Winter-Camping im Dachzelt

Lust auf Winter-Camping? Die meisten Dachzeltnomaden verbinden mit dem Dachzelten vermutlich nicht Winter-Camping sondern eher Reisen in wärmere Gefilde – Länder wie Italien, Albanien, Griechenland oder Marokko sind bei Dachzeltabenteurern beliebt.  Nicht ohne Grund sind die meisten Dachzelte auf der Welt wohl eher in Regionen wärmerer Klimate vorzufinden, wie in Australien oder Südafrika. In den letzten Jahren zeigt der Trend, dass auch in Europa immer mehr Dachzeltnomaden unterwegs sind. Hoch im Kurs stehen dabei die nördlichen Länder Skandinaviens, Schweden und Norwegen. Bis in die entlegensten Ecken sind sie unterwegs. Dachzelten ist als individuelle Reiseart auf dem Vormarsch. Doch warum eigentlich nur im Sommer? Ist es nicht möglich, das geliebte Dachzelt auch im Winter auszuführen? Was brauchst du für Winter-Camping im Dachzelt? Auf welche Besonderheiten musst du dich einstellen? Was kann schlimmstenfalls passieren? Und überhaupt: Wie bereitest du dich darauf am besten vor? Hier findest du nützliches Dachzelt Winter Equipment: Warum überhaupt Winter-Camping? Ich liebe den Schnee und die Wintermonate. Jedes mal, wenn die Schneeflocken herabrieseln, freue ich mich wie ein Kind. Dick müssen sie sein und je mehr desto besser! Hinzu kommt, dass ich seit September 2017 mit meinem Suzuki samt Dachzelt  24/7 auf Reisen bin. Damit lag die Notwendigkeit nahe, vor allem für die kalte Jahreszeit auf viele Fragen eine Antwort zu finden, um angenehm durch den Winter zu kommen. Im Sommer kann man recht unbedarft das Dachzelt aufs Auto schnallen und “loscruisen”. Wirklich viel Vorbereitung braucht man dafür nicht – das macht ja mitunter auch den Reiz beim Dachzelten aus. Im Winter hingegen kann man nicht einfach mal so losziehen, da braucht es schon mehr an Reiseplanung, Vorbereitungen und Equipment. In den letzten Monaten habe ich viel Erfahrungen mit Winter-Camping sammeln dürfen, die ich hier mit dir teilen möchte. Mindestens genauso viele wertvolle Tipps kommen aus unserer Dachzeltnomaden-Gruppe bei Facebook. Wenn du diesen Artikel gelesen hast, solltest du gut vorbereitet sein für dein eigenes Dachzeltabenteuer bei Minusgraden. Du bekommst viele nützliche Tipps und Tricks rund um das Winter-Camping im Dachzelt. Wir sehn uns dann irgendwo im Schnee! 5 Gründe für Winter-Camping im Dachzelt Winter-Camping unterscheidet sich grundlegend vom Sommer-Camping – da dürften wir uns alle einig sein. Deshalb hat es allerdings nicht weniger Reiz. Von den sicher unzähligen und auch sehr individuellen Gründen für Winter-Camping habe ich meine fünf Favoriten für dich zusammengefasst, in der Hoffnung, dass sie dich zum Winter-Camping motivieren oder dazu anregen, zumindest darüber nachzudenken 🙂 1. PAUSENLOS DACHZELTENDer wichtigste und offensichtlichste Grund für Winter-Camping im Dachzelt: Wenn du nicht nur im Sommer und bei schönem Wetter mit dem Dachzelt losziehst, kannst du  das ganze Jahr über dachzelten  – immer wann und (fast) auch überall wo du willst! Ist das nicht grandios? 2. BESSER AN- ALS AUSZIEHENIch persönlich bin ja eher der Wintertyp und habe ein prima Argument als Befürworter der kalten Jahreszeit: mehr anziehen kann man immer – weniger irgendwann nicht mehr. Man kann sich im Winter also super auf das kalte Klima vorbereiten während man im Sommer bei 40 Grad im Schatten mit oder ohne Vorbereitung dahin schmelzen wird. 3. DIE NATUR (NEU) SPÜRENIm Winter längere Zeit draußen unterwegs zu sein, lässt dich die Natur von einer neuen Seite erleben. Alles um dich rum ist ruhiger, friedlicher und einfach anders als im Sommer.  Aber auch kalt, nass und feucht – du spürst die Natur also in allen Facetten. 4. SCHNEE MACHT HAPPYDurch die reflektierenden Eigenschaften von Schnee ist die Umgebung heller und freundlicher als sonst. Licht macht glücklich. Die Reflexion von Sonne, Sternen und dem Mond auf schneebedeckter Landschaft – priceless. 5. IM WINTER IST KEIN TROUBLEIm Winter ist weniger los als im Sommer. Deshalb hat man beim Winter-Camping vielerorts eine angenehme Ruhe und weniger Trouble. Keine überfüllten Campingplätze, Seen, Kassenschlangen, Restaurants usw. – eine Liste, die ich endlos fortführen könnte. Kälte ist nicht gleich Kälte Verschiedene Faktoren spielen für unser Kälteempfinden eine Rolle:  Temperatur, Wind, Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung/ – intensität. Vom Wetterdienst kennt man zusätzlich zu den gemessenen Temperaturen den Begriff der “gefühlten Temperatur”. Diese wird mithilfe des Klima-Michel-Modells berechnet. Die oben genannten Einflussfaktoren werden dabei miteinander in Verhältnis gesetzt und heraus kommt, wie der durchschnittliche Mann “Michel”  das besagte Wetter empfinden würde. Über solch standardisierte Dummies in männlicher sowie weiblicher Form und deren Empfinden werden im Übrigen auch die Temperaturangaben eurer Schlafsäcke bestimmt. Der Körper gibt seine Wärmeenergie an die feuchte Luft ab, diese verdunstet durch die Energiezufuhr, während die Energieabnahme auf der Haut als Kühlung empfunden wird. Diesen  Effekt macht sich der Körper auch beim Schwitzen zu Nutze, wenn der Schweiß die Haut beim Verdunsten kühlt. Je mehr Feuchtigkeit in der Luft und auf der Haut ist, desto schneller kühlt der Körper also aus. Gleiches gilt für Wind. Die Wärme auf der Haut wird von Luftbewegungen abtransportiert. Was im Sommer als sehr angenehm empfunden wird, erzeugt im Winter ein gegenteiliges Gefühl. Tiefe Minusgrade bei trockener und windstiller Luft sind also wesentlich besser zu ertragen als vergleichbar höhere Temperaturen mit feuchter und windiger Luft.   Die besten Regionen zum Winter-Camping im Dachzelt Nur wo findest du nun diese klimatisch idealen Bedingungen? Im Prinzip überall dort, wo Kontinentalklima herrscht. Das heißt, eher rein ins Inland – weg von den Küsten. An den Küsten ist es zwar meist wärmer, dafür fühlt sich die  feuchte und windige Luft umso kälter an. Prädestiniert sind also Länder wie Schweden, Finnland und der Osten von Norwegen, aber auch die Ukraine und Russland sind von den klimatischen Bedingungen her ideal für ein knackiges Winter-Camping. Für ein etwas moderateres Winter-Camping Erlebnis ist man mit den Alpen aber auch schon gut bedient. Natürlich musst du auch im Winter nicht zwingend in Schnee und Eis fahren. Auch im Süden lässt es sich durchaus aushalten. Ob Südfrankreich, Griechenland oder Spanien – da kann man der Kreativität freien Lauf lassen. Pass auf dich auf! Denn die oberste Regel beim Winter-Camping ist wohl: nicht (er) frieren! Irgendwann wird es nämlich auch durchaus gefährlich. Ich möchte niemanden ermutigen ohne viel Erfahrung bei -30°C  mit Familie und Dachzelt loszuziehen. Natürlich kann man im Januar ans Nordkap fahren. Es gibt tatsächlich auch Dachzeltnomaden, die das machen. Dann aber doch eher mal ohne das geliebte Dachzelt und mit Schlafplatz im beheizten Auto.  Winter-Camping ist in der Regel tagsüber um den Nullpunkt angenehm, nachts kann es ohne größere Probleme auch bis -10°C gehen. Der Grenzbereich ist da allerdings bei jedem Dachzeltnomaden unterschiedlich und sollte peu á peu erforscht werden.  Grundsätzlich solltest du darauf achten, wie weit dein Wohlfühlbereich geht. Erkältet macht selbst das schönste Winter-Camping keinen Spaß mehr. Besondere Herausforderungen beim Winter-Camping Kühle Temperaturen beim Winter-Camping erwartet vermutlich jeder. Doch was ist im Vergleich zum Schönwettercamping noch so alles anders und deshalb besonders zu beachten? Kälte fordert Energie Tatsächlich fordert Kälte mehr Energie. Und das nicht nur von deinem eigenen Körper, nein auch Elektronik und Mechanik deines Fahrzeuges werden beeinträchtigt und beansprucht. Dein Körper muss die eigene Körpertemperatur aufrecht erhalten. Je kälter also die Differenz zwischen der Körpertemperatur und der Außentemperatur ist, desto mehr Energie muss dafür aufgewendet werden. Beim Auto macht die Kälte vor allem der Autobatterie zu schaffen. Bei -10°C stellt die Batterie nur noch 65%, bei -18°C sogar nur noch die Hälfte der ursprünglichen Energie bereit. Bei Kälte werden alle Flüssigkeiten dickflüssiger, sie transportieren dadurch schlechter und gleichzeitig erhöhen sich die Reibungswiderstände bei allen mechanischen Abläufen. Wo stell ich mich nur hin? Die Stellplatzsuche ist im Winter nicht immer so easy. Viele Campingplätze sind in der kalten Jahreszeit geschlossen und auch andere freie Stellplätze sind bei großen Schneemassen manchmal gar nicht erst erreichbar. Für alle Campingplatz-Liebhaber ein paar Möglichkeiten zum Winter-Camping: ADAC-Campingführer Wintercampingplätze weltweit Stellplätze an Skipisten Tipps für alle Wildcamper: must have: die richtige Bereifung und Schneeketten an Bord nice to have: Allrad und Sandbleche an Bord bereits bei der Recherche nach guten Stellplätzen auf Google maps & co solltest du die Schneesituation beachten. Gerade in den Bergen kommt man abseits der Hauptstraße meist nicht weit. Parkplätze von Freibädern und Seen sind im Winter meist ungenutzt. Waldparkplätze und Wanderparkplätze sind häufig geräumt. Am besten findest du diese online, indem du einfach nach “Parkplatz” suchst oder offline an Wanderkarten bei der Touristeninformation. je kälter es ist, desto öfter wird auch auf Privatgrundstücken ein Auge beim Camping zugedrückt: einfach fragen hilft! Routenplanung Natürlich führen die schwierigen Straßen oft auch an die abgelegensten und romantischsten Orte, aber…. … vor allem in höheren Regionen sollte man im Vorfeld beachten, welche Pässe befahrbar sind. Beispielsweise sind einige Pässe in den Alpen (leider meist die schönsten) im Winter nicht befahrbar. Schau bei der Routenplanung lieber vorher nach! Generell sind in den kalten Regionen die Straßen häufig schwieriger und langsamer befahrbar. Bei einer Routenberechnung sollte man demnach einiges mehr an zeitlichem Puffer einplanen – manchmal macht sogar das Doppelte Sinn! Außerdem ist es nicht schlecht das Fahrverhalten des eigenen Untersatzes bei Schnee und Eis zu kennen. Schätze also gesund ein, wie du und dein Fahrzeug die Straße im jeweiligen Zustand bewältigen können. Gefahren durch Wind und Wetter Mutter Natur hält noch andere Herausforderungen im Winter für dich bereit. Die Wetterlage solltest du im Winter deshalb stets im Auge behalten und nicht unterschätzen. Beim Aufenthalt in Schnee und Eis ist es auch ratsam auf Warnungen vor Lawinen- und Murenabgängen zu achten und die entsprechenden Informationen einzuholen. Gefahren können beispielsweise entstehen durch: Erfrierungen bei zu tiefen Temperaturen, sofern du dich nicht entsprechend darauf vorbereitet hast.  Parken unter Bäumen. Herabfallende Schneemassen können leicht zur Gefahr werden. Parken in der Nähe und unter Felswänden. Durch Frost können Felsteile abbrechen.  Völliges Einzuschneien über Nacht. Also lieber etwas abseits stellen, wenn möglich windgeschützt und so, dass du auch nach kräftigem Neuschnee von deinem Nachtlager wieder alleine wegkommst. Vorbereitung Dachzelt Das wichtigste Equipment beim Winter-Camping mit Dachzelt ist wohl das Dachzelt selbst. Spaß macht das Winter-Camping erst richtig, wenn für deine Tour alles entsprechend vorbereitet ist. Isolierung Ein sinnvolle Anschaffung für dein Dachzelt kann eine Thermohaube sein. Einige Dachzelthersteller bieten diese im Zubehör passend an. Durch die Haube bildet sich zwischen Dachzelt und Thermohaube eine zusätzliche Luftschicht, die das Dachzelt isoliert. Die isolierende Wirkung sorgt dafür, dass sich der Taupunkt – also der Punkt, an dem die abgegebene Feuchtigkeit deines Körpers und deines Equipments kondensiert – weiter nach außen verschiebt. Je nach Atmungsaktivität des eigentlichen Dachzeltes bildet sich das Kondenswasser also nicht mehr im Dachzelt selbst, sondern zwischen Dachzelt und Thermohaube. Häufig ist der Stoff der Thermohauben wenig atmungsaktiv und stark beschichtet. Du solltest also sicherstellen, dass trotzdem an mindestens zwei Stellen ein Luftaustausch zwischen dem Zeltinneren und der Außenwelt stattfinden kann, auch durch die Thermohaube hindurch. Wenn keine Luftzirkulation stattfindet, kann die im Schlaf ausgedünstete Feuchtigkeit nicht entweichen und es bildet sich schnell mehr Kondenswasser im Dachzelt als einem lieb sein kann. Viele Thermohauben haben deshalb kleine Fenster oder Fliegengittereinsätze.   Matratze aufstocken Obwohl die Bodenplatte von Haus aus je nach Aufbau leicht isolierende Eigenschaften hat, hält sie keine tiefen Temperaturen ab. Es ist also sinnvoll, die Kälte von unten durch ein Aufstocken der Matratze zu vertreiben. Eine Mesh-Unterlage ermöglicht eine Luftzirkulation unter der Matratze ohne manuelles Zutun.  Die Unterlage reduziert zu jeder Jahreszeit das Schwitzwasser unter der Matratze. ein Zentimeter sollte ausreichen. Außerdem kann man eine zusätzliche dünne Isolationslage unter die Matratze legen. Dies kann entweder eine handelsübliche Isomatte, eine komfortable Therm-a-Rest Matte  oder einfach dünnes Styropor sein. Mit den beiden Lagen kannst du unter der Matratze noch  aufstocken. Wichtig ist, dass du es nicht übertreibst, denn dein Dachzelt sollte sich noch einfach schließen lassen. Um zusätzlichen Isolation und Wärme von unten zu schaffen, kann man auch auf der Matratze noch nachhelfen: Schaffelle, Rentierfelle oder eine Merino-Decke als Unterlage sind nicht nur kuschelig sondern auch schön warm. Zusätzliche Wärme erzeugen Geheimtipp ist und bleibt die gute alte Wärmflasche. Mit in den Schlafsack oder unter die Decke und sie spendet dir die ganze Nacht mollige Wärme. Wenn du noch mehr Wärme von der Liegefläche haben möchtest, kannst du dir auch eine Heizdecke auf die Matratze legen. Es gibt Heizdecken, die mit 12 V über den Zigarettenanzünder betrieben werden. Achte darauf, dass Heizdecken ca. 40 Watt verbrauchen. Bei 12 V sind das 3,3 A. Wenn du die Heizdecke 8 Stunden in der Nacht betreibst, muss deine Batterie mindestens 3,3 A x 8h = 26,7 Ah bereit halten. Es empfiehlt sich … Winter-Camping im Dachzelt weiterlesen