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Freistehen vs. Wildcampen mit Dachzelt

Über die Thematiken Freistehen und Wildcampen gibt es im Netz die wildesten Beiträge, Diskussionen und auch Definitionen. Die Einen setzen das Freistehen dem Wildcampen gleich. Die anderen definieren die beiden Arten zu nächtigen ganz klar und grenzen sich damit voneinander als Freisteher oder Wildcamper ab.

So oder so – wir reden im Grund immer über dieselbe Art zu übernachten – nämlich auf freiem Grund & Boden und/oder an wilden Stellen. 

Was ist aber nun der Unterschied? Was ist erlaubt und was nicht? Wie sind die unterschiedlichen Regelungen in verschiedenen Ländern und wie ist das mit Dachzelt? Diese und noch einige mehr Facetten rund um die Thematik freistehen und wildcampen möchte ich nachfolgend einmal ganz genau betrachten.

Dabei spreche ich meist über meine persönlichen Gedanken und Erfahrungen. Mein Ziel ist dabei auf die Thematik und Problematik aufmerksam zu machen und zum Nachdenken/Umdenken anzuregen und nicht mit dem Finger auf Andere zu zeigen oder Andere zu verurteilen. Ich freue mich schon jetzt auf eure Meinungen dazu und eine spannende Diskussion in den Kommentaren!

Bild: Henning Unnerstall

Was ist die Herausforderung?  

Ich will das Rad rund ums freistehen und wildcampen nicht neu erfinden. Viel wichtiger ist am Ende ja, dass alle Parteien mit der neuen Situation glücklich sind. Was genau ist aber die neue Situation?

Immer mehr Camper – Wohnmobile genauso wie Busse und Dachzelt Mobile – wenden sich von den klassischen Campingplätzen ab und wollen die Natur hautnah erleben. Parzellierte Plätze und Regeln, wann man über den Campingplatz fahren darf und wann Nachtruhe ist, ist Schnee von gestern. In der Natur darf man 24/7 HalliGalli machen, man muss nichts reservieren und es stört sich auch Niemand daran, wenn man den Hund frei laufen lässt oder die Kids schon früh morgens kreischend Indiander spielen. 

Deshalb und bestimmt auch aus Kostengründen, sind mittlerweile immer mehr Camper auf den Trichter gekommen beim Campen nicht mehr auf Campingplätze zu fahren, sondern lieber irgendwo in der Natur oder auf öffentlichen Plätzen zu parken und dort die Nacht zu verbringen. 

Apps wie Park4Night oder auch die DZN Stellplatzkarte machen das Stellplatz finden unglaublich einfach und somit sind viele tolle Plätze leicht zugänglich und noch dazu kostenlos. 

Aber ist das immer so cool für die Natur und die Umwelt? Halten Alle diese Entwicklung für so gut? Natürlich nicht!

Der wirtschaftliche Aspekt

Vor allem Campingplätze sehen das als gar keine gute Entwicklung. Obwohl die Campingbranche noch immer unglaublich boomt sehen viele Campingplatzbetreiber wildcampen und freistehen als großes Problem an – durchaus verständlich.

Was wäre, wenn in x Jahren noch viel mehr Camper der Campingplätze überdrüssig werden würden? Dann würden einige Campingplätze, die jetzt expandieren, wohl bald in die Röhre schauen.

Der gesellschaftliche Aspekt

Aber nicht nur der wirtschaftliche Aspekt ist ein Problem. Auch gesellschaftliche Gesichtspunkte sind nicht zu missachten.

Denn gerade die Gruppe der Camper, die schon immer wild gecampt haben oder frei standen fühlen sich jetzt von der Masse der Freisteher bedrängt. Der Strand ist eben nicht mehr einsam, wenn 30 Camper da stehen. Die Fülle an Stellplatz Apps und auch viele Social Media Posts machen das Problem nicht wirklich kleiner – ganz im Gegenteil.

Es werden also immer mehr und damit wird die Gruppe der Wildcamper oder Freisteher auch auffälliger und es entsteht ein weiterer gesellschaftlicher Aspekt: die Camper stören und es wird alles verboten. 

Bild: Sophie Vogel

Wir haben mit Dachzelt noch einen ganz klaren Vorteil gegenüber Wohnmobilen und der restlichen “Weißware”: Dachzelte sind spannend. Deshalb ist es mit Dachzelt sicher einfacher an einem wilden Platz geduldet zu werden. Trotzdem macht es das Problem nicht kleiner. Stell dir vor du gehst bei dir zuhause spazieren und irgendwo steht ein Camper. Du grüßt freundlich, freust dich mit dem Urlauber und gehst weiter. Stell dir vor da stehen 20 Camper. Ziemlich uncool, oder? Das ist doch hier kein Campingplatz!

So ist es eben mit zunehmender Anzahl an Freistehern und Wildcampern vielerorts, vor allem überall dort, wo es besonders schön ist. Am Meer, in den Bergen, an Flüssen – mitten in der Natur eben.

Der Faktor Natur

Nicht zu vergessen ist in der Debatte auf jeden Fall der Faktor Natur. Über Müll und schadstoffbelastete Fäkalien brauchen wir vermutlich nicht zu sprechen. Beides hat in der Natur nichts zu suchen. 

Plätze, an denen häufiger Fahrzeuge stehen, sind aber auch ohne Müll und Kackhaufen nicht mehr dieselben Plätze wie vorher. Der Boden ist festgefahren, Pflanzen werden zerstört, Tiere ändern ihre Routen, Vögel verlassen ihre Nester und so weiter und so fort. Ganz abgesehen von einer möglichen Schadstoffbelastung, die das Fahrzeug mit sich bringen kann (Stichwort Ölverlust).  

Was ist die Lösung?

Eine Lösung für diese Probleme gibt es vermutlich noch nicht. Fakt ist aber, dass in den nächsten Jahren eine Lösung her muss. Denn unendlich weiter geht das so wie es in den letzten Jahren gelaufen ist vermutlich nicht. Es sind eben nicht alle Parteien zufrieden, es kommt immer wieder zu Konflikten, Verboten und Ärger. Aber wer will Ärger, wenn man auf einem Dachzelt Urlaub ist?

Deshalb wollen wir hier einmal eine Lanze brechen für den Unterschied zwischen freistehen und wildcampen (unsere Definition =)) und ein paar Tipps geben, wie du einerseits Ärger & Konflikten aus dem Weg gehst und hoffentlich nicht noch mehr Verbote entstehen. 

Bild: Sebastian Klein

Definition freistehen & wildcampen

Zuerst brauchen wir dann doch erst einmal eine klare Definition der Begrifflichkeiten, damit wir alle eine Sprache sprechen. Für mich ist die Thematik mittlerweile glasklar: es gibt zwischen dem Freistehen und dem Wildcampen einen deutlichen Unterschied. 

Meine Definition “freistehen”:

Du stehst mit deinem Camper frei. 

Merkmale: 

  • Du übernachtest an dem Platz und zeigst keinerlei Campingverhalten (keine Tische, Stühle, Lagerfeuer etc.)
  • Du bist und verhältst dich möglichst unauffällig
  • Es steht nur ein Camper an einem Platz
  • Dauer: maximal 1 Tag

Meine Definition “wildcampen”:  

Du campst an wilden Plätzen.

Merkmale: 

  • Campen bedeutet hier auch Campingverhalten (Tische, Stühle, Grillpartys, Lagerfeuer)
  • Dein Dachzelt Setup ist klar als Camping Setup ersichtlich und macht Aufsehen
  • Es stehen möglicherweise mehrere Camper gemeinsam an einem Platz
  • Dauer: mehr als 1 Tag
Bild: Carsten Gottschlich

Mein Fazit: Freistehen ja, Wildcampen nein

In den vergangenen Jahren habe ich schon über tausend Nächte frei gestanden und wirklich nie Probleme gehabt.

Einige Male habe ich auch wild gecampt und bin dabei ab und zu auf Ärger gestoßen.

Auffällig war dabei, dass es meist zu “Ärger” kam sobald zwei Fahrzeuge gemeinsam irgendwo in der Natur oder auf öffentlichen Plätzen stehen oder ein Fahrzeug längere Zeit an einem Platz steht. Auch Tische, Stühle und Grillverhalten bringt dir schnell Konfliktpotenzial mit Anwohnern oder dem Ordnungsamt. 

Mein Fazit nach ein paar Jahren unterwegs mit dem Camper ist eindeutig: Freistehen ja, Wildcampen nein.

Freistehen ist nirgendwo in Europa ein Problem. Dann übernachtest du wirklich nur an einem Fleck, um am nächsten Tag weiterzufahren. Auch kochen im Freien und auf einem Stuhl den Sonnenuntergang beobachten wird hierbei nicht zum Problem zeigt meine Erfahrung. 

Wildcampen wird immer mehr zum Problem. Und zwar nicht weil die Wildcamper immer problematischer werden, sondern weil es immer mehr werden. Und wenn es mit etwas übertrieben wird, dann ist das selten gut. 

Meine persönlichen Regeln zum Freistehen

Ich halte freistehen für wirklich kein Problem und leben ja auch selbst seit 2017 im Fahrzeug. Zuerst alleine in einem PKW mit Dachzelt und jetzt zu zweit plus Hund in einem Kastenwagen mit Dachzelt. Campingplätze nutzen wir gar nicht, weil wir es einfach nicht brauchen (wir sind autark) und so flexibler unterwegs sind. Wir sind aber auch immer unterwegs und meistens nur eine Nacht an einem Platz. 

Wenn wir uns allerdings mit Freunden bzw. anderen Campern treffen und abends am Lagerfeuer sitzen wollen, dann organisieren wir meistens ein Privatgelände, wo das auch geht oder fahren auf einen Campingplatz – die sind halt auch für Camping da!

Meiner Meinung nach sollte man sich mit mehreren Fahrzeugen eher nach privaten Plätzen und Campingplätzen umsehen. Grundsätzlich ist auch das Freistehen mit Kids möglich, wird aber schnell zum Wildcampen, wenn man dann doch einen Tisch aufbaut und den Grill auspackt.

Insgesamt kommt das natürlich immer darauf an wo man ist. In Deutschland würde ich auf keinen Fall (mehr) mit mehreren Fahrzeugen auf einem öffentlichen Parkplatz eine Wagenburg bauen und in der Mitte ein Lagerfeuer veranstalten. Auf allen Plätzen, auf denen ich solch ein Wildcampingverhalten bisher gesehen, erlebt oder auch mitgestaltet habe, ist Camping jetzt verboten. Und ich muss sagen, dass ich das verstehen kann. 

Hier stehen wir beispielsweise am Meer direkt auf einer ionischen Insel in Griechenland. Geiler Spot! Allerdings: Wir sind vorher auch schon zwei Strände angefahren, die mit Campern voll standen. Da stellen wir uns nicht noch dazu. Das ist einfach too much! Außerdem sind wir am nächsten Tag direkt weitergefahren. Und: das Bild ist von Mitte März. Im August kann man das bestimmt auch nicht so einfach machen, da dann einfach viel mehr Menschen unterwegs sind an diesen wunderbaren Stränden!

Bild: Rebecca Roß

Meine persönlichen Regeln zum Wildcampen

Ich denke es gibt dennoch Plätze, an denen auch Wildcampen möglich sind. Diese Plätze sind aber eher selten und sollten mit sehr viel Fingerspitzengefühl behandelt werden. 

Ein Beispiel dazu: Irgendwo in den Weiten von Nordfinnland oder im Hinterland von Spanien sieht die Thematik nämlich schon wieder anders aus. Wo mehr Land ist und die Bevölkerungsdichte wesentlich niedriger ist, da stört man am Ende auch kaum Jemanden. Man kann durchaus einmal mit zwei-drei Fahrzeugen zusammenstehen und an einem Tisch abends zusammen ein leckeres Abendessen verspeisen. 

Aber darauf kommt es am Ende eben an: Wenn du niemanden störst und nichts außer Reifenabdruck und Fußabdruck hinterlässt, dann kannst du schon ziemlich entspannt freistehen oder auch einmal ein wenig wildcampen. Sobald du jemanden stören könntest – darunter zählt auch die Natur – solltest du dein (Camping-)verhalten noch einmal überdenken und eventuell justieren.  

Camperland & Dachzeltnomaden

Bei Camperland können Privatpersonen schöne Plätze zum Campen anbieten und somit anderen Privatpersonen zur Verfügung stellen.

Wir begrüßen solche privaten Initiativen, weil durch diese mehr Alternativen zum Wildcampen entstehen. Dadurch wird das Thema und auch die Problematik rund um das Wildcampen aktiv angegangen und es entstehen Möglichkeiten des Wildcampings, die nicht unbedingt mit Parzellen und starren Campingplatzregeln einhergehen. 

Nikita – der Gründer von Camperland – hat dabei seinen Traum in die Tat umgesetzt: das ursprüngliche Campingerlebnis in der Natur sicher und erlebbar für alle zu machen. 

Das Team von Camperland möchte mit dem Stellplatzangebot die Campingszene ergänzen und die Lücke zwischen traditionellem Campingplatz und Wildcamping schließen.

Dabei unterstützen wir gerne und sind eine Kooperation mit Camperland eingegangen.

Hier findest du die Dachzeltnomaden & Dachzelt Stellplätze auf Camperland zum Buchen. 

Werde Teil des Gastgeber-Netzwerk von Camperland

Du hast einen Stellplatz, der sich für Dachzelte oder auch andere Camper eignen würde und möchtest diesen gerne für andere Camper buchbar machen? Dann werde jetzt Teil des Gastgeber-Netzwerks von Camperland! 

Hier kannst du deinen Stellplatz bei Camperland kostenlos registrieren. 

Wenn du deinen Stellplatz für andere Dachzeltnomaden kostenlos zur Verfügung stellen magst, dann kannst du diesen auch in der DZN Stellplatzkarte inserieren. 

Spannende Artikel & Podcasts aus der Community

Wenn du jetzt noch nicht genug vom Freistehen und Wildcampen hast, dann findest du hier noch einige spannende Artikel und Podcasts aus der Community.

Vanlust sieht keine so klare Unterscheidung zwischen dem Freistehen und dem Wildcampen, dafür gibt es 11 Tipps zum Freistehen/Wildcampen.

Whatabus hat 7 Argumente fürs Freistehen aber vor allem tolle Ratschläge, wie man sich beim Freistehen gut verhält.  

Hier findest du einen Podcast von Camperstyle mitsamt Regelungen in verschiedenen Länder zum Thema Wildcamping und Freistehen. 

Bei den Roadies findest du eine schöne Übersicht der Regelungen zum Freistehen/Wildcampen in Europa.

Hier findest du bei uns noch ein sehr buntes Potpourri an vielen Alternativen zum Wildcamping in Deutschland von Thilo. 

Hast du Bock auf ein Dachzelt Treffen?

Dann sei dabei beim DACHZELT POPUP in Nordhessen vom 14. -17. Juli!

Hier findest du alle Infos & kannst dir dein Ticket sichern:

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