Mit Dachzelt alleine reisen als Frau

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Ist es möglich mit Dachzelt ganz alleine als Frau loszuziehen? Welche Vor- und Nachteile gibt es während einer solchen Reise? Wie sieht das mit der Sicherheit aus? Und was ist sonst noch alles zu beachten? 

Diese und noch viele weiteren Fragen werden hier in diesem Artikel beantwortet. Wir nehmen euch dabei mit auf unseren Weg als alleinreisende Frauen kreuz und quer durch die Republik und durch Europa.

Laura ist seit März 2019 mit dem Camper alleine unterwegs, seit Mai 2020 mit dem Dachzelt. Rebecca reist seit November 2017 alleine mit dem Dachzelt quer durch Europa.

Mit diesem Artikel wollen wir die Herausforderungen beim Alleinreisen als Frau beleuchten, die Unterschiede zum Reisen als Mann oder als Gruppe aufzeigen, aber auch die tollen Vorteile mit euch teilen. 

Freut euch auf das geballte Wissen aus über 4 Jahren Dachzelt-Reise-Erfahrung als Frau von uns und ganz vielen anderen tollen Dachzeltnomadinnen.

Wenn ihr lieber schaut als lest, dann guckt euch doch einfach dieses DZN Live an, in dem wir über alle Themen ausführlich gesprochen haben:

Warum du alleine reisen solltest: die Vorteile

Wieso sollte man überhaupt alleine reisen? Macht gemeinsam nicht alles viel mehr Spaß? Wie bei so ziemlich allem im Leben, gibt es auch beim alleine reisen viele Vor- und Nachteile.

Die allermeisten Vor- und Nachteile beim alleine reisen gelten übrigens nicht nur für Frauen, sondern für das Alleinreisen generell. 

Den größten Vorteil sehe ich (Laura) darin, Zeit mit mir selbst zu verbringen und mich selbst kennen zu lernen – Stichwort Persönlichkeitsentwicklung. Alleinsein kann man lernen und es ist eine nützliche Eigenschaft, sobald man sie einmal erworben hat. 

Außerdem kann die Ruhe bei einer Reise alleine auch wunderbar sein, um die eigenen Gedanken in Ruhe zu sortieren. So kannst du gedanklich verschiedene Möglichkeiten durchspielen ohne, dass dir sofort jemand reinredet.

Alleine reisen bedeutet viel Zeit alleine genießen zu können. | Bild: Rebecca Roß

Wenn du alleine unterwegs bist, hast du eine ungeheure Flexibilität. Denn nur du allein entscheidest, wohin du weiter fährst. An jeder Weggabelung darfst du aufs Neue entscheiden welchen Weg du wählst.

Ist das nicht genial?

Wenn du alleine reist, wirst du sicherlich über dich hinauswachsen und hier und dort mal deine Komfortzone verlassen. Doch genau an diesen Erfahrungen wirst du persönlich wachsen.

Aber keine Sorge – nur weil du alleine unterwegs bist, bedeutet es nicht, dass du keine neuen Kontakte knüpfen wirst. Häufig ist sogar das komplette Gegenteil der Fall. Beim alleine reisen knüpfst du meist schneller und einfacher neue Kontakte, als wenn du als Paar oder als Gruppe unterwegs bist.

Das sagt Dachzeltnomadin Mareike Georg über das Alleinreisen als Frau

Ich bin auch alleine unterwegs, naja, wie andere auch, fast alleine…. Mit mir reisen meist 2 Hunde. Ich mache aber auch immer wieder Touren ohne die Beiden. In meinem Job als Lehrerin habe ich dauernd Verantwortung für andere, muss nach einem bestimmtem Plan funktionieren.

Am alleine Reisen genieße ich die Unabhängigkeit und nur für mich verantwortlich zu sein. Und auch wenn mein Panda klein ist, habe ich alles dabei, um jederzeit stehen zu bleiben, wo immer ich möchte.

Egal ob beim Wandern oder Dachzelten – es ist die Einfachheit der Natur, das Nicht-reden-müssen (beim alleine Reisen) und das einfach nur Sein, was mich so begeistert. Und wenn mir doch nach Gesellschaft ist, kommt man gerade über das Dachzelt ganz schnell ins Gespräch mit anderen. Foto von mir und Auto gibts nicht wirklich, dafür mein Lieblingsbild vom Panda mit Dachzelt .

So schön kann das alleine sein aussehen | Bild: Mareike Georg

Diese Punkte sollten dir klar sein: die Nachteile

Natürlich gibt es auch beim Alleinreisen als Frau den ein oder anderen Nachteil.

So kannst du zum Beispiel schöne Momente wie einen wunderschönen Sonnenuntergang oder einen tollen Stellplatz am See nicht direkt mit jemandem teilen.

Auch wenn es mal im Urlaub nicht ganz rund läuft und beispielsweise das Auto Zicken macht, kann alleine reisen zeitweilig anstrengend werden. Denn nun musst du auf schwierige, spontan auftretende Situationen alleine reagieren und selbstständig handeln. Außerdem kannst du dich nicht sofort mit deinem Beifahrer austauschen und versuchen das Problem zu zweit zu lösen. 

Natürlich musst du beim alleine Reisen die gesamte Fahrstrecke deiner Reise alleine fahren, somit bist du langsamer unterwegs als ein Duo, welches sich beim Fahren abwechseln kann.

Wenn du offroad unterwegs sein möchtest, kann es außerdem anstrengend sein, wenn du keinen Beifahrer dabei hast, welcher zwischendurch mal aussteigen und dich einweisen kann.

Ein besonderer Nachteil beim alleine reisen als Frau sind die Themen Sicherheit und Angst. Da kommen wir aber später noch einmal im Detail darauf zurück. 

Eine Reise mit Dachzelt als Alleinreisende Frau kann auch bis ans Nordkapp gehen | Bild: Rebecca Roß

Was macht das alleine reisen als Frau besonders?

Bei den Vor- und Nachteilen in puncto alleine reisen ist ja bereits aufgefallen, dass viele Themen für Männer genauso gelten als für Frauen. Trotzdem gibt es viele Bereiche, die Frauen beim Alleinreisen besonders betreffen. Willst du wissen, welche das sind? Hier gibt es ein paar Ansätze, was das alleine reisen als Frau in unseren Augen besonders macht. 

Zuallererst ist da die Sache mit dem WC. Nun ja, wenn deine Verdauung uneingeschränkt funktioniert, bleibt der Gang zur Toilette auch beim Dachzelten nicht aus. Die Herren der Schöpfung haben dort anatomisch einen großen Vorteil. Denn den kleinen Toilettengang können sie ohne größeren Aufwand erledigen: kurz an einen Busch gestellt und schon ist die Blase erleichtert.

Bei den Damen hingegen muss wohl oder übel komplett blank gezogen werden –  nützt ja nix. Ganz abgesehen von der persönlichen Scham und dem Erregen öffentlichen Ärgernisses beim wild urinieren, besteht vielerorts gerade im hohen Gras auch schnell die Gefahr von Zeckenbefall und anderem Ungeziefer. 

Doch auch dort gibt es inzwischen Abhilfe für Frauen. Wer sich nicht in den Busch hocken möchte, kann auch auf eine sogenannte Urinella zurückgreifen. Dies ist ein Hilfsmittel welches Frauen ermöglicht sich im Stehen zu erleichtern. 

Ein weiteres praktisches Gadget für Frauen unterwegs ist ein Badeponcho. Du kannst dich mit diesem großen Umhang einfach und ungesehen umziehen, ohne dass du dich halbnackt präsentieren musst.

Ein weiterer Punkt ist der Umstand, dass Frauen gesellschaftlich häufig immer noch als das “schwächere Geschlecht” angesehen werden. Körperlich gesehen ist das nicht wirklich abzustreiten, das heißt aber noch lange nicht, dass Frauen auch wirklich schwächer sein müssen. Körperliche Unterlegenheit kann beispielsweise durch Gewitztheit, Vorsicht oder auch Selbstverteidigungstechnik kompensiert werden.

Nichtsdestotrotz tragen einige Menschen in unserer Gesellschaft weiterhin ein “Schubladendenken” in sich und versuchen die Frauen in die altbekannten – unserer Meinung nach inzwischen überholten – Rollenmuster zu sortieren. Doch es liegt an uns, Frauen und junge Mädchen frei und unabhängig zu erziehen und zu behandeln. 

Das Geschlecht hat, unserer Meinung nach keine Auswirkung darauf, ob du alleine reisen kannst oder nicht.  

In der jüngsten Vergangenheit hat sich jedoch im Punkto Emanzipation allerhand getan. Auch über soziale Netzwerke machen immer mehr Frauen auf sich und ihr eigenständiges Handeln und Reisen aufmerksam. Wenn du also alleine reisen möchtest als Frau, dann lass dir einfach nichts anderes einreden und schon kann`s losgehen!

Dabei sollte das Thema Sicherheit aber auf keinen Fall außer Acht gelassen werden. Schlussendlich ist es als alleinreisende Frau am Ende vermutlich doch gefährlicher als das alleine Reisen als Mann. Auf das Thema Sicherheit und Sicherheitsgefühl kommen wir aber später im Artikel noch einmal zurück. 

Das sagt Dachzeltnomadin Karoline Piegdon über das alleine Reisen als Frau

Ich bin auch fast ausschließlich alleine unterwegs. Ich stehe meistens frei und bin komplett autark. Bisher hab ich ausschließlich positive Erfahrungen gemacht, ich reise aber auch schon ewig immer wieder alleine und bin es gewohnt. Einsam finde ich eine Reise alleine nie, weil ich gut mit mir selber klarkomme. Ich genieße im Gegenteil die Freiheit, spontan entscheiden zu können und mich nicht abstimmen zu müssen. Das Foto war im Juni 2020 in Kroatien.

Karoline hat beim alleine reisen ausschließlich positive Erfahrungen gemacht | Bild: Karoline Piegdon

Das erste Mal allein los…

Nun ist es so weit, du willst das erste Mal alleine los, doch traust dich noch nicht ganz? Dann haben wir ein paar kleine aber feine Ideen, wie du dir das “erste Mal” ein wenig einfacher machen kannst. 

Wie wäre es mit einem spontanen Mädelswochenende? Du könntest für deine erste Tour eine gute Freundin auf einen kurzen Roadtrip mitnehmen. Die erste Tour zu zweit zu meistern ist Gold wert und kann dir genügend Sicherheit geben, schon den zweiten oder dritten Trip alleine zu meistern. 

Wenn du nun also genügend Sicherheit bekommen hast und das erste Mal ganz alleine los willst, dann beginne einfach ganz langsam. Vielleicht zunächst mit einem Tagesausflug alleine, danach dann eine Übernachtung allein und dann steigerst du dich langsam.

Nimm dir die Zeit die du brauchst, manchmal dauert es ein wenig bis es sich gut für dich anfühlt. Mit ein bisschen Übung wird daraus im Verlauf vielleicht sogar schneller als du denkst ein ganzer Urlaub alleine.  

Lass Familie und Freunde wissen wo du dich rumtreibst, zum Beispiel über regelmäßige Updates via Text und Bildnachrichten. Es gibt aber auch Apps (z.B. Polarsteps), mit denen du automatisch oder halbautomatisch deinen Standort regelmäßig teilen kannst.

Somit wissen beide Seiten Bescheid wo du dich genau aufhältst. Das bringt nicht nur dir selbst Sicherheit, sondern auch deinem engsten Umfeld. Häufig sind es nämlich Eltern und enge Freunde, die sich mehr Sorgen machen, als du selbst. 

Alleine den Schnee und das Meer genießen – so lässt es sich leben! | Bild: lebenaufachsen.ch

Hast du keine Angst?

Was alle Alleinreisenden gemeinsam haben, ist wohl ihre Abenteuerlust. Häufig bekommen aber gerade alleinreisende Frauen die Frage gestellt, ob sie nicht Angst haben, wenn sie alleine unterwegs sind. Neben der üblichen Frage, wo man denn auf die Toilette gehen kann, ist das vielleicht sogar die am meisten gestellte Frage an alleinreisende Frauen. 

Dazu ist grundsätzlich zu sagen, dass das Empfinden bei jeder Frau ganz individuell ist und jede Frau auch ihre eigene Komfortzone hat. Die eine macht sich vielleicht in puncto Sicherheit ein bisschen zu wenig Gedanken, während die nächste niemals alleine auf einem Waldparkplatz übernachten würde.

Hier gilt es seine eigene Angst-Wohlfühl-Balance zu finden und ganz genau auszuloten, was sich gut anfühlt und was nicht. Vertraue auf dein Bauchgefühl – es wird dich leiten!

Laura genießt das alleine reisen als Frau in vollen Zügen! Bild: Johanna Soelter

Wenn dir die Stille um dich herum doch einmal zu ruhig wird, dann hör doch einfach eine Folge von deinem Lieblingspodcast (z.B. einen Travel-Podcast von Frauen für Frauen) oder ein paar Lieder aus deiner Lieblingsplaylist. Manchmal fühlt es sich einfach schön an, eine andere Stimme zu hören und die einstige Angst ist wie weggeblasen. 

In den allermeisten Fällen ist die Angst aber nur in deinem Kopf und ziemlich unbegründet. Das angsteinflößende Tier, was du in der Nacht aus der Ferne hörst wird deinen sicheren Schlaf dabei genauso wenig stören, wie das Rascheln im Gebüsch.

Ich (Rebecca) habe in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass jegliche Angst vor wilden und gefährlichen Tieren oder vor Überfällen in der Nacht einfach nur überzogen war. Ich bin zwar sehr vorsichtig in der Stellplatzwahl und auch beim Reisen an sich, Angst hätte ich aber bisher überall in Europa nicht wirklich haben brauchen. 

Fühlst du dich nicht alleine?

Das Alleinreisen muss bei Weitem nicht einsam sein. Es gibt unzählige Möglichkeiten beim Reisen Kontakte zu knüpfen und keine unangenehme Einsamkeit zu erleben.

Wenn du allerdings deine Ruhe haben und alleine sein möchtest, wirst du dies beim Dachzelten auch finden. Das ist eine tolle Option beim alleine Reisen – du kannst alleine sein, wenn du dich aber einsam fühlst, dann musst du es nicht sein!

Wenn du dafür offen bist, wirst du unterwegs sicherlich schnell neue Kontakte knüpfen und somit neue Leute kennenlernen. Vor allem dann, wenn du alleine unterwegs bist findest du schnell Anschluss – das ist erst einmal überraschend aber durchaus logisch.

Als Pärchen oder in der Gruppe fällst du weniger als Individuum auf. Wenn du alleine im Restaurant sitzt, dann wirst du dagegen schneller einmal Kontakte finden. 

Du kannst dich aber auch durch soziale Netzwerke mit anderen Alleinreisenden vernetzen und austauschen. Inzwischen gibt es sogar eigene Facebook Gruppen für alleinreisende Frauen (z.B. Vanlove Girls), in denen ein reger Austausch unter Mädels herrscht. Dort wirst du sicherlich den ein oder anderen Tipp für deine nächste Reise finden können.

Natürlich hilft auch der Austausch in allen anderen Facebook Gruppen (z.B. der Dachzeltnomaden Facebookgruppe) oder generell die Kommunikation in anderen sozialen Netzwerken, um Einsamkeit vorzubeugen. 

Sollte dich jedoch unerwartet Heimweh auf der Reise überkommen, kann ich (Laura) dir ein paar Tipps mit an die Hand geben, die mir bei akutem Heimweh geholfen haben:

  • Du könntest zum Beispiel eine gute Freundin oder deine Eltern anrufen und von deiner bisherigen Reise erzählen und gleichzeitig hören, was Zuhause alles so passiert ist.
  • Eine schöne Ablenkung findest du auch beim Lesen eines guten Buches oder beim Schauen eines Filmes.
  • Wenn dir die Einsamkeit zu still wird, so kann ich dir den Besuch in einem Museum oder in einem Café empfehlen, dort ist es immer ein wenig wuselig.
  • In größeren Städten wird häufig eine sogenannte free City- Tour angeboten. Diese Tour basiert auf Spenden und ortskundige Locals bringen dir die Stadt mit all ihren Facetten nahe. Auch dort kannst du prima neue Kontakte knüpfen und dich mit anderen Reisenden austauschen.   

Das sagt Dachzeltnomadin Kornelia Tödt über das alleine Reisen als Frau:

Ich bin immer alleine unterwegs. Am Anfang war das komisch. Ich habe das Dachzelt jetzt 3 Jahre und wäge genau ab, wann ich unten im Bus oder oben im Zelt schlafe. Am Liebsten bin ich an ganz einsamen Orten.

Das Foto habe ich im Schwarzwald auf einer Waldlichtung gemacht. Hinter mir war ein Kuhstall und ansonsten war da nur Wald und Wiese. Im Dachzelt zu liegen und zum Sternenhimmel zu gucken ist für mich das Schönste was es gibt. Da vermisse ich keine Gesellschaft.

Kornelia ist am liebsten an ganz einsamen Orten | Bild: Kornelia Tödt

Ist schon einmal etwas Schlimmes passiert?

Eine der großen Ängste beim alleine Reisen als Frau ist die, dass man überfallen oder gar sexuell belästigt/missbraucht wird. Doch ist das wirklich so ein Thema für alleinreisende Frauen? Oder ist auch das nur ein Klischee?

Bisher kam es bei mir (Laura) erst ein einziges Mal vor, dass ich blöd angemacht wurde. Ein älterer Herr parkte mit seinem Auto direkt neben meinem und beobachtete mich ein paar Minuten lang, wie ich auf meinem Beifahrersitz saß und am Laptop arbeitete.

Dann stieg er aus, kam um sein Auto herum und gab mir per Zeichensprache zu verstehen, dass ich die Seitenscheiben ein Stück herunter lassen sollte. Seiner Bitte kam ich nach und öffnete ein paar Zentimeter die Scheibe, jedoch nicht zu weit.

Seine Frage, ob ich seine heimliche Verabredung wäre und was ich die Stunde nehmen würde und ob er mit EC Karte bezahlen könne, wies ich deutlich ab. Danach räumte ich zügig meine Sachen zusammen und fuhr weiter. 

Bei mir (Rebecca) sieht das Ergebnis von drei Jahren Reiseerfahrung ähnlich aus. Ein einziges Mal habe ich ein übergriffiges Verhalten von einem Mann erlebt. In Frankreich am Strand hat mich ein Typ angesprochen, der weder Englisch noch Deutsch konnte und ich kein Französisch. Darum war das Gespräch bald beendet.

Ihm war wohl trotzdem klar, dass ich im Auto lebe und arbeite, weswegen er wohl nach der Dämmerung wieder kam. Er parkte neben meinem Auto und hatte eine Flasche Wein dabei.

Durch meine geschlossene Scheibe hat er mir zu verstehen gegeben, dass ich doch rauskommen soll. War bestimmt nett gemeint, ich habe aber wirklich schnell das Weite gesucht, weil ich das schon aufdringlich und gruselig fand. 

Ein anderes Mal wurde bei mir (Rebecca) ins parkende Auto eingebrochen – das hat aber ja nichts damit zu tun, dass ich als Frau alleine reise. 

Safety first!

Wie ist das eigentlich mit der Sicherheit? Wir hatten ja bereits darüber gesprochen, dass das Thema Sicherheit beim alleine Reisen als Frau einen besonderen Stellenwert einnimmt. Deswegen wollen wir jetzt auch intensiv auf das Thema eingehen, ein paar wichtige Basics besprechen und unsere Erfahrungen zum Thema Sicherheit mit euch teilen. 

Bevor ich (Laura) das erste Mal alleine losgezogen bin, habe ich mir einige “Wenn- Dann” Punkte aufgestellt. Diese waren unter anderem: 

  • Wenn ich an einem Stellplatz ein ungutes Bauchgefühl habe, dann fahre ich weiter. 
  • Wenn ich Heimweh habe, dann rufe ich eine Freundin an und quatsche mit ihr. 
  • Wenn ich mich unwohl fühle, dann drehe ich um und fahre wieder in meine sichere Umgebung.

Das richtige Dachzelt

Auch bei der Wahl meines Zeltes hatte ich (Laura) meine ganz persönlichen Sicherheitsfragen im Kopf. So wollte ich unbedingt zu allen Seiten Fenster haben, um in alle Richtungen blicken zu können. Somit fiel eine Dreieckshartschale für mich bereits aus dem Raster. Eine Übersicht der verschiedenen Dachzelttypen findest du übrigens hier.

Zudem war es mir wichtig das Zelt schnell abbauen zu können, falls ich mich unwohl fühle und weiterfahren möchte. Daher kamen sowohl ein Klappdachzelt als auch eine Hybridvariante für mich nicht in Frage. Ein blickdichter Zeltstoff war mir ebenfalls wichtig, so lässt sich von außen nicht absehen wie viele Personen sich im Zelt aufhalten. +

Wie Lauras Dachzelt Setup aussieht, kannst du dir hier angucken:

Soll ich die Leiter über Nacht stehen lassen oder mit ins Zelt nehmen? Ich persönlich lasse die Leiter über Nacht draußen am Zelt stehen. Bisher hatte ich dadurch noch keine unschöne Begegnungen. Die meisten Leute verstehen, dass dort mein privater Bereich beginnt, in denen sie nicht unbedingt Einblick bekommen.

Bei der Fahrzeughöhe meines Autos von etwas mehr als 2 Metern fühle ich mich zudem sicherer, da ich auf das Geschehen um mich herum von oben blicken kann und die Passanten nicht auf Augenhöhe an meinem Zelt vorbeilaufen.  

Mir (Rebecca) war es bei der Dachzeltauswahl wichtig, rechts und links einen Einstieg zu haben. Falls doch mal jemand von der einen Seite reinkommen mag, kann ich noch immer auf der anderen Seite abhauen. Wenn es im Dachzelt nur einen Eingang gibt und die andere Seite mit einer Hartschale verschlossen ist (z.B. beim Hybriddachzelt), besteht diese Möglichkeit nicht.

Außerdem war es mir ebenfalls wichtig, dass ich keine Leiter am Boden stehen haben muss. Bei einem Klappdachdachzelt kannst du die Leiter nicht mit ins Dachzelt nehmen. Bei einem Hartschalendachzelt geht das und du rollst dem Einbrecher nicht auch noch den roten Teppich aus. 

Unter dem Radar

Um zu verhindern, dass Außenstehende über dein Fahrzeug Rückschlüsse ziehen können wer damit unterwegs ist, ist es wichtig entsprechende Aufkleber vom Auto zu entfernen.

Aufkleber wie beispielsweise „Tussi on Tour“ oder  „Mädel allein unterwegs“ sind in diesem Zusammenhang eher kontraproduktiv. Auch beim Anbringen deines Instagramlabels ist Vorsicht geboten, denn darüber kann jeder Außenstehende mit nur wenigen Klicks ziemlich viele persönliche Informationen von dir abrufen: Nicht nur Informationen über dich und dein Fahrzeug, sondern auch ob du Wertsachen wie zum Beispiel Laptop, Kamera oder eine Drohne dabei hast.

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, den rosafarben Plüschlenkradbezug würde ich (Laura) bei einer Solotour als Frau auch zu Hause lassen. Bedenke also bei jeder Verzierung deines Fahrzeuges, was du damit an Fremde aussendest. 

Das sagt Dachzeltnomadin Jasmin Lorenz über das alleine reisen als Frau:

14 Monate, 28 Länder, 55.000 km, 6 neue Reifen, ein Querlenkerbruch, eine erneuerte Solarbatterie, heiß gewordene Handbremsen, einige diverse ausgetauschte Sicherungen und Relais, einen Platten, zweimal im Sand festgefahren, einige unmoralische Angebote, nach zwei Einbruchsversuchen…Würde ich es AUF JEDEN FALL EMPFEHLEN! LOS MÄDELS, TRAUT EUCH!

Denn es gibt einem so viel zurück, auch mal allein mit sich unterwegs zu sein… Herausforderungen zu meistern, in Stresssituationen auf die helfenden Hände zu warten… DENN – DIE WERDEN KOMMEN! Festzustellen, dass man bzw. Frau es definitiv auch gern mal allein ausprobieren oder schaffen kann.

Glaubt mir, euch werden die unglaublich, wunderbaren Momente unvergesslich sein. Neue Menschen und Kulturen, neue Geschichten und Erinnerungen. Und wie in meinem Fall, vielleicht auch mal ein neuer Begleiter (ein Hund).

Es warten Abenteuer auf Euch! Egal ob in Deutschland oder auf der arabischen Halbinsel: Ihr müsst nur den Schlüssel umdrehen und auf Euch vertrauen! 

Jasmin rät allen Alleinreisenden Frauen: Los Mädels, traut euch! | Bild: Jasmin Lorenz

Das sollte unbedingt mit

Was hingegen nützlich sein kann, ist eine Männerjacke oder einen Männerpullover auf dem Beifahrersitz zu platzieren. So wird der Anschein erweckt, als wärst du mit einem Mann unterwegs. Da geht es primär nicht einmal darum, dass ein Mann dabei ist, sondern einfach nur um eine zweite Person.

Außerdem kannst du einen Wassernapf für einen Hund aufstellen, obwohl du gar keinen Hund dabei hast. Oder du bringst Aufkleber eines großen Hundes an dein Auto an, um die Platzierung des Wassernapfes nochmals zu unterstreichen. Beides kann von außen betrachtet „abschreckend“ wirken. Genauso funktioniert auch eine Hundeleine an deiner Leiter oder irgendwo am Dachzelt. Am Besten sollte beides benutzt aussehen. 

Der Notschlafplatz

Mir (Laura) war es persönlich wichtig, noch einen Notschlafplatz im Auto zu haben, falls ich mich irgendwo unwohl fühle und das Dachzelt nicht aufbauen möchte.

Dazu habe ich in meinem Fahrzeug eine ausziehbare Liegefläche eingebaut. Tagsüber kann ich diese zum „Sofa“ umbauen und dort sitzen, ein Buch lesen oder kochen. Zur Nacht kann die Liegefläche dann noch verbreitert werden, sodass ich dort die ein oder andere Nacht schlafen kann.

Die Gesamtlänge meines Notschlafplatzes beträgt zwar nur 1,50 m doch obwohl ich etwa 1,65 m groß bin kann ich dort bequem liegen. Dieser Notschlafplatz bietet mir auch die Möglichkeit ungesehen mitten in der City zu übernachten, so habe ich zum Beispiel eine Nacht in Berlin Mitte verbracht, als ich partout keinen anderen Platz zum Dachzelten fand.

Außerdem habe ich die Scheiben im hinteren Teil des Fahrzeuges mit 90%iger Folie getönt, so kann niemand von außen in mein Auto blicken. Das ist auch Gold wert!

Allzeit bereit

Für mich (Laura) ist wichtig fahrtüchtig zu bleiben, wenn ich alleine unterwegs bin. Ich verzichte lieber auf das wohlverdiente Feierabendbier, habe dadurch aber die Möglichkeit, im worst case nachts jederzeit den Schlafplatz verlassen zu können.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist es auch, das eigene Fahrzeug sowie das Dachzelt sehr gut zu kennen. Zur Not kann ich mein komplettes Setup im Stockdunklen abbauen, falls ich mich zu unwohl fühle, um eine Taschenlampe zu benutzen. 

Genauso wichtig ist es auch sich abfahrbereit beim Wildcampen zu halten. Es kann durchaus sinnvoll sein, dass man immer in der Richtung parkt, in der man im Notfall auch abhauen kann. Auch aus diesem Grund hat ein Hartschalendachzelt für mich (Rebecca) mehr Sinn gemacht als ein Klappdachzelt oder Hybriddachzelt. Mit dem Hartschalendachzelt kann man im Notfall auch im geöffneten Zustand fahren, bei den anderen Dachzelt Typen klappt das eher weniger bis gar nicht. 

So ist Rebecca unterwegs:

Die Tarnung

Viele alleinreisende Frauen legen sich für den Alltag eine gewisse Tarnung zu. Das kann der Hundenapf vor dem Dachzelt sein, obwohl man keinen Hund hat, oder der Ehering am Finger, obwohl man nicht verheiratet ist. 

Schlau ist auch durchaus nicht jedem auf die Nase zu binden, dass man alleine unterwegs ist. Ganz im Gegenteil ist es manchmal sogar schlauer von dem Partner zu erzählen, der gerade angeln oder einkaufen ist – safety first eben!

Notwehr

Wie würdest du reagieren, falls wirklich einmal eine Notsituation eintreten sollte? Im Idealfall bist du auf die Situation zumindest vorbereitet und hast schon einen Notfallplan im Kopf. Wenn du nämlich das Ganze schon einmal gedanklich durchgespielt hast, dann bist du nicht ganz so überrascht und die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass du besonnen reagieren kannst. 

In erster Linie können wir dir grundlegende Kenntnisse in der Selbstverteidigung wärmstens empfehlen. Das hilft dir nicht nur, wenn du wirklich einmal angegriffen wirst, sondern auch für dein eigenes Sicherheitsgefühl. Sobald du nämlich weißt, wie du dich im Ernstfall verteidigen kannst, fühlst du dich automatisch sicherer. 

Hilfreich sind im worst case außerdem viele verschiedene Hilfsmittel zur Abwehr von Angriffen, angefangen von der Trillerpfeife, mit der man einfach Lärm machen kann, bis hin zu Pfefferspray oder ähnlichen Waffen zur Angriffsabwehr.

Was davon in Deutschland erlaubt ist und vor allem auch in dem Reiseland, in das du unterwegs bist, solltest du vorher stets checken. Pfefferspray beispielsweise darf in Deutschland von jedem erworben und zur Notwehr auch gegen Menschen genutzt werden, obwohl auf dem Spray eindeutig steht, dass es nur gegen Tierabwehr eingesetzt werden darf. In Dänemark und Norwegen ist Pfefferspray hingegen gar nicht erlaubt. 

Das sagt Dachzeltnomadin Alexandra Haas über das alleine Reisen als Frau:

Auch ich bin alleine, mit meinem Auto und Dachzelt, autark unterwegs. Bisher durfte ich ausschließlich positive Erfahrungen sammeln. Ich fahre Campingplätze an, oder stehe auch mal frei, sofern es sich für mich gut anfühlt. Diese Form des Reisens kommt meinem Gefühl von “frei sein” am nächsten. Alleine deshalb, weil ich dann völlig unkompliziert das “wohin, wann und wie” nach meinen Bedürfnissen und nach meinem Tempo festlegen kann.

Ich reise gern von Ort zur Ort und halte mich meist nur eine Nacht an einem Platz auf. Oft ist am Morgen noch unklar, wo ich am Abend lande. Ich fürchte mich nicht.. Ich vertraue! Und ja.. Ich bin alleine. Doch niemals fühle ich mich einsam. 

Alleine verreisen heißt, ich nehme alles sehr intensiv, fokussiert und ungestört wahr. Ich kann Zeit und Raum vergessen, ohne dass jemand “Anstoß” daran nehmen könnte. Meine Familie bestand darauf, dass ich für die Nächte ein Pfefferspray mit hoch ins Zelt nehme.. damit fühlen sie sich wohler… Leider bin ich noch nie so wirklich auf andere DZ Nomaden gestoßen. So ein Austausch unter Frauen wäre bestimmt mal cool!

Das alleine reisen als Frau kann so wunderbar sein. | Bilder: Alexandra Haas

Standort teilen

Wenn die ganze Welt wissen kann, wo genau du dich gerade aufhältst, dann ist es da vermutlich nicht mehr ganz so sicher, oder?

Wie verhält sich das aber mit Social Media Posts? Gerade beim alleine Reisen solltest du dreimal überlegen, ob du deinen Standort mit allen deinen Followern teilst. Sinnvoll ist auf jeden Fall Stories, Posts und auch Kommentare zumindest um 24 Stunden zu verschieben.

Denn wo du gestern dein Nachtlager aufgeschlagen hast, ist dem potentiellen Einbrecher am Ende wirklich egal. 

Der richtige Stellplatz: Campingplatz vs. Frei stehen

Eine wirklich wichtige Frage beim alleine Reisen ist der richtige Stellplatz für dein Nachtlager. Egal für welchen Stellplatz du dich dabei entscheidet, die oberste Regel dabei ist immer, dass du dich wohl fühlen solltest.

Zuerst einmal ist die Frage aller Fragen, ob du lieber auf einem Campingplatz übernachtest, oder frei stehen magst. Viele frischgebackene Alleinreisende entscheiden sich erst einmal für den Campingplatz, weil sie dich dort sicherer fühlen.

Doch ist es wirklich sicherer? Oder ist das frei stehen auf einem Waldparkplatz am Ende die sicherste Variante? So oder so ist es wichtig ein paar Grundregeln zu beachten und immer auf das eigene Bauchgefühl zu vertrauen!

Campingplätze eignen sich super für den Start in das alleine Reisen mit Dachzelt. Für viele Dachzeltnomaden ist das Dachzelten auf einem Campingplatz ideal. Vor Ort gibt es Duschen, WC’s und vor allem: viele andere Menschen. Da muss es doch sicher sein. 

Doch wie schaut es eigentlich auf dem typischen Stellplatz beim frei stehen aus? Ist es da auch sicher, oder eher gefährlich? Ich (Rebecca) denke, dass es durchaus sicher ist, wenn man einige Grundregeln beachtet. Diese sind vor allem: 

  • jeden Tag den Stellplatz wechseln und 
  • tagsüber nicht da aufhalten, wo du nachts auch stehen magst
  • Setup erst kurz vorm schlafen gehen aufbauen
Manchmal kann man sich trotz dem alleine reisen als Frau auch über netten Besuch von anderen Dachzeltnomaden freuen. | Bild: Katja Seidel

Wenn du diese Grundregeln beachtest, dann müsste dich ja erst einmal jemand aktiv verfolgen, um dich zu überfallen oder ähnliches. Wenn du aber erst abends deinen ausgewählten Stellplatz anfährst, dann ist die Wahrscheinlichkeit schon sehr gering, dass du dort als Dachzelter auffällst.

Die größte Gefahr, die ich (Rebecca) beim wild stehen sehe ist, dass du von einem Grundstücksbesitzer oder von Ordnungshütern (nachts) weg geschickt wirst, weil das campieren dort nicht erlaubt ist. Eine Nacht im oder auf dem Auto zu übernachten ist zwar grundsätzlich erlaubt, trotzdem würde ich persönlich nicht diskutieren, wenn jemand dich auffordert einen Platz zu verlassen.

Fazit alleine reisen als Frau

Die Frage war: Alleine reisen als Frau – macht das Sinn? Ist das gefährlich? Kann man das einfach so machen? Worauf sollte man achten? Wir hoffen, dass wir diese Fragen für dich beantworten konnten. 

Für mich (Rebecca) ist das Alleinreisen als Frau überhaupt kein Problem, solange ich mich an die Grundregeln bei der Stellplatzwahl halte. Gepaart mit einem gesunden Bauchgefühl habe ich jetzt in drei Jahren stets einen guten Schlaf und angenehme Tage gehabt. Ich kann jedem – egal ob Frau oder Mann – wärmstens empfehlen, einfach loszuziehen, wenn das Fernweh ruft. Mit ein bisschen Vorsicht und gesundem Menschenverstand ist das auch als alleinreisende Frau super möglich. 

Ich (Laura) kann mich dem nur anschließen, mir ist es wichtig stets zu wissen wo ich mich aufhalten und wie ich meinen Schlafplatz zur Not verlassen könnte. Dazu zählt unter anderem mein Fahrzeug in Fluchtrichtung zu parken und den Fahrersitz freigeräumt zu lassen. Außerdem wähle ich weise, wem ich erzähle, dass ich Vollzeit im Auto unterwegs bin. Gute Freunde und Bekannte wissen zwar Bescheid, doch brauche ich diese Information nicht jedem vorbeilaufendem Spaziergänger “auf die Nase binden”.

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About Rebecca Roß

Rebecca ist Dachzeltnomadin der ersten Stunde. Sie organisiert gemeinsam mit Thilo das DACHZELT FESTIVAL und ist ebenso Ansprechpartner für alles bei den Dachzeltnomaden. Rebecca ist im September 2017 in ihr Dachzelt auf ihrem Suzuki Vitara gezogen. Sie liebt die Berge und den Schnee. Diese große Reise war alles andere als geplant, es ist einfach so passiert und fühlt sich seitdem gut an.
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Eine Antwort auf „Mit Dachzelt alleine reisen als Frau“

  1. Was für eine fantastische Geschichte, meine Damen, eine wirklich klare und inspirierende Geschichte mit eigenen Erfahrungen.
    Ich denke, dass dies eine große Hilfe für viele Alleinreisende ist.
    Ich werde meine Kunden, die mit diesen Fragen zu kämpfen haben, Ihren Artikel lesen lassen. OBEN.

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