Dachzelt-Heizung selbstgebaut: Autoterm Air 2D im Alukoffer

Weichflöten mögen es kuschelig! – Der Albtraum eines Dachzelt-Hardliners Morgens bei geschmeidigen 18°C an der East Coast Südafrikas im Dachzelt aufzuwachen oder sich abends bei angenehmen Temperaturen in Spaniens Sierra Alhamila ins Dachzelt zu verkriechen und dabei den grenzenlosen Sternenhimmel zu genießen, ist sicherlich der Traum eines jeden Dachzeltnomaden. Für die meisten Regionen auf der südlichen Hemisphere mag das durchaus ganzjährig möglich sein. Auf der nördlichen Seite unserer wunderschönen Erde gibt es auch zahlreiche Möglichkeiten, dem Dachzeltleben zu frönen – nur eben nicht immer bei mollig warmen Temperaturen. Die Einen zeigen ihre ganze Manneskraft oder ihre – nicht zu unterschätzende – weibliche Härte und trotzen den widrigen Witterungsbedingungen mit aller Willensstärke. Die Anderen sorgen vor und decken sich mit Gasofen, Spirituskocher, einem Haufen Decken oder in der Arktis erprobten Schlafsäcken ein. Und dann gibt es jene wie uns – Fenny und mich – die wohl eher der dritten Kategorie angehören. Jene, die Schlafsäcke verweigern, weil das Zusammenkuscheln so schön ist, die keine Lust haben, zitternd und bibbernd in die Schlafklamotten zu schlüpfen und morgens durch aufs Gesicht dröppelnde Kondenswasserfontänen geweckt zu werden. Typische Dachzelt-Weichflöten eben. Da mir das harmonische Miteinander erheblich wichtiger ist als die Selbstbeweihräucherung ob meiner vermeintlichen Willensstärke und ich mich ungern mit meinem geliebten Weibchen anlege, musste eine Lösung her. Eiszapfen an der Nase! – Die Idee mit der Dachzelt-Heizung Zunächst dachte ich daran, die Luft der in meinem JEEP verbauten Wasser-Standheizung einfach ins Zelt umzuleiten. Ein Blick auf das Amperemeter verriet aber: Keine gute Idee, wenn ich am nächsten Tag noch den Wagen starten wollte. 12 – 15 A pro Stunde macht eine Starter-Batterie nicht lange mit, zumal bei uns noch eine 45 W Kühlbox 24/7 läuft. Im Dezember 2016 führte uns unsere Reise nach Marokko, zusammen mit anderen JEEPern. Zwei von ihnen hatten eine Standheizung in ihrem Fahrzeug verbaut, die erheblich weniger Strom und Diesel konsumierte und die ganze Nacht durchlaufen konnte. “Pah”, dacht ich mir auf 2800 m bei -4 °C, “mein Gasofen wird’s schon richten”. Dass Gasöfen bei diesen Temperaturen irgendwann ihren Dienst verweigern, wurde mir am nächsten Morgen schlagartig bewusst, als wir mit Eiszapfen an der Nase und am Zeltgestänge aufwachten. Nach zwei Wochen Dauer-Bibberei und -Nörgelei griff ich zu Hause zum Tablet und recherchierte. Webasto, Eberspächer, Truma, Gazcamp, Autoterm (früher Planar)… – die Einen waren viel zu teuer, die Anderen zu laut, die Dritten zu durstig, aber dieses russische Webasto-Nachbau-Unikum – die Autoterm Air 2D (ehemals Planar 2D) – erschien mir adäquat. Die Air 2D ist eine 2 kW Diesel-Luft-Standheizung und die kleinste im Sortiment des russischen Herstellers Autoterm (früher Planar). Sie wird sowohl in der 12 V als auch in der 24 V Variante angeboten. Sie ist eine preisgünstige Alternative zur Eberspächer Airtronic D2. Der größere Bruder der Air 2D ist die Air 4D (ehemals Planar 44D) mit 4 kW Heizleistung.  Hier findest du Standheizungen von Autoterm (Affiliate Link).  Mit dem Gutschein Code DZN50 bekommst du 50 Euro Rabatt auf die Diesel Heizung! Konstruieren geht über Studieren! – Der VFX-Fuchs greift zur Waffe Als sogenannter 3D- und VisualFX Artist bin ich quasi “Computer-Künstler” – andere nennen mich auch gern “Pixelschubser” – und als ehemaliger Flugzeugmechaniker kann ich auch irgendwie konstruieren. Also schnappte ich mir meine Waffe, das Konstruktionsprogramm 3D Studio Max, öffnete mein JEEP 3D Modell im Computer und fing an zu planen und designen. Wohin mit der Standheizung? Wie führe ich die Luft ins Zelt? Wie viel Platz habe ich zur Verfügung? Wie groß darf die Konstruktion werden? Welches zusätzliche Gewicht fahre ich mit mir herum? Wie lang muss ich die Schläuche ausführen? Säge ich Löcher ins nagelneue James Baroud? Letzten Endes – und nach Abwägung aller technischen und finanziellen Gegebenheiten – entschied ich mich für folgende Lösung: Ich würde die Air 2D mit samt 7 Litern Dieseltank und Dieselpumpe in eine 70 Liter-Aluminiumbox (565 mm x 360 mm x 350 mm) einbauen und zwei ca. 2,5 m lange, flexible Heißluftschläuche (60 mm), sowie die Autoterm-Fernbedienung von außen – durch den hinteren Eingang – ins Zelt führen. Dazu müsste ich aber zunächst einen Heckgepäckträger entwickeln, auf dem die Box ihren Platz finden sollte. Give it a go! – Bestellung aller Teile Den Heckgepäckträger – der sehr fahrzeugspezifisch ausfällt, weswegen ich nicht näher darauf eingehe – fertigte ich aus Aluminiumprofilen und verschraubte diesen mit der Heckklappe meines JKs. Die Aluminium-Box bezog ich über ebay (70 Euro), die Heißluftschläuche über die Firma “Primaflex” (113 Euro, ab 10 m bestellbar) und die Air2D mit samt Zubehör (583 Euro). Ach ja, der Tank (7 Liter): Dieser wird nicht mit der Air 2D geliefert und schlägt nochmal mit 50 Euro zu Buche. Die Air 2D kannst du zum Beipiel über Pundmann beziehen (Affiliate Link). Mit dem Gutschein Code DZN50 bekommst du 50 Euro Rabatt auf die Diesel Heizung. Summa summarum: 816 Euro zzgl. Kleinkram wie Kabelbinder, Verlängerungskabel etc. Im Montagekit der Autoterm 2D (früher Planar 2D) sind alle notwendigen Teile für den Einbau bereits komplett enthalten. Lieferumfang der Autoterm 2D Heizgerät 12 V digitales Bedienteil PU-8M (Kabellänge 1,8m) Dosierpumpe “Thomas Magnet P327” Abgasschalldämpfer Gummihalter Dosierpumpe Kabelbaum Dosierpumpe Kabelbaum Heizgerät Ansaugluftschlauch mit integriertem Schalldämpfer Hitzeschutzschlauch Endstück Abgasrohr + Schelle Tankansaugrohr 5,5 m Kraftstoffleitung 300 mm Kraftstoffleitungsverbinder 1m Abgaswellrohr Metall Schrauben, Muttern, Schellen, Schrumpfschlauch, Kabelbinder Bedienungsanleitung Wird Schon Schiefgehen! – Der Zusammenbau der Dachzelt-Heizung Der Zusammenbau gestaltete sich relativ einfach. Aus dem Baumarkt holte ich mir Distanzstücke aus Kunststoff und befestigte mit diesen den Tank an der vorderen Wand der Alubox. Für das Heizmodul fertigte ich eine Art Podest aus Aluwaben-Platten. Die Dieselpumpe verschraubte ich entsprechend des Handbuches (Position und “Steigwinkel” sind wichtig) an der Seitenwand. Für die Frischlufteinsaugung und den Abgasschlauch der Brennkammer sägte ich mit einer Lochsäge und Akkuschrauber entsprechende Löcher in den Boden der Alubox. Nach ein paar Stunden war der Drops gelutscht und ich hatte eine voll funktionale, externe und quasi mobile Dachzelt-Heizung mit einem Gesamtgewicht von ca. 12 kg vor mir stehen, die nur noch mit dem Heckträger verschraubt werden musste. Vom Heißluftschlauch schnitt ich ein 2,5 m und ein 1,5 m Stück ab – den einen für die Frischluftansaugung und den anderen für den Warmluftauslass des Heizmoduls. Die Schläuche werden einfach auf die Stutzen des Heizgerätes gesteckt. Sie halten auch unverschraubt gut und stramm. Die Breite der Alubox ist so bemessen, dass die Schläuche im leicht geknickten Zustand zwischen Alubox-Wand und Heizmodul an den Stutzen gepresst werden. Auf Zeltseite werden die Schlauchenden durch die hintere Zelttür geführt und mit dicken Kabelbindern an das Zeltgestänge des James Baroud Evasion angebracht. Da ein Schlauch die warme Zuluft ins Zelt befördert und ein Schlauch die abgekühlte Zeltluft aus dem Zelt heraus, macht es Sinn, beide Schläuche getrennt voneinander auf je einer Seite im Zelt anzubringen. Die Schläuche verbleiben bei uns dauerhaft im Zelt. Richtig gelegt nehmen sie kaum Platz weg. Vorsicht ist im Bereich des Zeltgestänges (nicht nur beim James Baroud) geboten: Der Platz unter den Gasdruckfedern muss frei bleiben, sonst könnten beim Zusammenbau des Zeltes die Schläuche beschädigt werden. Das Kabel der Fernbedienung habe ich verlängert, um sie im Zelt direkt über unseren Köpfen mit zwei Knippingschrauben ans Zeltdach zu fixieren. Safety first! – Keine Chance dem Kohlenmonoxid Das Abgasrohr habe ich mit meinem Heckträger und dem Schalldämpfer verschraubt. Achtung: Die Position des Abgasrohres sollte sorgfältig geplant werden und möglichst weit weg von der Frischluftansaugung des Heizgerätes gelegt werden. In unserem Fall liegt die Frischluftansaugung ohnehin im Zelt. Bei einer ebenfalls möglichen Außenansaugung (z. B. direkt an der Box) kann es sein, dass, wenn beide Leitungen zu dicht nebeneinander liegen und die Windrichtung stimmt, Abgase durch das Frischluftrohr der Standheizung angesaugt werden, die dann ins Zeltinnere geleitet werden. Zur Sicherheit habe ich mir einen Kohlenmonoxidwarner ins Zelt eingebaut. Diese Geräte kosten nicht viel, sind batteriebetrieben und schützen je nach Ausführung nicht nur vor Kohlenmonoxid, sondern auch vor anderen Gasen, wie z. B. Butan oder Propan. Um die Funktion des Melders zu testen, habe ich den Wagen gestartet, das Gerät eingeschaltet und vor den Auspuff gehalten. Man sieht auf dem Display sofort, wie der CO-Wert steigt. Wird ein (noch) ungefährlicher CO-Wert für eine bestimmte Zeit überschritten (z. B. 300 ppm = 0,03 % für 3 Minuten), schlägt das Gerät mit einem sehr lauten Piepen Alarm. Läuft! First Launch – Die erste Inbetriebnahme der Dachzelt-Heizung Den Tank gefüllt und das Amperemeter bereit gelegt, scheiterte direkt der erste Versuch der Inbetriebnahme. Zugegeben: Ich stehe mit Handbüchern auf Kriegsfuß und so auch die Heizung mit mir, denn die Heizung tat nichts – dachte ich. Doch plötzlich setzte ein rhythmisch-stoisches, aber in der Geschwindigkeit langsam zunehmendes Klackern ein. Als Mechaniker war mir klar: “Wenn es irgendwo mechanisch klackert, bedeutet das womöglich nichts Gutes”. Und ohne es besser zu wissen, zog ich den Stromstecker. Mittlerweile weiß auch ich, dass dieses Klackern normal ist und es sich dabei um die Dieselpumpe handelt. Sie zieht in regelmäßigen Abständen Kraftstoff aus dem Tank und spritzt ihn mit jedem Klackern in die Brennkammer der Standheizung ein. Je nach eingestellter Heizleistung ist dieses Klackern langsamer oder schneller. Und plötzlich wuchs meine Hühnerbrust in Echtzeit auf stolz geschwollene “Arni-Maße” an. Ich hatte es geschafft! Dem Gerät entfleuchte warme, gar heiße Luft und suchte sich durch den Schlauch den Weg ins Zeltinnere. Und das Beste: Es ging schnell! Auf niedrigster Stufe war das Zeltinnere binnen weniger Minuten bockelwarm – yeeeehaw! Mittlerweile bin ich zwar immer noch nicht durch das Handbuch durchgestiegen – die Sinnhaftigkeit mancher derer könnte man aber auch wirklich ad absurdum führen – aber zumindest habe ich folgendes herausgefunden: Einschalten: Zwei Mal in der Mitte der Fernbedienung drückenAusschalten: Wieder zwei Mal drückenTaste rechts/links: Temperatur runter oder rauf Anm. d. Redaktion: Mittlerweile wird die Standheizung auch mit einem Drehregler zur stufenlosen Verstellung der Heizleistung oder im Kit mit einem digitalen Bedienteil mit OLED-Display und Zeitschaltuhrfunktion angeboten. Komm her, du geliebtes, russisches Kleinod aus Plastik und Metall! – Ein positiver Eindruck Manch einer mag uns belächeln, andere wollen gar nicht mehr aus unserem Zelt herauskommen. Mal abgesehen davon, dass ich nun ein noch glücklicheres Weibchen habe, kann ich sagen: Projekt Dachzelt-Heizung – successfully completed. Nicht nur, dass wir uns nun den Ärger mit meterdicken Bettdecken und Schlafsäcken sparen, nein, wir könnten bei Minusgraden durchaus halb nackig im Zelt liegen, ein Filmchen schauen oder anderen schönen Aktivitäten frönen. Morgens tropft einem das Wasser nicht mehr ins Gesicht, die Matratze bleibt staubtrocken und setzt keine Stocknässe an, die Seitenwände sind halbwegs trocken (sie sind je nach Wetterlage nach einer Nacht immer leicht feucht). Aber das Schönste: Wir scheuen uns nicht mehr, eiskalte Nachtklamotten anzuziehen – denn: Sie sind einfach nicht mehr kalt. Ca. 5 Minuten vor dem Ins-Zelt-Verkriechen starten wir die Dachzelt-Heizung, legen die Wäsche parat und ruckzuck ist nicht nur die Luft, sondern auch die Bettwäsche super vorgewärmt – quasi “Weichei-Benutzerfreundlich”. Und wer sich dann die Sauna geben will, der stellt die Dachzelt-Heizung einfach auf volle Pulle. Es würde mich wundern, wenn es Einen oder Eine gibt, der/die nicht nach kurzer Zeit das Schwitzen anfängt. Was ich damit sagen will: Wir betreiben die Dachzelt-Heizung auf kleinster Stufe. Mehr wäre bei Außentemperaturen von ca. 8°C einfach zu warm. Bei uns läuft die Dachzelt-Heizung die ganze Nacht, dabei können wir – auch wenn es draußen kälter ist – die Fenster öffnen, damit noch mehr Frischluft ins Zelt gelangen und Feuchtigkeit dem Zelt entfleuchen kann. Also: Double-Win! Check! Und sonst so? – Der Verbrauch und die Verarbeitung Die Autoterm (früher Planar) begnügt sich auf kleinster Heizstufe mit ca. 0,8 A und 100 ml, auf höchster Heizstufe braucht sie 2,4 A und ca. 240 ml Diesel pro Stunde. Folglich bedeutet das für eine 7 h-Nacht auf kleinster Heizstufe (was meistens komplett ausreicht): 5,6 A Strom und 0,7 l Diesel. Durchaus akzeptable Werte – selbst für etwas kleine Starter-Batterien oder kleinere Tanks. TIPP: Der Profi kann die Dieselpumpe übrigens auch direkt an das Kraftstoff-System des Fahrzeuges anschließen. Die Verarbeitungsqualität ist russisch. Und da ich auch an russischen Kampfbombern gearbeitet habe, kann ich das sagen: Grob, aber robust und zuverlässig. Durchweg gut also und für den Preis fast unschlagbar. Was alles an Zubehör erhältlich ist, entzieht sich meinem Wissens, aber es gibt wohl noch GSM-Module, mit denen man das Teil – ganz im 80th-style … Dachzelt-Heizung selbstgebaut: Autoterm Air 2D im Alukoffer weiterlesen