Campern belegt – meist minimalistisch mit Familienwagen, Hängematte, Picknickdecke und Grill. Die meisten sind Urlauber aus dem eigenen Land, die meist Tagesausflüge an die Küste machen. 

Ich steige aus um Gefälle und Äste zu prüfen während der Motor läuft. Als ich mich umdrehe um zurück zum Wagen zu laufen, sehe ich, wie ein Türke an meinem Auto steht und das Dachzelt mit seinen Händen begutachtet.

Wäre ich jetzt „typisch deutsch“ (wie ich es noch oft genug bin bzw. es mir auf Reisen auffällt), würde ich vermutlich verärgert, zumindest aber sehr verwundert reagieren. 

Da ich aber nicht zum ersten Mal in der Türkei bin, weiß ich, dass die Türken einfach nur seeeehr neugierig sind und überhaupt keine Anstalten machen, diese zu verstecken. Ich gehe also hin, wir haben einen kurzen Plausch übers Dachzelt, Preise und kurz darauf stehe ich im Halbschatten direkt an der felsigen Küste, wo die Wellen gegen das Ufer rauschen, mit Blick auf die Berge auf der gegenüberliegenden Seite. Richtung Osten erkennt man mit guten Blick die Kites, die die Surfer über die Wellen tragen und die Sonne nähert sich im Westen den bis zu 1000 Meter hohen Bergen direkt an der Küste, wo sie später wieder ein wunderschönes Schauspiel namens „Sonnenuntergang“ geben wird. 

Kurz darauf beginnt mein Arbeitsnachmittag als Nachhilfelehrerin, sodass ich nur fix das Dachzelt aufschlage, alles Wichtige hineinwerfe (Laptop, Kiste als Tisch, Wasser) und darin verschwinde. 

Obwohl ich die Campingnachbarn also noch kaum gesprochen habe, bekomme ich kurze Zeit später, als sie grillen und ich immer noch unterrichte, einen Teller Gegrilltes ins Dachzelt gereicht. Einfach so. 

Lisa Caravanci

Seit Beginn meiner „Campingkarriere“ in der Türkei (2016) fragte ich mich, warum Wohnmobile und dergleichen so wenig vertreten sind in der Türkei – wo die Türken doch eine so große Campingkultur haben. Auf dieser Reise im Herbst 2020 habe ich genau ZWEI Dachzelte auf „normalen“ Fahrzeugen entdeckt:

Dass ich den Besitzer des einzigen Dachzeltautos auf dem Parkplatz des kleinen Outletcenters kennenlernen würde, der als Verkäufer in einem der Geschäfte arbeitete, überraschte selbst mich.

Doch beim Bezahlen meiner neuen Schuhe kamen wir – typisch türkisch – ins  Gespräch und es stellte sich heraus, dass ich zuvor SEIN Dachzeltsetup auf dem Parkplatz bewundert hatte. Er erzählte mir ganz stolz, dass sein Dachzelt einer türkischen Marke auf seinem Opel Corsa C auch bei Regen innen trocken bleibt und wollte natürlich noch ein Erinnerungsfoto mit unseren beiden Fahrzeugen.

Der andere (mit einem Dachzelt auf einem Opel Zafira) erklärte mir, dass Dachzelte in der Türkei hauptsächlich von Offroadern genutzt werden – und die Offroadszene ist in der Türkei richtig groß. 

Da erinnerte ich mich, dass ich auf einer vergangenen Bootstour 2018 in einer „einsamen Bucht“ eine ganze Ansammlung an Dachzelt- und natürlich Offroad-Fahrzeugen gesehen hatte:

Unter anderem in Izmir und anderen großen Städten kann man mittlerweile Dachzelte der verschiedenen türkischen Dachzeltmarken kaufen – zu landesüblichen Preisen.

Freistehen in der Türkei 

Obwohl es immer mehr Campingplätze – auch für Reisemobile – in der Türkei gibt, stehe ich am liebsten frei. Toilette, die entleert werden musste, gab es keine, ebenfalls kein Grauwasser. Bestenfalls zum Wäschewaschen hätte ich einen Campingplatz angefahren. Denn wo schläft es sich besser als direkt am Meer mit Meeresrauschen? Dass es auf einem Freistehplatz nicht immer ruhig zugeht, ist klar. Aber die Ruhe hat man auf – oft in Städten befindlichen – Campingplätzen auch selten. 

Das ist ein Punkt, der mich – neben fehlender Toilette – am meisten bei der Stellplatzsuche eingeschränkt hat: Der Geräuschpegel am Platz. Denn mit Dachzelt lernt man so richtig ruhige, einsame Orte erst zu schätzen. Und auch diese gibt es: Während in den warmen Sommermonaten die Küstenabschnitte sehr beliebt sind, ist die Chance, in den Bergen oder im Landesinneren einen einsamen Platz zu finden, umso höher. Toller Nebeneffekt: In den Bergen sind die Temperaturen nachts um 1 Grad pro 100 Höhenmeter geringer – so wichtig für einen erholsamen Schlaf! 

Ver- und Entsorgung in der Türkei

Dass ich für so eine lange Zeit mit dem Dachzelt losgezogen bin, lag unter anderem am Wissen, dass ich spätestens jeden zweiten Tag Kitesurfen gehen würde und am kostenpflichtigen Strand Zugang zu Toiletten und Duschen haben würde. Ich kannte die Infrastruktur vor Ort sehr gut und hatte außerdem die Möglichkeit, alle Annehmlichkeiten eines Hauses bei Freunden zu nutzen. Aber auch unterwegs war dies nie ein Problem, denn für Grundbedürfnisse muss man in der Türkei nicht bezahlen – weder in Tankstellen noch in Restaurants (auch, wenn man vor Ort nichts konsumiert). 

Meine Wassertanks füllte ich an Quellen, von denen es entlang der Straßen viele gibt. Wenn die Landsleute dort sogar ihre Wasserkanister füllen, kann man davon ausgehen, dass es Trinkwasserqualität hat. 

Was in der Türkei vor wenigen Jahren noch schwierig war, war die Beschaffung von Gaskartuschen. So hatte ich sehr viele – letztlich mehr als nötig – an Bord. Dank des unglaublich guten Wechselkurses und der Umständlichkeit des Geschirrspülens mit so wenig „Luxus“ ging ich in der Zeit sehr oft Essen.

So oft bin ich mit meinen vorherigen Reisemobilen – einem Alkoven und einem Kastenwagen – dank Kühlschrank an Bord selten in den Genuss so vieler türkischer Leckereien gekommen: Türkisches Frühstück mit frisch gepresstem O-Saft, nach einer anstrengenden Kite-Session lecker Mezze (Vorspeisen) und beispielsweise gebratenen Fisch als Hauptgang und ein süßes Künefe mit Kaymak hinterher… Man kann es sich schon sehr gut gehen lassen in Akyaka bzw. der Türkei!

Schönste Momente mit dem Dachzelt in der Türkei

Was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist die Nähe zur Umwelt. So nah dran – vor allem Nachts – war ich selten. Wenn man am Morgen nicht mal mehr eine schwere Tür öffnen, sondern einfach nur am Reißverschluss ziehen muss, um das warme Licht des Sonnenaufgangs und die seichten Wellen zu sehen, ist das der wohl schönste Start in den Tag, den man sich selbst schenken kann. 

Aufgrund des geringen Platzangebots ist man außerdem gezwungen, sich NOCH MEHR draußen aufzuhalten. Natürlich mag ich das gerne. Da ich aber im Wohnmobil lebe, kommt es auch mal vor, dass ich einen Tag lang keinen Fuß vor die Tür setze, wenn mir nicht danach ist. Letztlich ist es doch schön, so viel Zeit draußen – im Idealfall naturnah – zu verbringen.

Was ich auf dieser Reise gelernt habe

Mit Dachzelt ist man abhängiger von außen – seien es Toiletten, Duschmöglichkeiten, man braucht Platz zum Kochen, Waschen, für die Solarzelle. Dies kann eine bereichernde Erfahrung für introvertierte Menschen sein, denn es bleibt gar nicht aus, dass man mit mehr Menschen in Kontakt kommt, als wenn man mit einem vollautarken Reisemobil unterwegs ist. Der (manchmal unvermeidbare) Sprung über den eigenen Schatten wird vor allem in der Türkei oft belohnt: Mit Gastfreundschaft, Freundlichkeit, Interesse (mit Glück mit etwas Essbarem ;D). Während jeder Reise lerne ich, dass ich noch etwas offener anderen gegenüber sein darf – auf dieser besonders.

Dein Gastartikel auf dachzeltnomaden.com

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