Winter-Camping im Dachzelt

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Wie geht das?

Die meisten Dachzeltnomaden verbinden mit dem Dachzelten vermutlich nicht Winter-Camping sondern eher Reisen in wärmere Gefilde – Länder wie Italien, Albanien, Griechenland oder Marokko sind bei Dachzeltabenteurern beliebt.  Nicht ohne Grund sind die meisten Dachzelte auf der Welt wohl eher in Regionen wärmerer Klimate vorzufinden, wie in Australien oder Südafrika.

In den letzten Jahren zeigt der Trend, dass auch in Europa immer mehr Dachzeltnomaden unterwegs sind. Hoch im Kurs stehen dabei die nördlichen Länder Skandinaviens, Schweden und Norwegen. Bis in die entlegensten Ecken sind sie unterwegs. Dachzelten ist als individuelle Reiseart auf dem Vormarsch.

Doch warum eigentlich nur im Sommer? Ist es nicht möglich, das geliebte Dachzelt auch im Winter auszuführen? Was brauchst du für Winter-Camping im Dachzelt? Auf welche Besonderheiten musst du dich einstellen? Was kann schlimmstenfalls passieren? Und überhaupt: Wie bereitest du dich darauf am besten vor?

Warum überhaupt Winter-Camping?

Ich liebe den Schnee und die Wintermonate. Jedes mal, wenn die Schneeflocken herabrieseln, freue ich mich wie ein Kind. Dick müssen sie sein und je mehr desto besser!

Hinzu kommt, dass ich seit September 2017 mit meinem Suzuki samt Dachzelt  24/7 auf Reisen bin. Damit lag die Notwendigkeit nahe, vor allem für die kalte Jahreszeit auf viele Fragen eine Antwort zu finden, um angenehm durch den Winter zu kommen.

Im Sommer kann man recht unbedarft das Dachzelt aufs Auto schnallen und „loscruisen“. Wirklich viel Vorbereitung braucht man dafür nicht – das macht ja mitunter auch den Reiz beim Dachzelten aus. Im Winter hingegen kann man nicht einfach mal so losziehen, da braucht es schon mehr an Reiseplanung, Vorbereitungen und Equipment.

In den letzten Monaten habe ich viel Erfahrungen mit Winter-Camping sammeln dürfen, die ich hier mit dir teilen möchte. Mindestens genauso viele wertvolle Tipps kommen aus unserer Dachzeltnomaden-Gruppe bei Facebook.

Wenn du diesen Artikel gelesen hast, solltest du gut vorbereitet sein für dein eigenes Dachzeltabenteuer bei Minusgraden. Du bekommst viele nützliche Tipps und Tricks rund um das Winter-Camping im Dachzelt.

Wir sehn uns dann irgendwo im Schnee!

Winter-Camping in Reutlingen | Bild: Rebecca Roß

5 Gründe für Winter-Camping im Dachzelt

Winter-Camping unterscheidet sich grundlegend vom Sommer-Camping – da dürften wir uns alle einig sein.

Deshalb hat es allerdings nicht weniger Reiz. Von den sicher unzähligen und auch sehr individuellen Gründen für Winter-Camping habe ich meine fünf Favoriten für dich zusammengefasst, in der Hoffnung, dass sie dich zum Winter-Camping motivieren oder dazu anregen, zumindest darüber nachzudenken 🙂

1. PAUSENLOS DACHZELTEN
Der wichtigste und offensichtlichste Grund für Winter-Camping im Dachzelt: Wenn du nicht nur im Sommer und bei schönem Wetter mit dem Dachzelt losziehst, kannst du  das ganze Jahr über dachzelten  – immer wann und (fast) auch überall wo du willst! Ist das nicht grandios?

2. BESSER AN- ALS AUSZIEHEN
Ich persönlich bin ja eher der Wintertyp und habe ein prima Argument als Befürworter der kalten Jahreszeit: mehr anziehen kann man immer – weniger irgendwann nicht mehr. Man kann sich im Winter also super auf das kalte Klima vorbereiten während man im Sommer bei 40 Grad im Schatten mit oder ohne Vorbereitung dahinschmelzen wird.

3. DIE NATUR (NEU) SPÜREN
Im Winter längere Zeit draussen unterwegs zu sein, lässt dich die Natur von einer neuen Seite erleben. Alles um dich rum ist ruhiger, friedlicher und einfach anders als im Sommer.  Aber auch kalt, nass und feucht – du spürst die Natur also in allen Facetten.

4. SCHNEE MACHT HAPPY
Durch die reflektierenden Eigenschaften von Schnee ist die Umgebung heller und freundlicher als sonst. Licht macht glücklich. Die Reflexion von Sonne, Sternen und dem Mond auf schneebedeckter Landschaft – priceless.

5. IM WINTER IST KEIN TROUBLE
Im Winter ist weniger los als im Sommer. Deshalb hat man beim Winter-Camping vielerorts eine angenehme Ruhe und weniger Trouble. Keine überfüllten Campingplätze, Seen, Kassenschlangen, Restaurants usw. – eine Liste, die ich endlos fortführen könnte.

Idyllisches Winterwunderland | Bild: Thilo Vogel

Kälte ist nicht gleich Kälte

Verschiedene Faktoren spielen für unser Kälteempfinden eine Rolle:  Temperatur, Wind, Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung/ – intensität.

Vom Wetterdienst kennt man zusätzlich zu den gemessenen Temperaturen den Begriff der „gefühlten Temperatur“. Diese wird mithilfe des Klima-Michel-Modells berechnet. Die oben genannten Einflussfaktoren werden dabei miteinander in Verhältnis gesetzt und heraus kommt, wie der durchschnittliche Mann „Michel“  das besagte Wetter empfinden würde. Über solch standardisierte Dummies in männlicher sowie weiblicher Form und deren Empfinden werden im Übrigen auch die Temperaturangaben eurer Schlafsäcke bestimmt.

Der Körper gibt seine Wärmeenergie an die feuchte Luft ab, diese verdunstet durch die Energiezufuhr, während die Energieabnahme auf der Haut als Kühlung empfunden wird. Diesen  Effekt macht sich der Körper auch beim Schwitzen zu Nutze, wenn der Schweiß die Haut beim Verdunsten kühlt. Je mehr Feuchtigkeit in der Luft und auf der Haut ist, desto schneller kühlt der Körper also aus.

Gleiches gilt für Wind. Die Wärme auf der Haut wird von Luftbewegungen abtransportiert. Was im Sommer als sehr angenehm empfunden wird, erzeugt im Winter ein gegenteiliges Gefühl.

Tiefe Minusgrade bei trockener und windstiller Luft sind also wesentlich besser zu ertragen als vergleichbar höhere Temperaturen mit feuchter und windiger Luft.

Die besten Regionen zum Winter-Camping im Dachzelt

Nur wo findest du nun diese klimatisch idealen Bedingungen? Im Prinzip überall dort, wo Kontinentalklima herrscht. Das heißt, eher rein ins Inland – weg von den Küsten. An den Küsten ist es zwar meist wärmer, dafür fühlt sich die  feuchte und windige Luft umso kälter an.

Prädestiniert sind also Länder wie Schweden, Finnland und der Osten von Norwegen, aber auch die Ukraine und Russland sind von den klimatischen Bedingungen her ideal für ein knackiges Winter-Camping. Für ein etwas moderateres Winter-Camping Erlebnis ist man mit den Alpen aber auch schon gut bedient.

Alpenblick am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen | Bild: Rebecca Roß

Natürlich musst du auch im Winter nicht zwingend in Schnee und Eis fahren. Auch im Süden lässt es sich durchaus aushalten. Ob Südfrankreich, Griechenland oder Spanien – da kann man der Kreativität freien Lauf lassen.

Pass auf dich auf!

Denn die oberste Regel beim Winter-Camping ist wohl: nicht (er) frieren! Irgendwann wird es nämlich auch durchaus gefährlich. Ich möchte niemanden ermutigen ohne viel Erfahrung bei -30°C  mit Familie und Dachzelt loszuziehen.

Natürlich kann man im Januar ans Nordkap fahren. Es gibt tatsächlich auch Dachzeltnomaden, die das machen. Dann aber doch eher mal ohne das geliebte Dachzelt und mit Schlafplatz im beheizten Auto. 

Winter-Camping ist in der Regel tagsüber um den Nullpunkt angenehm, nachts kann es ohne größere Probleme auch bis -10°C gehen. Der Grenzbereich ist da allerdings bei jedem Dachzeltnomaden unterschiedlich und sollte peu á peu erforscht werden. 

Grundsätzlich solltest du darauf achten, wie weit dein Wohlfühlbereich geht. Erkältet macht selbst das schönste Winter-Camping keinen Spaß mehr.

Besondere Herausforderungen beim Winter-Camping

Kühle Temperaturen beim Winter-Camping erwartet vermutlich jeder. Doch was ist im Vergleich zum Schönwettercamping noch so alles anders und deshalb besonders zu beachten?

Kälte fordert Energie

Tatsächlich fordert Kälte mehr Energie. Und das nicht nur von deinem eigenen Körper, nein auch Elektronik und Mechanik deines Fahrzeuges werden beeinträchtigt und beansprucht.

Dein Körper muss die eigene Körpertemperatur aufrecht erhalten. Je kälter also die Differenz zwischen der Körpertemperatur und der Außentemperatur ist, desto mehr Energie muss dafür aufgewendet werden.

Beim Auto macht die Kälte vor allem der Autobatterie zu schaffen. Bei -10°C stellt die Batterie nur noch 65%, bei -18°C sogar nur noch die Hälfte der ursprünglichen Energie bereit. Bei Kälte werden alle Flüssigkeiten dickflüssiger, sie transportieren dadurch schlechter und gleichzeitig erhöhen sich die Reibungswiderstände bei allen mechanischen Abläufen.

Wo stell ich mich nur hin?

Die Stellplatzsuche ist im Winter nicht immer so easy. Viele Campingplätze sind in der kalten Jahreszeit geschlossen und auch andere freie Stellplätze sind bei großen Schneemassen manchmal gar nicht erst erreichbar.

Für alle Campingplatz-Liebhaber ein paar Möglichkeiten zum Winter-Camping:

Tipps für alle Wildcamper:

  • must have: die richtige Bereifung und Schneeketten an Bord
  • nice to have: Allrad und Sandbleche an Bord
  • bereits bei der Recherche nach guten Stellplätzen auf Google maps & co solltest du die Schneesituation beachten. Gerade in den Bergen kommt man abseits der Hauptstraße meist nicht weit.
  • Parkplätze von Freibädern und Seen sind im Winter meist ungenutzt.
  • Waldparkplätze und Wanderparkplätze sind häufig geräumt. Am besten findest du diese online, indem du einfach nach „Parkplatz“ suchst oder offline an Wanderkarten bei der Touristeninformation.
  • je kälter es ist, desto öfter wird auch auf Privatgrundstücken ein Auge beim Camping zugedrückt: einfach fragen hilft!
Winter-Camping in Tirol | Bild: Rebecca Roß

Routenplanung

Natürlich führen die schwierigen Straßen oft auch an die abgelegensten und romantischsten Orte, aber….

… vor allem in höheren Regionen sollte man im Vorfeld beachten, welche Pässe befahrbar sind. Beispielsweise  sind einige Pässe in den Alpen (leider meist die schönsten) im Winter nicht befahrbar. Schau bei der Routenplanung lieber vorher nach!

Generell sind in den kalten Regionen die Straßen häufig schwieriger und langsamer befahrbar. Bei einer Routenberechnung sollte man demnach einiges mehr an zeitlichem Puffer einplanen – manchmal macht sogar das Doppelte Sinn!

Außerdem ist es nicht schlecht das Fahrverhalten des eigenen Untersatzes bei Schnee und Eis zu kennen. Schätze also gesund ein, wie du und dein Fahrzeug die Straße im jeweiligen Zustand bewältigen können.

Gefahren durch Wind und Wetter

Mutter Natur hält noch andere Herausforderungen im Winter für dich bereit. Die Wetterlage solltest du im Winter deshalb stets im Auge behalten und nicht unterschätzen. Beim Aufenthalt in Schnee und Eis ist es auch ratsam auf Warnungen vor Lawinen- und Murenabgängen zu achten und die entsprechenden Informationen einzuholen.

Gefahren können beispielsweise entstehen durch:

  •  Erfrierungen bei zu tiefen Temperaturen, sofern du dich nicht entsprechend darauf vorbereitet hast. 
  • Parken unter Bäumen. Herabfallende Schneemassen können leicht zur Gefahr werden.
  • Parken in der Nähe und unter Felswänden. Durch Frost können Felsteile abbrechen. 
  • Völliges Einzuschneien über Nacht.

Also lieber etwas abseits stellen, wenn möglich windgeschützt und so, dass du auch nach kräftigem Neuschnee von deinem Nachtlager wieder alleine wegkommst.

Vorbereitung Dachzelt

Das wichtigste Equipment beim Winter-Camping mit Dachzelt ist wohl das Dachzelt selbst. Spaß macht das Winter-Camping erst richtig, wenn für deine Tour alles entsprechend vorbereitet ist.

Isolierung

Ein sinnvolle Anschaffung für dein Dachzelt kann eine Thermohaube sein. Einige Dachzelthersteller bieten diese im Zubehör passend an.

Durch die Haube bildet sich zwischen Dachzelt und Thermohaube eine zusätzliche Luftschicht, die das Dachzelt isoliert. Die isolierende Wirkung sorgt dafür, dass sich der Taupunkt – also der Punkt, an dem die abgegebene Feuchtigkeit deines Körpers und deines Equipments kondensiert – weiter nach außen verschiebt. Je nach Atmungsaktivität des eigentlichen Dachzeltes bildet sich das Kondenswasser also nicht mehr im Dachzelt selbst, sondern zwischen Dachzelt und Thermohaube.

Häufig ist der Stoff der Thermohauben wenig atmungsaktiv und stark beschichtet. Du solltest also sicherstellen, dass trotzdem an mindestens zwei Stellen ein Luftaustausch zwischen dem Zeltinneren und der Außenwelt stattfinden kann, auch durch die Thermohaube hindurch. Wenn keine Luftzirkulation stattfindet, kann die im Schlaf ausgedünstete Feuchtigkeit nicht entweichen und es bildet sich schnell mehr Kondenswasser im Dachzelt als einem lieb sein kann. Viele Thermohauben haben deshalb kleine Fenster oder Fliegengittereinsätze.

An diesem Hartschalenzelt ist eine Thermohaube angebracht | Bild: Alex Esch

Matratze aufstocken

Obwohl die Bodenplatte von Haus aus je nach Aufbau leicht isolierende Eigenschaften hat, hält sie keine tiefen Temperaturen ab. Es ist also sinnvoll, die Kälte von unten durch ein Aufstocken der Matratze zu vertreiben.

Eine Mesh-Unterlage ermöglicht eine Luftzirkulation unter der Matratze ohne manuelles Zutun.  Die Unterlage reduziert zu jeder Jahreszeit das Schwitzwasser unter der Matratze. ein Zentimeter sollte ausreichen.

Außerdem kann man eine zusätzliche dünne Isolationslage unter die Matratze legen. Dies kann entweder eine handelsübliche Isomatte, eine komfortable Therm-a-Rest Matte  oder einfach dünnes Styropor sein.

Mit den beiden Lagen kannst du unter der Matratze noch  aufstocken. Wichtig ist, dass du es nicht übertreibst, denn dein Dachzelt sollte sich noch einfach schließen lassen.

Um zusätzlichen Isolation und Wärme von unten zu schaffen, kann man auch auf der Matratze noch nachhelfen: Schaffelle, Rentierfelle oder eine Merino-Decke als Unterlage sind nicht nur kuschelig sondern auch schön warm.

Zusätzliche Wärme erzeugen

Geheimtipp ist und bleibt die gute alte Wärmflasche. Mit in den Schlafsack oder unter die Decke und sie spendet dir die ganze Nacht mollige Wärme.

Wenn du noch mehr Wärme von der Liegefläche haben möchte, kannst du dir auch eine Heizdecke auf die Matratze legen. Es gibt Heizdecken, die mit 12 V über den Zigarettenanzünder betrieben werden.

Achte darauf, dass Heizdecken ca. 40 Watt verbrauchen. Bei 12 V sind das 3,3 A. Wenn du die Heizdecke 8 Stunden in der Nacht betreibst, muss deine Batterie mindestens 3,3 A x 8h = 26,7 Ah bereit halten. Es empfiehlt sich hier eine zusätzliche Verbraucherbatterie im Auto zu haben. Starter-Batterien sind meist nicht für die Entnahme von kleinen Strömen ausgelegt, sondern zum Bereitstellen von großen Strömen (100-300 A) in kurzer Zeit zum Starten des Autos eben. Falls du es doch mal übertrieben hast mit der Stromnutzung und dein Wagen nicht mehr anspringt, solltest du vor allem in entlegene Gebieten einen separaten Jump Starter aufgeladen an Bord haben.

Mit einer „Standheizung in der Box“ hat man eine Möglichkeit, sogar das Dachzelt und/oder das Vorzelt zu heizen. Wie du das selbst basteln kannst verrät dir Dachzeltnomade Thorsten Kuttig in diesem Artikel.

Dachzelt präparieren

Alle beweglichen Teile solltest du noch zuhause winterfest machen.

Für die Reißverschlüsse gibt es Silikonspray. Durch die Pflege mit einem fettenden Produkt lässt sich der Reißverschluss geschmeidiger ziehen und auch bei kalten Temperaturen noch angenehm öffnen.

Für die Leiter solltest du ebenfalls an den Stellen einfetten, an denen bewegliche Teile sind. Vor allem manche Teleskopleitern  sind kälteanfällig und sollten gut eingeschmiert oder eingesprüht werden. Wenn die Leiter abends nicht zu öffen ist oder morgens nicht zu geht, kann das schnell zum Ärgernis werden.

Die Verschlüsse und Scharniere des Zeltes können ein wenig WD40 gut vertragen. Das Öl gewährleistet die Beweglichkeit und verdrängt mögliches Wasser.

Wenn dein Dachzelt Dichtgummis hat, dann achte darauf diese auch einzufetten oder mit Silikonspray einzusprühen.

Wenn es kalt genug ist kann wirklich alles vereisen | Bild: Thilo Vogel

Vorbereitung deines Gefährtes

Die richtige Vorbereitung ist wohl die größte Herausforderung des Winter-Camping. Bevor es losgeht solltest du darauf achten, dein Auto vorher wirklich winterfest zu machen – je kälter dein Reiseziel dabei ist, desto wichtiger ist die perfekte Vorbereitung.

Ist das Auto winterfest?

Um das Auto wirklich winterfit zu bekommen ist noch zu Hause ein wenig an Vorbereitung sinnvoll. Einige Wintermaßnahmen macht man ja ohnehin jeden Winter. Diese jährlich wiederkehrenden Routinen solltest du alle noch einmal durchgehen: Winterreifen aufziehen, Profiltiefe überprüfen, Frostschutzmittel nachfüllen, Kühlflüssigkeit kontrollieren und gegebenenfalls nachfüllen, Eiskratzer und Besen an Bord, Sicherheitsutensilien überprüfen, Beleuchtung kontrollieren usw.

Es gibt aber auch ein paar zusätzliche Tipps für den Wagen, die das Leben erleichtern können, wenn man sie vor Fahrtantritt beachtet.

Schafft die Batterie das noch?

Wenn man mehrere Tage in der Kälte ist, sollte man vor allem auf die Batterie Acht geben. Am besten noch einmal checken, was die Autobatterie noch hergibt.

Ein Starterkabel gehört auch bei einer tip-top Batterie zur Grundausrüstung beim Winter-Camping. Wenn man sich abseits der Zivilisation aufhalten möchte, macht auch eine Jump Starter Sinn.

Abseits der Zivilisation solltest du auf eine Batterie besonders achten | Bild: Skyler Rinehart

Bist du ein Schneeketten-Newbie?

Ein must have ist vielerorts Schneeketten. Doch wie legt man die eigentlich an?

Es macht absolut Sinn, das Aufziehen von Schneeketten bereits zuhause ein- bis zweimal zu üben. Im schlimmsten Fall bei Minusgraden und Schneeregen irgendwo mitten auf der Straße erfreut es niemanden, wenn du erstmal die Bedienungsanleitung rauskamen muss – vor allem nicht deine eigenen Hände!

Die Schneeketten sind wirklich nur für Schneefahrbahn konzipiert. Einzige Ausnahme: Auch wenn du dich im Schlamm festgefahren hast können Schneeketten hilfreich sein. Oder du startest einfach ein Dachzeltnomaden-SOS-Ruf! Schneeketten legt man auf ebenem Untergrund an, wenn man irgendwo mitten im Schnee steckt ist das Anlegen zu spät und nur noch sehr mühsam machbar.  Sobald du wieder auf Asphalt fährst müssen die Ketten ab. 

Wenn dir deine Schneeketten mal reißen, wirst du glücklich sein, ein paar Ersatzglieder und eine Zange dabei zu haben. Bei den Schneeketten sind Ersatzglieder normal dabei, alternativ bekommst du sie auch im Baumarkt. Damit kannst du die Kette relativ einfach flicken und du bist wieder fahrtüchtig.

Die Schneeketten können auch auf Schneefahrbahn reißen | Bild: Thilo Vogel
Mit Ersatzgliedern und einer Zange lässt sich das flicken | Bild: Thilo Vogel

Vereisungen vermeiden

Insbesondere die Flüssigkeiten in deinem Fahrzeug sollten entsprechend winterfest gemacht werden. Dein Scheibenwischwasser kannst du mit der entsprechenden Beimischungen Frostschutz für die erwarteten Temperaturen vorbereiten. Im besten Fall tauschst du noch einmal die Kühlerflüssigkeit, da sich darin Wasser gesammelt haben kann, welches bei Minusgraden gefriert.

Außerdem Vorsicht mit dem Kraftstoff! Wenn es in richtig eisige Regionen geht, dann besser den Sprit vor Ort tanken, damit es auch wirklich Winterdiesel/ Winterkraftstoff ist. Dieser ist – genauso wie Premium-Kraftstoff – für die kalten Temperaturen besser ausgelegt, da er speziell für kalte Temperaturen angereichert ist. Für den Extremfall kann man dem Diesel selbst zusätzliche Anti-Paraffine beisetzen. Der Zusatz wird am besten vor dem Diesel in den Tank gegossen. Dieser verbessert die Fließeigenschaften des Kraftstoffes und bindet vorhandenes Kondenswasser.

Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, lohnt es sich auch, den Dieselfilter noch einmal zu tauschen. Auch dort kann sich Wasser ansammeln, welches da nicht hingehört.

Noch ein paar Tipps:

  • Alle Dichtungen und Gummiteile mit Silikonspray behandeln – dem Material zuliebe.
  • Türschlossenteiser ist in manchen Fällen eine feine Sache. Natürlich nur, wenn man am Auto den Schlüssel noch zum Aufschließen verwenden muss oder die Batterie der Fernbedienung den Geist aufgibt.
  • Auch die Handbremse kann vereisen (vor allem bei älteren Autos)! Überlege also lieber zwei mal ob du sie an der Stelle, an der du parkst anziehen musst. Alternativ kannst du einfach Steine entsprechend vor oder hinter die Räder legen, damit dein Auto nicht wegrollt.
  • Bei eingefrorenen Wischwasserdüsen kann die Wärmflasche beim Auftauen helfen – falls du keinen Fön zur Hand hast
  • wenn die Türen des Autos sich nicht öffnen lassen helfen meist ein paar (leichte) Schläge auf den Rahmen 

Standheizung (nicht) nur für Weicheier

Beim Winter-Camping ist die Möglichkeit, sich an einen warmen Ort zurückziehen zu können durchaus Gold wert. Wenn du bei schlechter Witterung das Dachzelt 1-10 min schließen musst, kann es danach schon einmal richtig wohltuend sein, deine halb erfrorenen Finger in den warmen Luftstrahl einer Standheizung zu halten. Innerhalb einer Minute bist du wieder komplett aufgewärmt.

Zweiter Vorteil einer Diesel-Standheizung: Sie bläst nicht nur warme, sondern auch trockene Luft in das Fahrzeuginnere. Ideal um deine feuchten Schuhe, Handschuhe, Jacke oder Klamotten zu trocknen. Spanne einfach ein paar Gepäckspanner im Fahrzeughimmel zwischen den Haltegriffen am Einstieg und fertig ist deine Wäscheleine. Alternativ kannst du natürlich auch eine richtige Wäscheleine benutzen.

Wenn du noch keine Standheizung hast, solltest du dir rechtzeitig überlegen, ob du eine Standheizung nachrüsten magst. Der Einbau ist mit handwerklichem Geschick und gutem Know-How auch selbst zu realisieren. Wenn du den Einbau nicht selbst vornehmen kannst oder möchtest, wende dich an den Mechaniker deines Vertrauens. Der Einbau einer Diesel-Luft-Standheizung dauert normalerweise einen Tag. Plane den Einbau mit Vorlauf, damit du die Standheizung in Ruhe testen kannst und bei Problemen Änderungen vornehmen kannst.

Vorbereitung für den Winter-Dachzeltnomaden

Die richtigen Klamotten

Für einen angenehmen Aufenthalt in winterlichen Gefilden, dürfen auch die richtigen Klamotten nicht fehlen. Jeder Dachzeltnomade hat hier bestimmt seine eigenen Vorlieben, aber ein paar Basics für angenehmes Winter-Camping gehören trotzdem dazu.

Die berühmte Zwiebeltaktik

Die Zwiebeltaktik kennt bestimmt jeder. Doch was besagt die eigentlich genau? Im Prinzip ist es ganz einfach: man zieht verschiedene Lagen übereinander. Wichtig dabei ist, dass keine der Schichten den Transport von Feuchtigkeit verhindert.

Mindestens genauso wichtig ist allerdings die Entstehung von Feuchtigkeit von vornherein zu verhindern. Das ist durch die Zwiebeltaktik relativ einfach, denn man kann individuell und schnell einzelne Kleidungsstücke an- und ausziehen. Du kannst dich bei mehreren Lagen prima auf äußerliche Einflüsse  und körperliche Beanspruchung anpassen und dadurch übermäßiges Schwitzen vermeiden.Obwohl die unterschiedlichen Lagen an Kleidung ziemlich eng aufeinander liegen entsteht eine zusätzliche Isolationsschicht durch die Luft zwischen den einzelnen Kleidungsstücken.

Die 3 Schichten der Zwiebel

Der Dachzeltnomade im Winter sollte in 3 Schichten gehüllt sein:

1. Lage: Hautschicht

Ideal ist für die unterste Schicht Funktionswäsche aus Polyester. Vor allem für die Damen gilt hier „mehr ist mehr“, denn ein langärmliges Funktionsshirt wird mehr Feuchtigkeit transportieren als ein Spaghetti-Top. Auch die Unterwäsche, sollte bedacht werden. Mehrere Lagen gut abgestimmter und atmungsaktiver Kleidung bringt am Ende keinen Mehrwert mit sich, wenn der Baumwollschlüpfer nichts taugt.

Ich persönlich bevorzuge auch als unterste Schicht lieber Merino – ich mag den Tragekomfort unglaublich gerne und der Stoff riecht nicht so schnell wie Synthetik.

2. Lage: Wärmeschicht

Die Wärmeschicht kann aus so vielen Lagen bestehen wie man möchte bzw. benötigt. Das ist stark von der körperlichen Anstrengung abhängig. Bei einem strammen Schneespaziergang wird man wesentlich weniger Wärme durch Kleidung brauchen, als wenn man den Sonnenuntergang von der Bank im Wald aus genießen möchte.

Für diese Lage(n) eignen sich Merino-Kleidung oder auch Fleece-Jacken besonders.

Ein Manko hat die Merino-Wolle: manche Merino-Farmen unterziehen die Schafe einer schmerzhaften Prozedur, um Parasitenbefall zu vermeiden. Ich bevorzuge die Produkte von Marken, die solche Verfahren nicht unterstützen, darunter Orthovox, Devot und Icebreaker.

3. Lage: Wetterschicht

Für windigere und nasse Tage ist noch eine äußerste Schicht ratsam. Die Industrie stellt uns in diesem Segment bereits eine Vielzahl von Produkten zur Verfügung, die wind- und wasserfest aber gleichzeitig atmungsaktiv sind. Eine ordentliche Hardshell-Jacken ist zwar erstmal auch eine ordentliche Investition – meiner Meinung nach aber jeden Cent wert.

Die Wetterschicht ist besonders bei kalten Stürmen unbezahlbar | Bild: Thilo Vogel

Der Stoff macht die Musik

Die Kleidung sollte also atmungsaktiv sein. Baumwolle ist das natürlich auch, aber das Material nimmt auch viel Feuchtigkeit auf und muss erst wieder trocknen. Bei der Atmungsaktivität geht es im Prinzip nicht nur darum, ob Luft durch das Material kommt, sondern wie schnell einmal entstandene Feuchtigkeit wieder wegtransportiert oder trocknen kann.

Einen guten Feuchtigkeitstransport und schnelle Trocknung gewährleisten Kunstfasern aus Polyester in den verschiedenste Varianten. Unter den natürlichen Materialien ist Merino-Wolle unschlagbar. Neben dem unglaublich angenehmen Tragekomfort und dem geruchshemmenden Eigenschaften nimmt Merino-Wolle bist zu einem Drittel des eigenen Trockengewichts an Feuchtigkeit auf, führt diese aber ebenso von der Haut nach außen ab. Solange die Wolle noch Feuchtigkeit aufnehmen kann, fühlt sich der Stoff nicht nass an und wärmt auch noch im feuchten Zustand.

Schlafsack – Komfort oder Lebensversicherung?

In den extremeren Gegenden für Winter-Camping ist ein ordentlicher Schlafsack nicht nur eine gute Investition, sondern ein must-have. Bei der Wahl des Schlafsackes sollte man demnach beachten, in welchen Gefilden man damit unterwegs sein möchte. Alle Schlafsäcke sind mit Norm-Werten ausgezeichnet. Daran kann man gut abschätzen was man braucht.

  • Der Komfortbereich (Comfort, T comf): Dieser Wert gibt den Temperaturwert an, bei dem die Norm-Frau (25 Jahre, 60 kg, 160 cm) gerade noch nicht friert und so komfortabel im Schlafsack schläft.
  • Der untere Grenzbereich (Lower Limit, T lim): Bis zu dieser Temperatur kann der Norm-Mann (25 Jahre, 70 kg, 173 cm) noch im Schlafsack nächtigen, ohne groß zu frieren.
  • Der Überlebensbereich (Extreme, T ext): In diesem Bereich besteht ein akutes Risiko der Unterkühlung und sollte für den „normalen Dachzeltnomaden“ nicht als praktisch nutzbarer Bereich angesehen werden.

Was für Dachzeltnomaden gilt, die nicht der Norm entsprechen, konnte im Rahmen der Recherche leider nicht empirisch getestet werden. Deshalb meine Meinung: Da jeder Mensch ein unterschiedliches Kälteempfinden und Wärmebedürfnis hat: lieber einen zu warmen als zu kalten Schlafsack kaufen. Orientiere dich also am Komfort-Bereich, die anderen Bereiche dienen eher zum Überleben und machen keinen Spaß!

Die drei unterschiedlichen Komfort-Bereiche des Schlafsackes

Pimp your Schlafsack

Wem der Schlafsack nicht warm oder kuschelig genug ist, der kann noch aufstocken.

Zusätzlich zum Schlafsack kann ein Inlet verwendet werden. Dieses Inlet gibt es aus verschiedenen Stoffen und in verschiedenen Dicken. Diese zusätzliche Schicht im Schlafsack dient vorwiegend zur Wärme-Isolierung hat aber gleichzeitig noch andere Eigenschaften: es ist hygienisch, schont den Schlafsack und dient als zusätzliche Schweißsperre.

Außerdem ist eine Decke im Fußbereich häufig keine schlechte Idee. Wer mag schon mit kalten Füßen schlummern? Ergänzend helfen auch Wärmflaschen, um die Füße und den Schlafsack die Nacht über warm zu halten.

Wie ich mich warm halte

Persönlich bin ich kein Fan von dem Schlafsack-Feeling und auch bei Minusgraden ( -8°C war das kälteste, das ich bisher gefunden habe) zufrieden mit meinen unterschiedlichen Lagen an Woll- und normalen Bettdecken.

Auf der Matratze habe ich noch zwei normale Bettdecken liegen, damit es ein wenig wärmer und kuscheliger von unten ist. Schaffelle würde ich alternativ auch gerne testen, habe aber leider noch keine. Auf die Bettdecken kommt zuerst die Wärmflasche, dann eine dicke Wolldecke. Darauf eine große Bettdecke (bzw. ich habe zwei schmale Bettdecken, die ich aber quer überlappend lege, als wäre es eine). Ab dem Gefrierpunkt lege ich darüber zusätzlich noch einen offenen Schlafsack. Damit habe ich es die Nacht über mollig warm und nur der Schlafsack ist morgens außen ein wenig feucht.

Unbedingt testen möchte ich noch einen Schlafsack mit Armen und Beinen. Was für eine tolle Erfindung! Ich habe mir allerdings von Winter-Dachzeltprofis sagen lassen müssen: „Das ist für Dachzeltnomaden nicht geeignet, da du Arme und Beine vom Temperaturaustausch mit dem Körper isolierst und es dadurch nur kälter wird.“ Schade…

Vorbereitung Equipment

Der richtige Kocher

Wenn man mit Gas kochen möchte, sollte man auf Gas mit einem hohen Propan-Anteil zurückgreifen. Butan bleibt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht gasförmig und ist nicht mehr zu gebrauchen. Am bekanntesten ist wohl das Winter-Gas von Primus, aber auch andere Marken stellen wintertaugliche Gaskartuschen her. Wichtig ist letztendlich die richtige Gasmischung:

 

Bei reinem Propan liegt der Siedepunkt mit -42°C extrem tief. Das Gas wird unter enormen Druck gelagert, was die kleineren Gas-Kartuschen nicht gut aushalten. Deshalb ist der Propan-Anteil in Kartuschen i.d.R. nicht höher als 20-40%.

Isobutan ist die Zwischenlösung und verfügt über bessere Brennqualitäten als Butan und schlechtere als Propan bei niedrigen Temperaturen. Der Siedepunkt liegt hier in Reinform bei -12°C.

Butangas ist wesentlich günstiger und hat schlechtere Brenneigenschaften, insbesondere bei niedrigen Temperaturen, da der Siedepunkt bei nur -1°C liegt. Es ist der Hauptbestandteil der gewöhnlichen Campingkartuschen.

Während für die gewöhnlichen „Sommerkartuschen“ also Butan/Propan gemischt wird, verwendet man meist die Kombination Isobutan/Propan, um bei niedrigen Temperaturen bessere Eigenschaften zu gewinnen. Je höher dabei der Propan-Anteil im Propan/Isobutan-Mix, desto besser ist die Kartusche für niedrige Temperaturen geeignet.

Bei der Benutzung von Gas noch ein Insider-Tipp: wenn es zu kalt ist, kannst du die Kartusche ein bisschen unter der warmen Lüftung aufwärmen und beim Kochen mit den Händen umklammern. Dann funktioniert das auch bei -40°C 😉

Nicht nur die Temperatur, sondern auch Höhenlage wirken sich negativ auf den Gaskocher aus. Bei Minustemperaturen über 2500 hm ist ein Benzinkocher wohl die bessere Wahl.

Wer sich nicht festlegen mag, kann sich einen Multifuel-Kocher besorgen, der sogar mit Benzin, Kerosin, Spiritus und dank Adapter ebenfalls mit Gas betrieben werden kann.

Alternative ist außerdem eine Bushbox. Diese gibt es in den unterschiedlichsten Größen und Ausführungen. Auch bei dieser Variante sind Höhenlage undTemperatur zu vernachlässigen. Brennmaterial dafür findet sich überall!

Die Kühlung beachten

Kühlung bei Winter-Camping? Das brauch man doch nicht!

Im Prinzip ist da viel wahres dran. Doch auch hier sind wieder besondere Vorkehrungen zu treffen, sobald es in zweistellige Minusbereiche geht. Dann macht sogar eine Kühlbox Sinn, damit die Lebensmittel und das Wasser über Nacht nicht einfrieren, tagsüber im warmen Auto (bei Standheizung) aber nicht schlecht werden. Bei längeren Reisen solltest du dir überlegen ob du eine Kompressor Kühlbox anschaffen magst.

Solange man die Lebensmittel im Kofferraum aufbewahrt ist die Temperatur im Innenraum des Autos kein Problem. Die Standheizung heizt zwar genügend für den Vorderraum des Autos, der Kofferraum ist zumindest bei mir immer noch recht kühl.

Alternativ kann man Lebensmittel dort verstauen, wo sich bei den modernen Autos kein Reserverad mehr befindet. Oder man packt einfach alles, was frieren darf in eine Box und stellt es in die Natur. Die meisten Lebensmittel halten Kälte ja ganz gut aus – aber aufpassen, dass du damit keine ungebetenen Tiere anziehst!

Von Hand bis Fuß

Alle Extremitäten sind der Kälte besonders ausgesetzt. Vor allem bei sehr tiefen Temperaturen, solltest du gut darauf achten und schnell reagieren, wenn Finger oder Zehen zu kalt werden. Einige kleine aber feine Gadgets haben sich beim Winter-Camping bewährt.

Für die Hände kann neben guten Handschuhen einen Taschenwärmer dienlich sein. Diese gibt es in den verschiedensten Ausführungen je nach Wunsch: von günstigen Gel-Taschenwärmer bis hin zu hochwertigen Benzin-Taschenwärmern. Außerdem sind die guten alten Fäustlinge als Überhandschuhe Gold wert!

Zum gemütlichen Sitzen im Freien ist ein Sitzkissen oder ein Fell fast ein Muss. Da gibt es die verschiedensten Varianten, bis hin zum höchstkomfortablen beheizbaren Campingstuhl.

Um kalte Füße zu vermeiden solltest du dich um gutes Schuhwerk kümmern. Wasserfest und warm sollten sie auf jeden Fall sein. An ordentlichen Schuhen würde ich nicht mehr sparen – gute Erfahrung habe ich mit Gore-Tex Produkten gemacht, damit bleiben meine Füße auch bei Schnee und Regen warm und trocken.

Wolleinlagen für die Schuhe sind bei mir schon fast obligatorisch, gibt es sogar beheizt. Wenn es in eisige Regionen gehen soll, kann man sich für die Füße ein Paar ordentliche Heizsohlen gönnen. Diese halten im Idealfall Kälte, Wind und Wasser ab, sorgen aber auch im Schlafsack für warme Füße.

Praxistipps zum Winter-Camping im Dachzelt

Das Dachzelt, das Gefährt und der Dachzeltnomade selbst sind nun super ausgestattet und vorbereitet. Für einen angenehmen Winter-Camping Urlaub im Dachzelt haben wir obendrauf noch einige Praxistipps von erfahrenen Dachzeltnomaden gesammelt.

Winter-Camping an der Skipiste in Kühtai | Bild: Thilo Vogel

Der Sieg über die Kälte

Mit der richtigen Vorbereitung hat man zum Thema Kälte mehr als die halbe Miete erreicht. Wenn man dann noch folgende Tipps beachtet, kann kaum mehr etwas schiefgehen:

  • Einmal komplett durchgefroren wird man schwer wieder warm. Achte immer darauf: Niemals komplett auskühlen! Sobald du Kälte fühlst, reagiere darauf. Zieh dich wärmer an, wärme dich mit Bewegung oder im warmen Auto auf!
  • Viel Wärme verliert man über den Kopf. Also: auch nachts die Mütze auf!
  • Ein Röhrentuch ist vielfältig einsetzbar und kann auch nachts von Schal bis hin zu kompletter Kopfbedeckung variiert werden. Selbst über den Mund kann man das Tuch ziehen und angenehm durch das Röhrentuch atmen.
  • Nimm  ein Paar ordentliche Arbeitshandschuhe mit auf Reisen! Finger werden schnell zum Problem bei Tätigkeiten im Freien (z.B. Dachzelt schließen oder Vorzelt aufstellen). Das fängt auch schon bei Temperaturen unter 10 Grad an, besonders wenn das Zelt nass ist. Wichtig ist, sein Zelt zu kennen. Eventuell übst du die wichtigsten Handgriffe zuhause im warmen und trockenen.
  • Lieber eine Decke zu viel, als eine zu wenig dabei haben.
  • Wechselklamotten mit ins Bett nehmen, dann sind sie schon angewärmt
  • Wärmflasche mit ins Bett
  • Schuhe mit in den Schlafsack nehmen kann sinnvoll sein, damit Sie nicht einfrieren. 

Essen & Trinken

Auch mit dem richtigen Essen und Trinken kann man sich das Winter-Camping richtig angenehm gestalten:

  • Von Innen warm machen. Suppen und Eintöpfe eigenen sich prima im Winter. Die können auch mal einfrieren und sind trotzdem noch lecker.
  • Nicht hungrig ins Bett gehen. Der Körper hat sonst keine Energiereserven und friert in der Nacht schneller. Also lang ruhig zu beim Abendessen. 
  • Kein Alkohol. Je 50 g Alkohol sinkt die Körpertemperatur um ein halbes Grad!
  • Scharfe Gewürze essen (z.B. Chili) und trinken (z.B. Ingwer). Sie regen die Durchblutung an, wenn man Glück hat bis in die Extremitäten.
  • Teller und Besteck aus Holz, Bambus oder Kunststoff sind angenehmer im Handling und werden bei tiefen Temperaturen nicht so kalt bzw. schneller wieder warm.

Good to know

  • Bevor du dich ins Zelt kuschelst: Blase leeren! Lieber einmal mehr als einmal zu wenig. Fast nichts ist schlimmer als nachts raus in die Kälte zu müssen!
  • Bewegung hilft gegen frieren. Gerade morgens ist hilfreich, sich etwas zu bewegen und den Körper auf Temperatur zu bringen.
  • Achte darauf, dass deine Klamotten möglichst trocken sind.

Außerdem beachten

Was kann dennoch passieren? Welche unvorhergesehenen Ereignisse können passieren. Worauf muss man gefasst sein?

Schneelast auf dem Zelt kann je nach Alter und Ausführung zu schwer für dein Dachzelt werden.  Bei manchen Hartschalenzelten lassen sich die Gasdruckfedern von innen verstärken oder serienmäßig fixieren, bei manchen nicht. Achte generell drauf, dass nicht zu viel Schnee auf deinem Dachzelt liegt.

Dieses Hartschalenzelt kann das zusätzliche Gewicht des Schnees nicht standhalten.  Bild: Thilo Vogel

Auf ein letztes Wort…

Den ganzen Winter nur in der Bude hocken und vor Fernweh zerfließen? Kein Wunder dass genau an dieser Stelle für viele die Winterdepression beginnt – gefolgt von der Frühjahrsmüdigkeit. Das muss nicht sein!

Ich persönlich bin ein absoluter Winter-Camping Enthusiast. Zugegebenermaßen liegt das mitunter daran, dass ich kalte Temperaturen lieber mag als Hitze. Das Winter-Camping lässt mich aber darüber hinaus die ruhige Jahreszeit in vollen Zügen geniessen. Denn es ist auch überall ruhiger und nicht so hektisch überlaufen wie im Sommer.

Mit voller Überzeugung kann ich deswegen allen Dachzeltnomaden das Winter-Camping empfehlen. Am Ende bedeutet Winter-Camping ja nicht immer Schnee und Eis, es gibt durchaus auch temperaturmäßig angenehme Destinationen für die kalte Jahreszeit. Wenn du lieber gestern als heute und einfach immer auf Tour gehen möchtest, dann lass dein Dachzelt zukünftig über den Winter nicht einstauben, sondern lass es am besten gleich auf dem Auto, und los…

Header picture by Rebecca Roß

About Rebecca Roß

Rebecca ist Dachzeltnomadin der ersten Stunde und ist im September 2017 in ihr Dachzelt auf ihrem Suzuki Vitara gezogen. Sie liebt die Berge und den Schnee. Diese Reise war alles andere als geplant, es ist einfach so passiert und fühlt sich gut an.

3 Antworten auf „Winter-Camping im Dachzelt“

  1. Wow, wirklich ein toller und umfassender Artikel! Da bekommt man wirklich Lust, sofort los zu düsen, auch wenn sich das anspruchsvoll anhört.
    Kleine Anmerkung noch zum Thema „Essen und Trinken“: Ich persönlich finde Besteck und Geschirr aus Holz noch besser als das aus Plastik – außerdem hat es noch bessere „Wärmeeigenschaften“, denn es leitet Temperaturen nur sehr langsam und fühlt sich meist warm an.
    Grüßle 🙂

    1. Hallo Lisa!

      cool, dass dich der Artikel inspiriert. Genau so soll es sein =)

      Vielen Dank für deine Anmerkung. Natürlich ist Holz auch eine super Alternative und weit näher an der Natur als Plastik. Ich werde es mit aufnehmen.

      Grüße zurück
      Rebecca

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